Schifffahrtsprojekte Bagger bedrohen Öko-Paradiese an der Donau

Die Donau wird als Naturwunder geschützt und zugleich zur Wasserstraße ausgebaut. Das oft widersinnige Baggern und Bewahren wird mit EU-Millionen finanziert - obwohl neue Schiffe die Vertiefung überflüssig machen könnten.

Von Sebastian Knauer


Die Quelle im Schlosspark von Donaueschingen ist in eine verzierte Balustrade eingefasst. Eine Skulptur aus Marmor zeigt die Donau als junges Mädchen zusammen mit ihrer Mutter Baar, die ihr den Weg nach Osten weist. 2840 Kilometer weiter mündet Europas zweitgrößter Strom ins Schwarze Meer.

Dort erstreckt sich im rumänisch-ukrainischen Grenzgebiet das Donaudelta. Jedes Jahr schiebt es sich durch Schwebstoffe und Sandablagerungen mehr als 50 Meter weiter ins Meer. "Hier wächst Europa", sagt Ulrich Eichelmann, Flußexperte und Berater der Naturschutzorganisation WWF. "Gleichzeitig soll es für den Schiffsverkehr geopfert werden."

Auf dem Satellitenbild erscheint das Mündungsgebiet als Öko-Paradies, von Seen und Wasserarmen durchzogen. Doch Bagger, Industrie und ehrgeizige Verkehrspläne bedrohen das Idyll. Geld aus der Europäischen Union beschleunigt die Bauvorhaben. Im Rahmen der sogenannten Transeuropäischen Verkehrsnetze und finanziert aus Strukturhilfen steht der massive Ausbau der Donau zu einer Wasserstraße mit durchgängig 2,50 Metern Tiefe auf der Wunschliste der EU-Wirtschaftsförderer.

An der unteren Donau lässt sich exemplarisch nachvollziehen, wie in den zukünftigen Wachstumsregionen der Konflikt zwischen Umwelt und Wirtschaft ausgetragen wird. Mit dabei: Öko-Bürokratie, Vetternwirtschaft, Subventionsmissbrauch.

Bisher bietet der relativ naturbelassene Unterlauf des Flusses vielen seltenen Tierarten Zuflucht. Hier finden sich noch große Exemplare des Störs, die zum Laichen den Fluss hoch wandern.

Donau-Verlauf: Von Brigach und Breg bis ins Schwarze Meer
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Am rumänischen Donau-Ufer haben Uferschwalben den lehmigen Steilhang für die Anlage von Bruthöhlen durchlöchert. "Auf einigen Metern Ufer gibt es hier mehr seltene Vögel als am ganzen Rhein", sagt die rumänische Projektleiterin Orieta Hulea.



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