Schiffsunglück vor Neuseeland Auslaufendes Öl bedroht Naturparadies

Die Gefahr eines Desasters vor Neuseeland wächst: Aus dem havarierten Frachter tritt Öl aus, bedroht empfindliche Ökosysteme. Einsatzkräfte müssen wegen schlechten Wetters hilflos zuschauen. Schon jetzt spricht die Regierung von der "schlimmsten maritimen Katastrophe" in der Geschichte des Landes.

DPA/ Massey University/ Maritime New Zealand

Wellington/Berlin - Aus dem leckgeschlagenen Containerschiff vor der neuseeländischen Küste läuft immer mehr Öl ins Meer. Die Regierung sprach am Dienstag von der schwersten Umweltkatastrophe auf See in der Geschichte des Landes. Ein Rettungsteam musste das Schiff am Morgen aus Sicherheitsgründen verlassen: Meterhohe Wellen schlugen gegen die "Rena" und machten die Arbeiten zu gefährlich.

Umweltminister Nick Smith erklärte, die Menge des ausgelaufenen Öls betrage bis zu 350 Tonnen - fünfmal mehr als ursprünglich angenommen. Die Säuberungsarbeiten würden Wochen dauern. Insgesamt sollen sich rund 1700 Tonnen Öl an Bord des Frachters befinden. Erste Ölklumpen wurden bereits an Stränden der Nordinsel angespült. "Dieses Ereignis hat ein Ausmaß erreicht, das es zu Neuseelands größter maritimer Umweltkatastrophe macht", sagte Smith.

Die Umweltorganisation WWF hat davor gewarnt, dass Schweröl aus der "Rena" in die Nahrungskette gelangen könnte. "Wenn die Gesamtladung ausläuft, dann befürchte ich Schlimmeres", sagte WWF-Meeresschutzexperte Stephan Lutter. "Das wäre das Worst-Case-Szenario." Das Öl könne bis zu einem Jahrzehnt in der Nahrungskette bleiben. "Das Wichtigste ist, das Öl abzupumpen, bevor der Frachter zerbricht."

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Neuseeland: Tragödie in der Plenty-Bucht
Doch genau das gestaltet sich außerordentlich schwierig. Über Nacht hatte sich die Schlagseite des 236 Meter langen Frachters zwar zwischenzeitlich verringert. Inzwischen stehe das Schiff aber ungünstiger als zuvor, teilte die zuständige Behörde Maritime New Zealand (MNZ) mit. Die Situation sei mehr und mehr "besorgniserregend", erklärte Sprecher Nick Bohm. Noch sei nicht klar, ob die "Rena" auseinanderbrechen werde.

Die Wettervorhersagen für die kommenden zwei Tage sind schlecht: Die Wellen könnten Höhen von fünf Metern erreichen. Taucher wollten die "Rena" am Mittwoch inspizieren. Laut Bohm wurden von insgesamt 1700 Tonnen Öl an Bord bisher nur rund zehn Tonnen auf ein Spezialschiff gepumpt.

WWF vergleicht Unglück mit "Pallas"-Ölpest in der Nordsee

Die bisher ausgetretene Menge an Treibstoff ist nach Angaben des WWF vergleichbar mit einem Schiffsunglück in der Nordsee im Jahr 1998. Damals waren rund hundert Tonnen Schweröl aus der "Pallas" ausgelaufen - 16.000 Tiere starben an den Folgen. Ähnliches sei auch in Neuseeland möglich, sagte Lutter mit Blick auf die mögliche Zahl toter Tiere in der betroffenen Plenty-Bucht, einem Paradies für Seevögel, Delfine und Wale.

Aufräumteams haben in der Bucht bereits zahlreiche tote und verölte Seevögel gefunden, darunter auch Pinguine. Die Helfer wurden von Bewohnern der Region unterstützt, die Warnungen der Behörden vor dem giftigen Ölschlamm ignorierten. Eine Tierrettungsstation teilte mit, dass sie in den kommenden Tagen ihre Kapazität von 500 Vögeln erreichen werde und dann keine Tiere mehr aufnehmen könne. Die in der Gegend lebenden Meeressäuger sind nach Angaben des WWF noch nicht betroffen. "Das wäre bei einem größeren Ölteppich aber zu befürchten", meint Lutter.

Die in Liberia registrierte "Rena" war am vergangenen Mittwoch auf das Astrolabe-Riff vor der Stadt Tauranga aufgelaufen. Die Unglücksursache ist noch immer unklar: Es herrschte eine ruhige Wetterlage, und das Riff ist in den Karten verzeichnet. Der Schiffseigentümer, die Costamare Inc. mit Sitz in Griechenland, hat sich bisher ebenfalls nicht zur Unglücksursache geäußert. Man kooperiere mit den Behörden und bemühe sich, die Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren. Die "Rena" wurde 1990 gebaut und hat 1350 Container an Bord.

mbe/dapd/dpa/AFP



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