Wilde Botaniker Schimpansen suchen gezielt nach Früchten

Welcher Baum trägt zu welcher Zeit leckere Früchte? Offenbar kennen sich Schimpansen mit Botanik aus. Gezielt suchen sie in freier Wildnis Pflanzen ab, die gerade oder in naher Zukunft gute Nahrung liefern.

Schimpansen (Archivbild): Genetisch sind sie nahezu identisch mit dem Menschen
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Schimpansen (Archivbild): Genetisch sind sie nahezu identisch mit dem Menschen


Leipzig - Schimpansen leben im Regenwald. Da wundert es fast nicht, dass sich die intelligenten Menschenaffen offenbar mit Botanik auskennen. Ihr Wissen nutzen sie, um im Urwald gezielt nach frischen Früchten zu suchen, berichtet ein Forscherteam des Leipziger Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie im Fachmagazin "Animal Cognition".

Im Tai-Nationalpark in der westafrikanischen Elfenbeinküste zeichneten die Wissenschaftler die prüfenden Blicke der Schimpansen in Baumkronen auf. Für ihre Analyse verwendeten sie nur Aufnahmen, bei denen die Menschenaffen in die Bäume geschaut hatten, ohne Früchte zu finden. Damit konnten sie ausschließen, dass duftende Früchte den Blick der Affen nach oben lenkten. Sie fanden heraus, dass die Schimpansen die Bäume in der Erwartung inspizierten, dort bald Früchte zu finden.

Als Bäume dann zeitgleich Früchte trugen, konnten die Forscher vorhersagen, welche Bäume die Tiere auswählen würden, um reife Leckereien zu finden. Ihre Schlussfolgerung: Schimpansen wissen, dass bestimmte Bäume zeitgleich Früchte tragen - und sie nutzen dieses Wissen bei der Nahrungssuche.

Dabei kombinieren sie offenbar verschiedene Fertigkeiten: botanische Kenntnisse, das Kategorisieren von Obstsorten und das räumliche Gedächtnis - um die passenden Bäume auch wiederzufinden.

"Unsere Ergebnisse zeigen, welche Vielfalt an Strategien unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, bei der Nahrungssuche anwenden", sagt der Leiter der Abteilung Primatologie, Christophe Boesch. "Darüber hinaus beleuchten sie auch die evolutionären Ursprünge der menschlichen Fähigkeit des Kategorisierens und abstrakten Denkens."

Bereits frühere Studien hatten gezeigt, wie ähnlich Schimpansen dem Menschen im Sozialverhalten und Lernen sind. So schauen sie sich beispielsweise an, wie ihre Artgenossen Werkzeuge benutzen und kopieren die Techniken, um schneller an Futter zu kommen.

jme/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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onkendonk 11.04.2013
1. Nein!
Nicht nach billigen Aktienoptionen oder einer Mercedes Werkstatt für ihren 500? Mal Spass besieite-brauch man dafür eine wissenschaftliche Untersucung? Das macht meine Katze auch (natürlcih nicht mit Früchten) seit sie bei mir ist!
BettyB. 11.04.2013
2. Wahnsinn...
Schon toll, was man im 21.Jh. noch als wissenschaftliche Erkenntnis verbreiten kann. Wer bezahlt so eine Untersuchung längst bekannter Tatsachen?
fwohlgemuth 11.04.2013
3. Auch bei Orangs
ist diese Verknüpfung botanischer Information mit kalendarischer und geographischer Information bereits beschrieben worden. Wenn ich mich richtig erinnere, bestimmte das sogar das jahreszeitliche Wanderverhalten.
michaelkaloff 11.04.2013
4. Das schaffen auch...
cerebral weniger hoch entwickelte Tiere. Zwischen Mexiko und Alaska ziehende Zimtkolibris treffen abhängig von der Witterung zum richtigen Zeitpunkt auf Wiesen mit passenden Futterpflanzen ein. Diese Futterplätze mit entspr. Futterpflanzen sind häufig nur wenige hundert Quadratmeter groß. Also: Raumgedächtnis, raumzeitliche Anpassung an schwankende Witterungsbedingungen und "botanische Kenntnisse" sind vorhanden.
duk2500 11.04.2013
5. tolle Erkenntnis!
Ganz tolle wissenschaftliche Erkenntnis! Jetzt weiß ich endlich, daß auch mein Hund so intelligent ist wie ein Primat, er guckt nämlich auch immer nach seinem vollen Futternapf. Warum wird in der heutigen Zeit eigentlich noch Staatsgeld für solche Banalitätsforschung verplempert?
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