Schimpansen Vom Bruder bedroht

Sie lachen, sie benützen Werkzeuge, sie führen Kriege und sie können sogar Gebärdensprache lernen. Kein Tier ähnelt dem Menschen so sehr wie der Schimpanse. Und niemand wird dem Schimpansen so gefährlich wie der Mensch.


Bonobos: Die kleinste und bedrohteste Schimpansenart
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Bonobos: Die kleinste und bedrohteste Schimpansenart

Schimpansen haben 98,4 Prozent ihrer Gene mit dem Menschen gemeinsam. Das mag nach mehr klingen, als es ist, da auch die Fruchtfliege immerhin zu 75 Prozent die gleichen Gene hat. Trotzdem ist die Ähnlichkeit unserer Urwaldvettern mit uns oft frappierend, besonders seit Forscher wie Jane Goodall herausgefunden haben, dass die Schimpansen zu vielem im Stande sind, was früher als menschliche Einzigartigkeit galt.

Der Schimpanse hat jedoch vor allem einen Feind: den Menschen. Sein nackter Bruder wird ihm durch die Abholzung der Urwälder in Afrika und durch die Jagd gefährlich. Besonders im Kongo-Becken, wo es noch die größten Bestände gibt, macht der Mensch gnadenlos Jagd auf fast alles, was sich bewegt - auch Schimpansen. Als Buschfleisch wird die Beute dann tonnenweise zu Höchstpreisen verkauft. Darunter auch Schimpansenfleisch - denn es gilt dort als Delikatesse. Die Gesamtzahl der Tiere hat sich in den letzten hundert Jahren auf ein Zehntel verringert.

Außer dem Menschen - und manchmal Artgenossen - haben Schimpansen eigentlich nur einen Feind: den Leoparden. Auch die Affen selbst ernähren sich nicht ausschließlich vegetarisch. Ihre Hauptnahrung sind zwar Früchte, Blätter und Nüsse, aber auch Termiten, Fliegen, Larven und Vogeleier finden sich auf ihrem Speiseplan. Von Zeit zu Zeit betätigen sie sich auch als Jäger. Kleinere Tiere wie Ratten, Eichhörnchen, aber auch Paviane, Buschschweine und Jungantilopen gehören zu ihrer Beute. Wenn sie jagen, gehen Schimpansen sehr intelligent vor. Es gibt Treiber und Fänger.

Schimpansen sind gewöhnlich auf allen vieren unterwegs, manchmal gehen sie jedoch auch aufrecht. Ihre muskulösen Arme sind länger als die Beine. Ein ausgewachsener Schimpanse kann die Kraft von fünf bis sechs Menschen erreichen. Obwohl sie sehr gute Kletterer sind, halten sie sich meist auf dem Boden auf. Nachts bauen sie sich jedoch aus Zweigen Schlafnester in den Baumwipfeln.

Die Tiere leben in größeren Gruppen, bisweilen werden Mitglieder jedoch auch aus der Gemeinschaft ausgestoßen und führen zumindest zeitweise ein Einzelleben. Elementar für das spätere Fortkommen in der Gruppe ist die Kindheit der jungen Schimpansen. Sie sind sehr lange mit der Mutter eng verbunden. Zwei bis vier Jahre lang werden sie gestillt. Erst mit 7 bis 13 Jahren sind sie ausgewachsen und geschlechtsreif.

Dominik Baur



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