Schlammkanone gegen Ölleck BP meldet Erfolge bei Operation "Top Kill"

Gewissheit gibt es frühestens am Abend - doch BP zeigt sich mit dem Verlauf der Operation "Top Kill" zufrieden. Der jüngste Versuch, das Ölleck im Golf von Mexiko zu schließen, läuft dem Konzern zufolge nach Plan. Möglicherweise tritt bereits jetzt nur noch Schlamm aus.
Schlammkanone gegen Ölleck: BP meldet Erfolge bei Operation "Top Kill"

Schlammkanone gegen Ölleck: BP meldet Erfolge bei Operation "Top Kill"

Foto: HO / Reuters

BP

Öllecks im Golf von Mexiko

New Orleans - kommt bei seinem neuen Versuch zur Abdichtung des offenbar voran. Auf den Videobildern sehe es so aus, als ob nur noch Bohrschlamm und kein Öl mehr aus dem beschädigten Bohrloch ausströme, sagte BP-Einsatzleiter Doug Suttles auf einer Pressekonferenz in Louisiana. Gewissheit habe man aber noch nicht, da das ausströmende Material nicht aufgefangen werden könne. "Wir wissen erst, dass wir erfolgreich waren, wenn nichts mehr fließt", sagte der BP-Manager rund sechs Stunden nach Beginn des jüngsten Versuchs, das Ölleck zu schließen.

Konzernchef Tony Hayward hatte kurz zuvor erklärt, bislang funktioniere alles nach Plan. Ob das sogenannte "Top-Kill"-Verfahren erfolgreich sei, werde sich aber erst in den nächsten 24 Stunden herausstellen, fügte er hinzu.

Seit Mittwoch 20 Uhr (MESZ) wird mit Hilfe von Unterwasser-Robotern schwerer Schlamm unter Hochdruck in das Bohrloch in 1600 Meter Tiefe gepumpt. Anschließend soll es dann mit Zement versiegelt werden. Kurz zuvor hatte der US-Küstenschutz grünes Licht für den Einsatz gegeben, nachdem Wissenschaftler die Technik in Augenschein genommen hatten. Die Methode ist zwar anerkannt, wurde allerdings noch nie in einer solchen Tiefe ausgeführt. BP schätzt die Erfolgschancen auf 60 bis 70 Prozent - sollte der Versuch jedoch misslingen, könnte sich die Situation noch verschlechtern.

Über zwei Leitungen sollen bis zu 8000 Liter der Masse aus Schlamm und Zement in den Abdichtkopf gepumpt werden. Geht alles gut, stoppt der Gegendruck der Dichtmasse das aufsteigende Öl, der "Kill" wäre erfolgreich. Falls nicht, fließt im schlimmsten Fall noch mehr Öl als bisher in den Golf. Ob die Aktion gelingt, hängt nach Meinung von Wissenschaftlern unter anderem davon ab, wie hoch die austretende Ölmenge tatsächlich ist.

Der Ölmulti war bei seinen Versuchen, das Bohrloch zu schließen, immer wieder gescheitert. Unter anderem sollte eine riesige Metallglocke die Quelle versiegeln, aus der seit der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" vor fünf Wochen täglich Hunderttausende Liter Öl ausströmen. Im US-Bundesstaat Louisiana sind inzwischen über 160 Kilometer Küste von einem Ölfilm überzogen.

Die Plattform "Deepwater Horizon" war vor wenigen Wochen vor der US-Südküste explodiert. Seitdem sprudeln täglich mehrere hundert Tonnen Rohöl ins Meer. Bislang sind aus dem Leck mindestens sieben Millionen Liter Öl ausgetreten, das gesamte Ausmaß ist nach wie vor nicht bekannt.

"Top Kill" wird in den USA als entscheidende Aktion im Kampf gegen die Ölpest gewertet. Gelingt es, das Leck auf diese Weise zu verschließen, könnte BP sich voll auf die Reinigung des Meeres und der Küsten konzentrieren. Der täglich zunehmende Schaden für die Meeres- und Tierwelt sowie für die Wirtschaft in der betroffenen Region ließe sich laut Experten derzeit noch auf ein erträgliches Maß begrenzen, schrieb die "New York Times" am Mittwoch.

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Golf von Mexiko: Die schwarze Flut erreicht die Küste

Foto: NASA / Michon Scott

Sollte der aktuelle Versuch, der auch live im Internet zu sehen ist (siehe Kasten oben, oder: alternativer Link ), misslingen, ist BP nach eigenen Angaben auf einen zweiten Anlauf vorbereitet. Der Konzern könne zudem kurzfristig einen 1,50 Meter hohen Zylinder aus Stahl über die Ölquelle stülpen, der das Öl auffangen soll, sagte Vizepräsident Kent Wells. Über ein Rohr an der Vorrichtung könnte die Brühe nach oben in ein Schiff gepumpt werden. Vor drei Wochen war BP mit einem ähnlichen Versuch gescheitert, weil Eiskristalle die Leitung verstopften. Allerdings kam damals eine wesentlich größere, 13 Meter hohe Kuppel zum Einsatz.

Am Freitag will US-Präsident Barack Obama zum zweiten Mal die von der Ölpest betroffene Region im Bundesstaat Louisiana besuchen. Er wolle dort direkt mit den Betroffenen sprechen und sich ein Bild von etwaigen Fortschritte machen, hieß es aus dem Weißen Haus. Unabhängig vom Ausgang der Operation "Top Kill" will Obama Berichten zufolge an diesem Donnerstag deutlich schärfere Regelungen für Ölbohrungen im Meer ankündigen. Die Regierung werde strengere Sicherheitsstandards und häufigere, rigidere Kontrollen auf Bohrinseln einführen, hieß es aus dem Weißen Haus.

Obama

nannte die Ölkatastrophe am Mittwoch "herzzerreißend" und sagte, das Geschehene unterstreiche die Notwendigkeit alternativer Energieressourcen. Die US-amerikanische Regierung ist zunehmend unter Druck geraten, weil sie Kritikern zufolge zu spät auf die Umweltkatastrophe reagiert und zu wenig dagegen getan haben.

ler/Reuters/AFP/dpa/apn
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