Schlaue Fische Stichlinge lernen wie Menschen

Manche Fische denken offenbar menschlicher, als Biologen bisher geahnt hatten. Ausgerechnet bei Stichlingen - die nicht eben für ihr großes Hirn bekannt sind - glauben Forscher jetzt Ansätze sozialen Lernens entdeckt zu haben.

Oxford - Soziales Lernen gilt als Grundvoraussetzung für die Entstehung von Kultur: Die Fähigkeit, aus eigenen Erfahrungen und denen anderer zu lernen und so nach und nach Wissen anzuhäufen, wurde bisher nahezu ausschließlich dem Menschen zugebilligt. Nur selten wurden Ausnahmen beobachtet - etwa Delfine, die ihrem Nachwuchs beibringen, Schwämme zur Nahrungssuche zu verwenden, oder Orcas, die ihren Artgenossen eine sehr spezielle Technik der Robbenjagd vermitteln. Auch Schimpansen schauen sich gerne Dinge ab, die sie zum eigenen Vorteil verwenden können.

Nun wurde Menschenaffen und Meeressäugern, besonders Delfinen und Orcas, schon immer ein hohes Maß an Intelligenz nachgesagt. Umso überraschender ist, was britische Forscher nun im Experiment mit winzigen Fischen herausgefunden haben.

Jeremy Kendal von der University of Durham und seine Kollegen fingen rund 300 Zwergstichlinge (Pungitius pungitius) aus einem natürlichen Gewässer und setzten sie in Aquarien mit je zwei Fütterungsmaschinen, sogenannten Feedern. Eine davon lieferte viele Würmer, die andere wenige. In der ersten Phase beobachteten die Forscher, welchen Feeder die Fische bevorzugten. In der zweiten Phase konnten diese Fische dann anderen beim Fressen zuschauen - allerdings waren die beiden Feeder vertauscht.

Die kleinen Probanden beobachteten nach Angaben der Forscher genau, wie groß die Ausbeute ihrer Artgenossen war. Bekamen die mehr Futter als sie selbst, kopierten die Fische der ersten Gruppe das Verhalten ihrer Artgenossen und schwammen ebenfalls bevorzugt zur ergiebigeren Nahrungsquelle - obwohl sie zuvor die Erfahrung gemacht hatten, dass der futterreiche Feeder in der anderen Ecke stand.

Spuckte die Maschine hingegen weniger Würmer aus, kopierten sie das Verhalten der anderen Fische nicht. Je mehr Futter der Feeder hergab, desto eher waren die Tiere bereit, das Verhalten ihrer Artgenossen zu imitieren.

War der Ertrag in beiden Fällen ähnlich groß, reagierten die Fische häufig unschlüssig. Sie schienen regelrecht abzuwägen, ob ihre Erfahrung oder die ihrer Artgenossen für sie wertvoller sei, und optimierten daraus ihr Verhalten, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Behavioral Ecology" . Das lasse darauf schließen, dass sich soziales Lernen nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Tieren entwickelt habe - und vor allem, dass dafür kein großes Gehirn notwendig sei.

mbe/ddp

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