Umweltzerstörung Schleppnetz-Fischerei zerstört Leben am Meeresboden

Grundschleppnetze versprechen Fischern reiche Beute - doch die Methode steht wegen schwerer Umweltschäden seit langem in der Kritik. Jetzt zeigt eine neue Studie, wie verheerend die Folgen für die Lebewesen am Meeresboden sind.
Krabbenkutter mit hochgezogenem Grundschleppnetz: "Katastrophale Effekte" der Bodenabtragung

Krabbenkutter mit hochgezogenem Grundschleppnetz: "Katastrophale Effekte" der Bodenabtragung

Foto: Ingo Wagner/ picture alliance / dpa

Barcelona - Scholle, Seezunge, Garnele: Die Fischerei mit Grundschleppnetzen hat massive Folgen für das Leben am Boden der Tiefsee. Das zeigt die Studie eines internationalen Forscherteams um Antonio Pusceddu von der Polytechnischen Universität von Marche im italienischen Ancona. In Gebieten, in denen diese Fangmethode regelmäßig angewendet wird, gibt es demnach deutlich weniger organisches Material und kleinere Lebewesen auf dem Meeresgrund, auch die Artenvielfalt ist dort geringer.

Die Fischerei mit Grundschleppnetzen ist ein weltweit verbreitetes Verfahren zum Fang von Meerestieren wie Schollen, Seezungen oder Garnelen. Die Methode hat viele Kritiker, da bei ihrem Einsatz Meeresboden zerstört und viele darauf lebende Wesen vernichtet werden. Die "intensive und chronische Grundschleppnetz-Fischerei" verwandle Meeresboden in Sachen Artenreichtum in eine Wüste, warnen Pusceddu und seine Kollegen.

Weniger organisches Material, weniger Artenvielfalt

Grundschleppnetze bestehen aus einem trichterförmigen Fangsack, der von einem oder mehreren Schiffen gezogen wird. Die maulartige Öffnung des Netzes wird über unten liegende Gewichte und oben befindliche Schwimmkörper erzeugt. Beim Typ der Scherbrett-Grundschleppnetze befindet sich auf der Unterseite des Eingangs ein Grundtau, das über den Meeresboden gezogen wird. Zwei seitliche Scherbretter ziehen das Netz auseinander. Diese Bretter sind extrem schwer und können Furchen in den Boden ziehen, wodurch Sediment aufgewirbelt wird.

Martín und seine Kollegen untersuchten den 40 Kilometer langen unterseeischen Canyon La Fonera. Fast täglich fahren hier Schiffe hinaus, um Afrikanische Tiefsee-Garnelen (Aristeus antennatus) zu erbeuten. Die Grundschleppnetz-Fischerei findet allerdings fast nur entlang der Nordseite des Canyons statt, die Südseite wird nur teilweise derartig befischt.

Der Vergleich zwischen Nord- und Südseite zeigte, dass das Sediment in den befischten Gebieten deutlich weniger organisches Material enthält und eine geringere Meiofauna - also kleine Bodenlebewesen - aufweist. Auch die Artenvielfalt war dort geringer. So kamen in den befischten Sedimenten etwa weniger Fadenwurm-Spezies vor, schreiben die Wissenschaftler im US-Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" .

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Tödliche Netze: Delfine als Beifang

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Nach Angaben der Forscher sind die Auswirkungen der Grundschleppnetz-Fischerei auf das Tiefsee-Ökosystem vergleichbar mit den "katastrophalen Effekten" der Bodenabtragung, die der Mensch beschleunigt.

nik/dpa
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