Falsch abgebogen Buckelwal dreht Runden in der Ostsee
Glücksburg: Ein Buckelwal, der schon Freitag in der Flensburger Förde gesichtet wurde, hat überregional für Aufsehen gesorgt
Foto: Jan Philip Leon / dpaMindestens ein Buckelwal ist nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) in der Flensburger Förde gesichtet worden. Der Wal sei am Freitag im Hafen von Glücksburg-Quellental gefilmt worden. Ist man zunächst noch davon ausgegangen, dass es sich um zwei Wale auf dem Video handele, hat der Nabu am Sonntag die Anzahl der Tiere korrigiert.
Laut dem Nabu sind Buckelwale selten in der Ostsee anzutreffen, da sie dort nur begrenzt Nahrung finden. Gewöhnlich halten sie sich im Sommer im Nordatlantik und in den Polarregionen auf, wie Dagmar Struß vom Nabu auf einer Webseite berichtet. Die Leiterin der Landesstelle Ostseeschutz informiert dort laufend über die Entwicklung.
Es sei möglich, dass der gesichtete Buckelwal auf dem Weg nach Norden war, möglicherweise Heringsschwärmen folgte, falsch abgebogen ist und somit in unserer Region landete, heißt es weiter. Vor einer Woche sei der Wal vor Haverdal in Schweden im Kattegat aufgetaucht – zumindest ist laut Struß zu vermuten, dass es sich um dasselbe Tier handelte, das in Richtung Ostsee unterwegs war.
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Wal seit Freitag vor Ort
Das erste Mal haben Menschen den Buckelwal am Freitag in der Flensburger Förde gesichtet. »Das war so gegen 10.20 Uhr, als wir beim Arbeiten auf unseren Booten waren, und dann haben sich die Wale angekündigt durch lautes Möwengeschrei«, sagte Segellehrer Jan Philip Leon von der Hanseatischen Yachtschule Glücksburg der Deutschen Presse-Agentur. Er sei nur drei Meter von dem Tier entfernt gewesen. »Das war schon sehr beeindruckend. Das sieht man ja auch nicht alle Tage.« Er habe schon einige andere Wale gesehen, bis Freitag aber noch nie einen Buckelwal. Leon filmte das Ereignis im Hafen.
Zunächst war davon ausgegangen worden, dass es sich um zwei Tiere handelt. Doch mittlerweile nimmt der Nabu an, dass ein einzelner, zwölf Meter langer Buckelwal seine Runden dreht. »Bitte beachten, dass es sich um einen Koloss handelt, der gut 30 Tonnen oder mehr wiegen kann. Auch wenn es sich um ein sehr friedliches Tier handelt, kann es zu Unfällen kommen«, heißt es auf der Nabu-Webseite.
Sorge um Sicherheit des Tieres
Naturschützer sind um das Wohl des Tieres besorgt. Es sei wichtig, Abstand zu halten und langsam zu fahren, schreibt Struß: »Schnelle Motorboote verursachen unangenehmen bis das Gehör schädigenden Unterwasserlärm. Wir bitten darum, 10 Knoten nicht zu überschreiten.«
Struß und Kollegen hoffen, dass das Tier die Ostsee bald wieder verlässt: »Die laute und schadstoffbelastete Ostsee stresst die Meeressäuger.« Zudem stellten Fischernetze in dem stark wirtschaftlich genutzten Binnenmeer eine große Gefahr dar.
Ein weiteres Risiko: Die großen Bartenwale können auf der vergeblichen Suche nach Nahrung in der Ostsee abmagern. »Die Problematik wird durch die schwindenden Fischbestände verschärft, eine direkte Folge jahrzehntelanger Überfischung. Hinzu kommen Eutrophierung durch an erster Stelle landwirtschaftliche Nährstoffeinleitungen und schließlich der fortschreitende Klimawandel«, heißt es auf der Webseite.
Obwohl Buckelwale vorrangig Krill zu sich nehmen würden, bilden kleinere Fische einen Teil ihrer Ernährung –also vermutlich auch die letzten Schwärme des Ostseeherings. »Doch was als potenzielle Nahrungsquelle erschien, entpuppt sich in der Realität als trügerisch. Selbst für Fischer sind die Heringsbestände in der Ostsee kaum noch eine zuverlässige Lebensgrundlage«, schreiben die Naturschützer.
Immer wieder tauchten in der Ostsee Buckelwale auf, so habe sich etwa 2016 ein junger Buckelwal monatelang im Greifswalder Bodden aufgehalten. Dieser stieß nach Angaben des Naturschutzbundes sogar bei stürmischem Wetter mit einem Segelboot zusammen. Womöglich konnte das Tier die Ostsee dennoch wieder verlassen – es war nirgends angeschwemmt worden.