Plastikfasern Schonwaschgang belastet die Umwelt

Von wegen Schonwaschgang. Zumindest für die Belastung der Umwelt mit Mikroplastik ist der Begriff unpassend. Denn ausgerechnet bei diesem Programm gelangen besonders viele Textilfasern ins Wasser.

Mann beim Beladen einer Waschmaschine: Jährlich werden Tausende Tonnen Kunstfasern hergestellt
Guido Mieth/ Getty Images

Mann beim Beladen einer Waschmaschine: Jährlich werden Tausende Tonnen Kunstfasern hergestellt


Waschmaschinen verbrauchen nicht nur Energie und Wasser, sie belasten die Umwelt auch noch auf andere Weise. Waschmittel und Weichspüler können neben anderen Substanzen auch Mikroplastik enthalten. Dieses kann dann über das Abwasser wieder in die Gewässer gelangen, da Kläranlagen bisher nicht über eine entsprechende Technik verfügen. Außerdem lösen sich beim Waschen aus manchen Textilien wie Fleece-Pullovern winzig kleine Synthetikfasern, die ebenfalls die Umwelt belasten.

Abhilfe schaffen könnte hier das Schonwaschprogramm von Waschmaschinen - zumindest scheint das der Name zu versprechen. Zwar gibt man dabei meist weniger Wäsche in die Trommel als beim Standardprogramm, dafür wird mehr Wasser verwendet und mit geringerer Drehzahl geschleudert. Die Reibung unter den Wäschestücken verringert sich. Man könnte also annehmen, dass auch weniger Fasern freigesetzt werden.

Aber eine Studie von Forschern der Newcastle University kommt zu einem anderen Ergebnis: Demnach gelangen beim maschinellen Schonwaschen durchschnittlich 800.000 winzige Mikrofasern mehr ins Abwasser als bei Programmen mit höheren Drehzahlen beim Schleudern.

Zur Einordnung: Frühere Studien hatten laut einem Bericht des "Guardian" ergeben, dass beim Waschen von synthetischer Kleidung zwischen 500.000 und sechs Millionen Mikrofasern pro Waschgang freigesetzt werden können. Die Bekleidungsindustrie produziert jedes Jahr mehr als 40 Millionen Tonnen Kunstfasern.

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"Das Ergebnis hat uns überrascht", sagt Studienleiter Grant Burgess. Die Arbeit des Meeresbiologen ist im Fachmagazin "Environmental Science and Technology" erschienen. Die Forscher hatten erwartet, dass mehr Wasser in der Maschine zu weniger Kunststoff-Emissionen führen würde. Aber das Gegenteil war der Fall.

Die Forscher hatten T-Shirts aus Polyester zunächst in Versuchsaufbauten im Labor und dann in Waschmaschinen mit verschiedenen Programmen getestet. Berücksichtigt wurden Wassermenge, Temperatur, Waschdauer und Bewegung der Wäsche.

Anschließend wurden frei gewordene Fasern mit einem Filter aus dem Waschwasser gesammelt und gewogen. Dabei zeigte sich, dass sehr viel mehr Polyesterfasern im Schonwaschgang freigesetzt wurden. Warum das so ist, ist nicht vollständig geklärt. Es könne aber nur an der höheren Wassermenge liegen, so die Forscher. "Offenbar wird die Wäsche durch weniger Wasser auch weniger durcheinandergewirbelt. Zudem könne das Wasser selbst die Fasern aus der Kleidung ziehen, da sich die T-Shirts stärker vollgesaugt hatten. Beim Schleudergang werden die Fasern zusammen mit dem Wasser dann aus der Kleidung gepresst. Filtersysteme für Waschmaschinen, die Mikrofasern aus dem Wasser fischen, sind bisher die Ausnahme.

Mit der Studie wollen die Wissenschaftler herausfinden, auf welchen Wegen Mikroplastik in die Umwelt gelangt. Vor allem in den Gewässern hat der Eintrag in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Laut der Weltnaturschutzunion (IUCN) gelangen ungefähr 1,5 Millionen Tonnen Mikroplastik jedes Jahr ins Meer, der meiste Kunststoff wird über Flüsse in Asien in die Ozeane gespült.

Zwar ist noch unklar, welche Auswirkungen die Partikel in der Umwelt haben. Aber inzwischen konnten Forscher schon im Arktiseis und selbst in der Tiefsee Plastik nachweisen.

Reduzieren lässt sich der Eintrag von Mikroplastik aus Waschmaschinen zwar im Prinzip durch Kleidung aus Wolle, Baumwolle, Seide oder Leinen. Aber in der Umweltbilanz sind diese Stoffe auch nicht unproblematisch, da für die Herstellung teils große Mengen Wasser benötigt werden.

joe



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