Schottland Ur-Skorpion war mannsgroß

Ein Geologe hat in Schottland die sechs Meter lange Kriechspur eines gigantischen Wasserskorpions entdeckt. Aus den Abdrücken schließt der Forscher, dass sie vom wohl größten bekannten Gliederfüßer stammen: Das Tier war 1,60 Meter lang und einen Meter breit.

Es muss ein furchteinflößendes Bild gewesen sein, das der Skorpion beim Verlassen des Wassers bot. Das Tier, das vor rund 330 Millionen Jahren lebte, war mannsgroß. Im Sand hat es eine sechs Meter lange und einen Meter breite Kriechspur hinterlassen.

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Abdrücke im Sandstein:: Was vom Riesen-Skorpion bleibt

Foto: University of Sheffield

Entdeckt hat sie Martin Whyte von der University of Sheffield. "Es war ein Zufallsfund", berichtet er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Er habe nicht nach Skorpionspuren gesucht. Der Geologe war an der schottischen Küste spazieren gewesen. "Es war schönes Wetter, das Licht war optimal." Da habe er an einem überhängenden Felsen oberhalb der Wasserlinie die Spur entdeckt. "Da müssen schon Hunderte Leute vorbeigelaufen sein, ohne sie zu bemerken." Auch er selbst sei vorher schon mehrfach an der Stelle gewesen.

Der mittlerweile ausgestorbene Hibbertopterus war etwa 1,60 Meter lang, einen Meter breit und besaß mindestens sechs Beine. Das Tier habe auch außerhalb des Wassers überleben können, schreibt Whyte in der Fachzeitschrift "Nature" (Bd. 438, S. 576). Die Spuren zeigten, dass sich der Skorpion kriechend und sehr langsam fortbewegt habe.

Nach Whytes Angaben handelt es sich nicht nur um die größten Abdrücke eines Gliederfüßers, die bislang an Land gefunden wurden, sondern auch um die älteste bekannte Bewegungsspur an Land überhaupt. Die 330 Millionen Jahre alten Abdrücke stammen aus der Zeit, in der die Lebewesen ihre ersten Schritte außerhalb des Wassers wagten - auf allen Vieren.

Die sechs Meter lange Spur besteht aus 27 Zentimeter langen Abdrücken der Füße und einer zentralen Schleifspur, die durch den riesigen Schwanz des Wasserskorpions verursacht wurde. Vermutlich sei der Ur-Skorpion an Land ein sehr schwerfälliges Tier gewesen, schreibt Whyte.

Teils schiefe Linien an den Seiten und an der Spur im Sandstein deuteten auf eine ruckartige Bewegung hin. Die langsame Bewegung wie auf Stelzen wertet Whyte zusammen mit dem Schleppen des Hinterteils als Anzeichen dafür, dass das Tier sich nicht schwimmend fortbewegte und vermutlich aus dem Wasser kroch.

Wissenschaftler der Bergakademie Freiberg weisen darauf hin, dass es wahrscheinlich sogar noch größere Gliederfüßer gab, als jenen der einst an Schottlands Küste herumkroch - zumindest, was die Länge betrifft. Vor sechs Jahren hatte der Paläontologieprofessor Jörg Schneider in Thüringen das Fossil eines 64-Beiners entdeckt, der nach seiner Schätzung bis zu 2,50 Meter lang war.

Holger Dambeck

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