Schutz der Artenvielfalt Uno wirft den Ländern Versagen vor

Viele Tier- und Pflanzenarten sind schon ausgestorben. Jetzt warnt die Uno in ihrem aktuellen Bericht zur Lage der biologischen Vielfalt vor weiteren unumkehrbaren Schäden: Der Regenwald im Amazonas etwa könnte eines Tages einer Savanne ähneln.

WWF - Canon / John MacKINNON

New York - "Wir erreichen einen Wendepunkt, an dem der Schaden für den Planeten unumkehrbar ist, wenn wir nicht sofort handeln". So lautete die eindringliche Mahnung, die der Generalsekretär der Uno-Konvention zur biologischen Vielfalt, Ahmed Djoghlaf, am Montag bei der Vorstellung des neuen Uno-Umweltberichts an seine Zuhörer richtete.

Wenn nicht schnell radikale Maßnahmen ergriffen würden, werde die Umwelt so geschädigt, dass sie sich nur schwer oder gar nicht mehr erholen könne, heißt es in dem Bericht - es ist der dritte dieser Art. Gerade die Artenvielfalt sei akut bedroht. Vor allem der Regenwald am Amazonas und die Korallenriffe in den Ozeanen seien gefährdet. Das habe schwere Auswirkungen auf allen Lebensbereiche der Erde.

"Viele Volkswirtschaften sind immer noch blind für den enormen Einfluss der Artenvielfalt von Tieren, Pflanzen und anderen Lebensformen und ihre Rolle für Wohlergehen und Funktion des Ökosystems", schreibt der Chef des Uno-Umweltprogramms (Unep), Achim Steiner. Das betreffe die Wälder und Trinkwasservorräte ebenso wie den Boden, die Ozeane und die Atmosphäre. "Die Menschheit hat irgendwie die Illusion geschaffen, dass wir ohne die Vielfalt der Arten auskommen oder dass sie unsere moderne Zeit nur noch am Rande angeht", sagte der Deutsche. "Die Wahrheit ist: Wir brauchen sie mehr denn je auf einem Planeten mit 6,8 Milliarden Menschen, auf dem im Jahr 2050 neun Milliarden Menschen leben werden."

"Nicht ein Land hat das Ziel erreicht"

Den Schätzungen zufolge ist derzeit fast ein Viertel der Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Zwischen 1970 und 2006 ging die Populationsgröße von Wirbeltieren demnach um fast ein Drittel zurück. Das auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung im Jahr 2002 in Johannesburg vereinbarte Ziel, bis 2010 den Verlust an biologischer Vielfalt entscheidend zu verlangsamen, sei nicht erreicht worden. "Nicht ein Land hat dieses Ziel erreicht", sagte Djoghlaf. Erst vor Kurzem hatte auch die EU eingeräumt, ihre ursprünglich 2001 beschlossenen Ziele verfehlt zu haben - zehn weitere Jahre will man sich nun geben, um das Vorhaben umzusetzen.

Jetzt sei dringendes Handeln nötig, um das Schlimmste zu vermeiden. Die Erde dürfe nicht mehr so verschmutzt und die Ozeane nicht überfischt werden. Auch auf die Amazonas-Wälder müsse das Augenmerk gerichtet werden. Gerade sie hätten einen enormen Einfluss auf das Weltklima, die Niederschläge und die Erhaltung der Arten.

Der Uno-Bericht, der sich auf 110 nationale Berichte zur biologischen Vielfalt stützt, stellte drei mögliche Szenarien für unumkehrbare Schädigungen belasteter Ökosystemen vor. So könne es wegen des Klimawandels und Abholzungen im Amazonas-Regenwald zu einem weitreichenden Artensterben kommen, der Wald könne schließlich einer "savannenähnlichen Vegetation" gleichen.

In einem Vorwort des Berichts forderte der Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, dem Problem "in allen Bereichen, in denen Entscheidungen zu treffen sind, sowie in allen Wirtschaftssektoren eine höhere Priorität" einzuräumen.



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picard95, 12.05.2010
1. Deutschland kein gutes Vorbild
Egal wo ich hinziehe: Stück für Stück wird der Boden versiegelt, obwohl die Bevölkerungszahl in D eher rückläufig ist. Da wird neues Bauland für Einfamilienhäuser ausgewiesen. Acker- und Brachflächen wird zum Gewerbegebiet; sehr beliebt entlang von Bundesstrassen. Dann ziehen einige Firmen aus grösseren Städten in die Pampa und die Mitarbeiter können sehen wo sie bleiben. Natürlich muss eine Strasse hingebaut werden. Wenn das Gewerbegebiet zu 50% belegt ist, ist die Hälfte der Firmen schon wieder Pleite und die Gebäude verfallen. In unserem Dorf wurden alte Laubengrundstücke plattgemacht; 200 Bäume wurden auch gefällt um daraus auch Baugrundstücke zu machen. Dabei wurde erst die Busverbindung zur grossen Stadt gekappt; d.h. ohne Auto wird da nie jemand hinziehen. Auch wenn es jetzt einen Alibibus gibt, den man extra zahlen darf da nicht im Verbund mit Lübeck. Ist ja fast ein Wunder, dass hier die meisten Waldstücke noch vorhanden sind; aber immer schön zerstückelt von Ackerflächen und Gewerbegebieten, damit ja keine grossen zusammenhängenden Waldstücke existieren. Obwohl, da wo vor 5 Jahren noch Wald war, stehen auch schon ein paar Einfamilienhäuser...
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