Schutzhülle Ozonschicht bis 2050 wieder intakt

Die Ozonlöcher schließen sich, weil das Verbot von Treibgasen greift. Schon hoffen Forscher auf eine vollständige Erholung der Schutzschicht. 2050 könnte es so weit sein - und vielleicht hilft sogar der Klimawandel dabei.

Die Hinweise mehren sich, dass sich die Löcher in der schützenden Ozonschicht der Erde vollständig schließen könnten - und dass dies nach neuesten Einschätzungen von US-Wissenschaftlern schon früher als bislang erwartet geschehen könnte. "Hält der aktuelle Trend an, könnte die globale Ozonschicht etwa gegen Mitte des Jahrhunderts wieder das Niveau des Jahres 1980 erreicht haben", sagte Eun-Su Yang vom Georgia Institute of Technology in Atlanta. Er wird kommende Woche zusammen mit Kollegen in der Fachzeitschrift "Journal for Geophysical Research - Atmospheres" eine entsprechende Studie veröffentlichen, wie die Universität mitteilte.

Die Wissenschaftler hatten Daten von drei Nasa-Satelliten und von Messungen am Boden ausgewertet, die einen Zeitraum von rund 25 Jahren abdecken. Ende der siebziger Jahre waren über dem Süd-, zu Anfang der neunziger Jahre auch über dem Nordpol extrem dünne Stellen in der Ozonschicht gemessen worden - die Ozonlöcher. Auch über lokale Lücken in der Schicht wurde berichtet. So entdeckten Wissenschaftler der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa 2001 ein Mini-Ozonloch über dem Nordatlantik.

Insgesamt jedoch schien die schützende Schicht auf dem Wege der Erholung zu sein. So veröffentlichen im Mai dieses Jahres Forscher um Betsy Weatherhead von der University of Colorado in Boulder im Fachblatt "Nature" eine Studie mit dem aufmunternden Ergebnis, dass sich der Ozongehalt in der Atmosphäre über das letzte Jahrzehnt stabilisiert hat und sogar leicht zulege - wenigstens über die gesamte Luftsäule gemessen.

Zunahme in zwei von drei Stratosphären-Schichten

Der Vorteil der neuen Studie ist, dass sie die Vorgänge in den einzelnen Schichten der Stratosphäre besser auseinanderhalten kann. So unterscheiden Yang und seine Kollegen drei Schichten: Unten (11 bis 18 Kilometer), Mitte (18 bis 25 Kilometer) und Oben (35 bis 45 Kilometer).

In der obersten der drei Schichten - hier bestätigen die neuen Ergebnisse ältere Studien - hat sich der Ozonschwund zumindest verlangsamt. Auch für die Mitte gehen inzwischen viele Forscher davon aus, dass sich die Ozonkonzentration stabilisiert hat. "Wir glauben sogar, dass es eine Tendenz zur Zunahme gibt", sagte Derek Cunnold, ebenfalls aus Atlanta, der an der Studie mitgearbeitet hat.

Diese Verbesserung wird dem Montreal-Protokoll zugeschrieben. Das Vertragswerk, das seit 1989 in Kraft ist, verbietet die Freisetzung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), die für die Zerstörung der Ozonschicht verantwortlich gemacht werden.

Erfolg des FCKW-Verbots

"In der 11- bis 18-Kilometer-Region nimmt das Ozon aufgrund der veränderten atmosphärischen Dynamik definitiv zu", sagte Cunnold. Diese Verbesserung in der unteren der drei Schichten sei kein Erfolg des FCKW-Verbots, sondern werde von veränderten Strömungen und Transportwegen in der Atmosphäre verursacht. Diese Änderungen könnten schlicht eine natürliche Schwankung sein. Aber die Forscher halten es auch für möglich, dass die Ozonzunahme von einem Phänomen begünstigt wurde, das sonst eher für Kopfzerbrechen und Angst sorgt - der vom Menschen verursachten Klimaerwärmung.

"Den Langzeiteffekt für diese Region kennen wir noch nicht", sagte Cunnold. Die Forscher stützten aber die Zuversicht, dass sich die Ozonschicht wieder komplett erholen könnte. "Wir wissen aus der Studie, dass das Montreal-Protokoll - die erste maßgebliche globale Übereinkunft zu Veränderungen in der Atmosphäre - funktioniert."

Wissenschaftler der Nasa hatten im Juni einen Bericht vorgelegt, dem zufolge das Ozonloch über der Antarktis wahrscheinlich etwa um das Jahr 2070 verschwunden sein könnte. Japanische Forscher um Eiji Akiyoshi vom National Institute for Enviromental Studies (NIES) hatten in einer Computersimulation errechnet, dass das Ozonloch über dem Atlantik um das Jahr 2050 gänzlich verschwunden sein könnte. Yang geht jetzt soweit, eine vergleichbare Erholung sogar für die globale Ozonschicht in Aussicht zu stellen.

stx/AP/rtr

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