Schwächelnde Sonne Europa drohen vermutlich strengere Winter

Trotz des Trends zur globalen Erwärmung drohen in Mitteleuropa in den kommenden Jahren möglicherweise häufiger klirrend kalte Winter. Schuld daran ist nach Ansicht deutscher und britischer Forscher die schwächelnde Sonne.
Winterstimmung auf dem Fichtelberg: Die kalte Jahreszeit wird kühler

Winterstimmung auf dem Fichtelberg: Die kalte Jahreszeit wird kühler

Foto: ddp

Die kommenden Winter könnten eisig werden - zumindest wenn man der Statistik glaubt. Das berichten Forscher vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau. Sie stützen sich auf Wetteraufzeichnungen und Daten über die Sonnenaktivität: In ihrer Studie haben die Wissenschaftler Wetteraufzeichnungen, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen, mit der Sonnenaktivität verglichen.

Dabei haben sie einen Zusammenhang zwischen geringer Sonnenaktivität und ungewöhnlich niedrigen Wintertemperaturen in Mitteleuropa und Großbritannien festgestellt. In Zeiten schwacher Sonnenaktivität seien die Winter in Europa kühler gewesen. Der Zusammenhang, dass sich der Sonnenzyklus auch auf die Temperaturen auf der Erde auswirkt, ist im Grundsatz seit Längerem bekannt. So fallen besonders kalte Phasen der Erdgeschichte etwa am Ende des 17. Jahrhunderts mit Phasen schwacher Sonnenaktivität zusammen.

Eine direkte Wirkung der Sonne auf das europäische Wetter schließen die Experten allerdings aus. Die Sonnenaktivität schwankt im Rhythmus von elf Jahren, allerdings nur minimal. Doch offenbar habe die leichte Schwächung der Sonne einen indirekten Effekt auf die Witterung, meint Solanki.

Kühlte sich die Stratosphäre - also die oberen Luftschichten - etwas ab, änderten sich wohl Luftströmungen in Bodennähe, schreibt das Forscherteam im Fachblatt "Environmental Research Letters" . Statt milder Westwinde wehte dadurch im Winter vermehrt Kaltluft nach Europa.

Milde Westwinde werden blockiert

Der Wettstreit zwischen Luftmassen aus West und Ost entscheidet, wie das Winterwetter in Mitteleuropa wird. Nur wenn sich über Asien starker Hochdruck breitmacht, der Tiefdruckgebiete mit milder Meeresluft blockiert, bekommt Deutschland echtes Winterwetter. Solch eine Wetterlage stelle sich anscheinend vermehrt bei niedriger Sonnenaktivität ein, schreiben Solanki und seine Kollegen. Deshalb erwarten sie die Kaltluft-Wetterlagen vermehrt für die kommenden Jahre.

Ob auch der kommende Winter klirrend kalt wird, wissen die Max- Planck-Forscher allerdings nicht. Ihre Ergebnisse seien rein statistischer Natur. Sie deuteten lediglich auf einen Trend für die nächsten Jahre hin.

Der Erkenntnis, dass der Mensch eine Klimaerwärmung erzeugt, widerspreche das Ergebnis der Studie allerdings nicht, betonen die MPS-Forscher. Die Wirkung der vom Menschen emittierten Treibhausgase sei größer als der kurzfristige Kühlungseffekt der Sonne.

boj/dpa