Schwämme Forscher finden bisher älteste Spuren von Tieren

Spektakulärer Fund in Oman: Geologen haben 635 Millionen Jahre alte Hinweise auf tierisches Leben gefunden. Simple mehrzellige Schwämme könnten demnach 100 Millionen Jahre früher gelebt haben als bislang vermutet.


Charles Darwin war skeptisch - wie auch viele andere Wissenschaftler, denen der britische Naturforscher vor 150 Jahren seine Evolutionstheorie vorlegte: Sollte die Entwicklung der Tierwelt wirklich erst mit dem Zeitalter des Kambriums vor rund 542 Millionen Jahren explosionsartig begonnen haben? Gab es vorher keine tierischen Lebewesen? Geologen von der University of California in Riverside haben nun neue Spuren von Tieren aus der Zeit vor dem Kambrium gefunden - und zwar die wahrscheinlich ältesten, die bisher bekannt sind.

Schwamm: Eine der simpelsten Formen mehrzelliger Tiere
UC Riverside / Love lab

Schwamm: Eine der simpelsten Formen mehrzelliger Tiere

635 Millionen Jahre alt sind die organischen Moleküle aus der Zellmembran von Schwämmen, die im Sedimentgestein einer Bohrstätte im Oman steckten, berichtet das Team um Gordon Love im Fachmagazin "Nature". Die primitiven Tiere haben demnach schon rund hundert Millionen Jahre vor der Kambrischen Explosion die flachen Küstengewässer besiedelt.

Da viele der ursprünglichen Lebensformen keine Skelette oder harte Schalen besaßen, hinterließen sie auch keine Fossilien. Die Forscher suchten deshalb nach Molekülresten von Zellen. Diese sogenannten Biomarker müssen so einzigartig sein, dass sie auch heute noch für bestimmte Organismen charakteristisch sind.

Love und seine Kollegen hatten es auf besonders robuste Moleküle aus der Zellmembran von Hornkieselschwämmen abgesehen. Sie zerkleinerten Sedimentgestein, das bei Ölbohrungen im Oman aus einer Tiefe von mehr als tausend Metern zutage gefördert worden war. Aus diesem Pulver lösten sie die organischen Substanzen und zerlegten sie mit klassischen chemischen Analyseverfahren. Dabei fanden die Wissenschaftler den für Hornkieselschwämme charakteristischen Biomarker 24-Isopropylcholestan.

Da die Sedimentschichten auf ein Alter von bis zu 751 Millionen Jahren datiert waren, könnten sogar schon zu jener Zeit Hornkieselschwämme die seichten Küstengewässer besiedelt haben. "Wir glauben, langsam das richtige Datum zu finden, wann sich komplexe, mehrzellige Tiere entwickelt haben", sagte Love. "Es war im flachen Wasser vor 635 bis 750 Millionen Jahren."

Weitere Biomarker deuten auch auf andere Organismen wie Algen und Plankton hin. Die Hornkieselschwämme, in deren Gruppe auch der heute bekannte Badeschwamm fällt, müssen stark verbreitet gewesen sein: In den untersuchten Proben waren ihre Biomarker relativ häufig vertreten.

hei/ddp

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