Schwammspinner-Plage Schwarze Raupen fressen sich in Gärten und Wäldern satt

Der Schwammspinner fällt massenhaft im Süden und Osten Deutschlands ein. Die Raupen des Nachtfalters werden für die Menschen zur echten Plage - ein Rezept gegen das gierige Insekt gibt es nicht.

Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Die gute Nachricht zuerst: Die kleinen Krabbler sind nicht gefährlich. Das ist anders als beim Eichenprozessionsspinner, dessen Brennhaare schwere allergische Reaktionen auslösen können. Aber lästig ist der Schwammspinner allemal. Das liegt daran, dass der wärmeliebende Nachtfalter besonders nach warmen und trockenen Frühsommern zu Massenvermehrungen neigt. Und die betreffenden Raupen können das Wachstum von Bäumen durch ihren Hunger stark beeinträchtigen - und Menschen ziemlich viel Nerven kosten.

Das bekommen zum Beispiel gerade die Einwohner im mittelfränkischen Gunzenhausen zu spüren. Zu Tausenden bevölkern die schwarzen, haarigen bis zu sieben Zentimeter langen Tierchen dort nämlich gerade Gärten und Häuser und sogar das Freibad. In diesem Frühjahr habe sich das Insekt im Wald der mittelfränkischen Stadt explosionsartig vermehrt, so eine Sprecherin der Stadt.

Auch im thüringischen Gera treten die Tiere massenweise auf und fressen Pflanzen in den Gärten kahl. Die Kommune bot den Anwohnern vergangene Woche Ausweichquartiere an - diese wurden allerdings nicht in Anspruch genommen, wie eine Sprecherin sagte. Die Feuerwehr verteilte Fliegengitter.

Am Dienstagmittag gab es außerdem Meldungen, wonach Schwammspinner auch in der Nähe von Leipzig aufgetaucht sind. Auf etwa 20 Hektar fressen die schwarzbraunen Tiere am Cospudener See an der A38 Blätter von Roteiche und Birke, wie Bernd Becker, Leiter der Forstbehörde im Landkreis Leipzig. "Man hört die Schwammspinner im Wald fressen." Auch bei Markranstädt westlich von Leipzig seien etwa 20 Hektar Wald von Schwammspinner-Raupen bevölkert, sagte Renke Cordes vom Staatsbetrieb Sachsenforst.

Zur Bekämpfung der gefräßigen Schwammspinner-Raupen in Geras Stadtteil Liebschwitz will die Stadt vorerst kein chemisches Insektizid einsetzen. Ein Mittel, das die bis zu fünf Zentimeter langen Schwammspinner-Raupen in ihrem jetzigen Entwicklungsstadium noch vernichten könnte, würde auch anderen Lebewesen und der Umwelt schaden, sagte Konrad Nickschick, Fachdienstleiter Umwelt bei der Stadt. "Das würde andere Insekten im Breitband hinwegraffen, weil es nicht spezifisch wirkt."

Keine chemische Bekämpfung der Insekten

Im kommenden Jahr könnten die Raupen frühzeitig mit einem biologischen Schädlingsbekämpfungsmittel beseitigt werden. Zudem könnten die Eier der Tiere aufgesammelt werden.

Vor Gunzenhausen in Bayern habe die Raupen bereits ein 117 Hektar großes Waldgelände kahlgefressen - und sich in den vergangenen Tagen auf den Weg in die benachbarte Siedlung gemacht. Vor allem die Fassaden der an den Wald angrenzenden Häuser sind übersät mit den Tieren. Viele Anwohner des Burgstallwaldes seien mit den Nerven am Ende. Als Soforthilfe bei der Reinigung der Fassaden seien professionelle Schädlingsbekämpfer beauftragt worden.

Schwammspinner haben eine große Anzahl natürlicher Feinde wie Raupenfliegen und Brackwespen, die dazu beitragen können, eine Massenvermehrung auf natürliche Weise enden zu lassen, wie es bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in der Schweiz heißt.

Der britische Naturschützer Dave Goulson erklärt in seinem Buch "Wildlife Gardening", gerade der Einsatz von Insektiziden schaffe einen Teufelskreis: Beim Spritzen stürben nicht nur die Schädlinge, wie der Schwammspinner, sondern auch viele ihrer Feinde. Die Populationen der Pflanzenschädlinge erholten sich davon oft weitaus schneller als die ihrer Feinde - in der Folge könne der Schädlingsbefall danach schlimmer sein als ganz ohne Pestizideinsatz.

Experten gehen davon aus, dass die meisten Laubbäume auf einen Kahlfraß durch den Schwammspinner mit einer raschen Wiederbegrünung im gleichen Sommer reagieren. Ein einmaliger Befall bliebe für Laubgehölze demnach ohne Auswirkungen. Schwieriger werde es, wenn die Raupen über mehrere Jahre hinweg den Bäumen zusetzen. Dann drohten unter anderem Zuwachsverluste und eine Beeinträchtigung der Samenproduktion.

Im Video: Gefährliche Raupen - Eichenprozessionsspinner verwüsten ganze Landstriche

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chs/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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frenchie3 18.06.2019
1. Gibt es da keine Bakterien?
Vor zwei Jahren waren in der Umgebung sämtliche Buchsbaumhecken kahlgefressen. Ich hab das noch rechtzeitig mitbekommen und Bacillusthuringiensisausgebracht. Nach zwei Tagen lebte keine Raupe mehr. Die Hecken der Nachbarn haben sich im Laufe des Sommers wieder erholt
columbo1 18.06.2019
2.
Solche Massenvermehrungen gibt es immer mal. Ich erinnere mich noch an einen Sommer vor 50 Jahren. Wir waren gerade aus einer Mietswohnung in ein Häuschen gezogen. In dem Sommer haben sich Eintagsfliegen massenhaft vermehrt. Man konnte tatsächlich nicht mehr radeln ohne Mundschutz (das hieß damals "Taschentuch"). Noch heute sitzen die Reste dieser Fliegen hinterm Glas einiger Bilder im Keller.
Europa! 18.06.2019
3. Jetzt lasst mal die Raupen in Frieden!
Irgendwas müssen die Meisen, Schwalben und anderen Vögel ja fressen, die nur von Kerbtieren leben. Die Bäume schlagen nächstes Jahr wieder aus, und die Natur regelt das alles von selbst. Wer mit Gift hantiert, stirbt am Ende nur selbst daran.
durch blick 18.06.2019
4. @all Fazit
Ohjeee, was ein VERLUST. Sofort plattmachen für die Gewinnmaximierung. Mal im Ernst, wir Menschen sollten mal schnellstens wieder lernen mit unserer wundervollen Natur zu leben. Wir sind ein Teil von ihr und von ihrem intaktsein abhängig. Da ist nichts mit untertan machen, dieses Natursystem macht eher uns platt wenn wir weiterhin so aus der Reihe tanzen. Diese schädliche Denke der Profitmaximierung um jeden Preis, diese unendliche krankhafte Gier einzelner muss beendet werden. Und es wird beendet werden, die Erhaltung der Art steht als oberste Priorität in den Genen aller Lebewesen, auch wenn wir den Schlüsselsatz in unserem Erbgut noch nicht lokalisiert haben. Vielleicht auch deswegen dieser plötzliche jugendliche Aufmarsch in Sachen Klimaerwärmung. Lernen wir also wieder im Einklang mit unserer Natur zu leben und beschneiden den Profitwahnsinn einzelner kranler Geister. Habe die Ehre DB
hartmannulrich 19.06.2019
5.
Solange die Tierchen nur lästig sind anders als der Eichenprozessionsspinner), besteht kein Grund zum Alarmismus. Solche Massenvermehrungen, ob von Raupen, Käfern oder Mäusen, kommen in der Natur immer wieder vor, und die Bestände brechen meist im folgenden Jahr zusammen.
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