Schwammspinner Warme Sommer für Raupenplage verantwortlich

In mehreren deutschen Städten haben sich massenhaft Raupen ausgebreitet. Forscher führen das auf die hohen Temperaturen der vergangenen Jahre zurück. 2019 ist die Population besonders extrem.

Schwammspinner (Lymantria dispar): Seit dem heißen und trockenen Jahr 2015 steigt die Populationsdichte
Sebastian Willnow/dpa

Schwammspinner (Lymantria dispar): Seit dem heißen und trockenen Jahr 2015 steigt die Populationsdichte


Die Raupen des Schwammspinners sind derzeit in einigen deutschen Regionen eine Plage. Nach Ansicht eines Experten liegt das auch an den vergleichsweise hohen Temperaturen der vergangenen Jahre. "Die Insekten brauchen Wärme, Licht und Sonne, dann klappt das mit der Vermehrung besser", sagt der Insektenforscher Ronald Bellstedt vom Naturschutzbund (Nabu) Gotha.

Der Schwammspinner (Lymantria dispar) ist ein Nachtfalter, dessen Raupen bevorzugt Eichenblätter fressen. Die Raupen sind für den Menschen zwar lästig, im Gegensatz zum Eichenprozessionsspinner aber gewöhnlich nicht gesundheitsgefährdend.

Derzeit fressen teils Hunderttausende dieser Raupen in Teilen Thüringens, Sachsens und Bayerns Eichenbäume und andere Pflanzen kahl. Andere Bundesländer haben zwar keinen derart drastischen Befall, melden aber auch steigende Zahlen, etwa Hessen und Rheinland-Pfalz.

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Schwammspinner: Eine Raupe, ein Quadratmeter Eichenlaub

Wenn sich die Raupen spätestens Anfang Juli verpuppen, sei das Problem erst einmal erledigt, betont Konrad Nickschick, Fachdienstleiter Umwelt bei der thüringischen Stadt Gera. Dort färben Schwammspinner-Raupen gerade einen ganzen Ortsteil dunkel ein. Bellstedt zufolge treiben gesunde Eichen ab Ende Juni aber noch einmal aus und bekommen neues, grünes Laub. Das könne die Schäden, die durch die Raupen entstanden sind, etwas ausgleichen.

Höhepunkt 2019 - und die Hoffnung der Forscher

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) sieht den Ursprung der Plage im heißen und trockenen Jahr 2015. Zwischen 2011 und 2014 habe es nur wenige Schwammspinner gegeben, in den Jahren danach sei die Populationen aber wieder gewachsen. Forscher haben beobachtet: Die Tiere breiten sich meist stark in Zyklen aus, die bis zu fünf Jahren dauern. Deshalb vermuten die Experten, dass 2019 noch ein extremes Jahr wird, die Raupenplage anschließend aber beendet ist.

Gera will die Plage im kommenden Jahr zudem mit biologischen Schädlingsbekämpfungsmitteln eindämmen. Die Raupen haben zudem viele natürliche Feinde wie Raupenfliegen und Brackwespen. Bei ausreichenden Beständen dieser Tiere verhindern sie, dass sich die Raupen massenhaft vermehren. Schwammspinner breiten sich seit Anfang der Neunziger in immer mehr Ländern Europas aus.

jme/dpa

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