Naturschutzpark in Ungarn Schwarzstorch-Sterben im Livestream löst Shitstorm aus

Eine Webkamera übertrug in Ungarn Bilder aus einem Storchennest. Doch wie grausam es in der Natur zugehen kann, wollten viele Betrachter dann doch nicht so genau wissen.
Schwarzstörche beim Fischen (Archivfoto)

Schwarzstörche beim Fischen (Archivfoto)

Foto: Hans-J¸rgen Kelm/ picture alliance / dpa

Die Verwaltung des Naturschutzparks Gemenc im Süden Ungarns sieht sich mit erbosten Facebook-Kommentaren und Telefonanrufen konfrontiert. Grund ist der Umgang der staatlichen Naturschützer mit der permanenten Live-Übertragung aus einem Schwarzstorchnest durch eine dort installierte Webkamera, berichtete das Nachrichtenportal "444.hu"  am Montag.

Der Schwarzstorch (Ciconia nigra) ist selten und geschützt. Nach ihrer Überwinterung in südlichen Gefilden kehren jährlich mehrere Paare in den Nationalpark Gemenc zurück. Die Webkamera ist auf das Nest von einem dieser Paare gerichtet. Wer will, konnte bisher im Internet zusehen, wie das Paar Nachwuchs bekam und die Brut aufzog.

In der wilden, unberührten Natur hat dies mitunter auch grausame Seiten. Im Frühjahr herrschte in Ungarn Dürre. Die nahe Donau führt deshalb weit weniger Wasser als sonst. Für die Schwarzstörche und auch andere Vogelarten im Gemencer Park bedeutet das, dass es kaum etwas zu fressen gibt. Die gefiederte Population hungert.

Die Webkamera übertrug ungeschminkt, wie das Schwarzstorchpaar seine Jungen tötete, weil sie schon so geschwächt waren, dass keine Aussicht auf Überleben bestand. In der Folge bestürmten viele Zuseher die Nationalpark-Verwaltung, dass sie derartige Anblicke nicht ertragen könnten.

Als der Stream eingestellt wird, hagelt es Proteste

Am vergangenen Freitag nahm der Gemencer Park den Livestream vom Netz : "Die Reaktionen der Zuschauer machten deutlich, dass viele die Realität der Natur nicht ertragen können. Aus diesem Grund hat die Forstwirtschaft beschlossen, den Livestream der Webkamera einzustellen." Doch nun hagelte es erneut Beschimpfungen und Proteste. Von "Bevormundung" und "Zensur" war die Rede.

In Deutschland war der Schwarzstorch schon so gut wie ausgestorben, obwohl er bereits seit 1935 unter Schutz steht. Doch seit einigen Jahren steigt der Bestand wieder und liegt nun bei 800 bis 850 Brutpaaren. Seine unerwartete Wiederkehr können auch Experten nicht schlüssig erklären. Aber offenbar zahlen sich diverse Schutzmaßnahmen und eine verbesserte Gewässerqualität aus. Der Großvogel (Flügelspannweite bis zu zwei Meter) ist ein scheuer Kulturflüchter - er lebt in alten Laub- und Mischwäldern mit Fließgewässern oder Tümpeln und Teichen.

oka/dpa
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