Schwedischer Klimadiplomat "Kopenhagen wird nicht das Ende des Weges sein"

In weniger als 50 Tagen beginnt der Weltklimagipfel in Kopenhagen. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt Schwedens Sonderbeauftragter Lars-Erik Liljelund, was vor dem Treffen noch passieren muss - und warum es am Ende wohl keinen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag geben dürfte.


SPIEGEL ONLINE: Was erwarten Sie sich vom Klimagipfel in Kopenhagen?

Liljelund: Ich glaube nicht, dass wir einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag zustande bekommen werden. Aber es wird eine politische Einigung mit substantiellem Inhalt geben. Sicher wird Kopenhagen aber nicht das Ende des Weges sein.

SPIEGEL ONLINE: Der Klimagipfel von Bali hat 2007 bereits einen Fahrplan, eine roadmap, produziert. Warum sollte die Welt noch eine brauchen?

Liljelund: Die Bali roadmap war eine Erklärung, wie man weiter verhandeln wollte. Diese Gespräche sind aber aus verschiedenen Gründen zu langsam vorwärtsgekommen. Kopenhagen muss nun mehr als eine Absichtserklärung liefern. Etwas, das die weiteren Verhandlungen leiten kann. Einige der wichtigsten Punkte müssen gelöst werden.

SPIEGEL ONLINE: Angesichts der dramatischen Folgen des Klimawandels erscheint so ein langsamer Ansatz einigermaßen unverantwortlich…

Liljelund: In der Tat ist das aus Sicht der EU unverantwortlich. Aber um Tango zu tanzen, braucht es immer zwei. Die Weltgemeinschaft muss zusammenkommen und sich auf etwas einigen. Die EU hat konkrete Zahlen auf den Tisch gelegt. Im Moment diskutieren wir über unseren finanziellen Beitrag. Andere haben sich noch nicht geäußert - und das ist ein Problem.

SPIEGEL ONLINE: Das Klimagesetz in den USA hängt seit Monaten im Senat fest. Wird sich da noch etwas bewegen, bis der Gipfel von Kopenhagen im Dezember startet?

Liljelund: Die USA sind so vorsichtig, weil sie beim letzten Mal schlechte Erfahrungen gemacht haben. In Kyoto haben sie konkreten Zahlen zugestimmt und hatten dann zu Hause keine Chance, die Sache im Kongress abgesegnet zu bekommen. Jetzt, so scheint es uns zumindest, muss der Senat sich mit dem Klimaschutzgesetz befassen, das ihm vorliegt. Nur dann können sich die USA an einem Abkommen beteiligen, wie es uns vorschwebt.

SPIEGEL ONLINE: Bis jetzt haben sich aber auch China und Indien nur wenig bewegt.

Liljelund: China war ziemlich konstruktiv. Und Indien ist gerade dabei, sich zu bewegen. Ich wäre nicht überrascht, wenn das Land noch vor dem Gipfel in Kopenhagen konkrete Zahlen auf den Tisch legen würde.

SPIEGEL ONLINE: Selbst wenn diese Staaten das tun, werden sie sich tatsächlich bereit erklären, ihren CO2-Ausstoß zu senken?

Liljelund: Zunächst einmal müssen sie zeigen, dass sie nicht einfach weitermachen wie bisher. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, und darum muss es gehen, muss China im Jahr 2020 seinen maximalen CO2-Ausstoß erreichen.

SPIEGEL ONLINE: Kann die EU eine Führungsrolle in den Verhandlungen übernehmen?

Liljelund: Eine Führungsrolle ist etwas, das man angetragen bekommt. Man kann sich das nicht selbst verleihen. Was die Finanzierung angeht, haben wir bereits die Führung übernommen. Wir wissen aus bilateralen Gesprächen mit Schwellenländern, dass das durchaus anerkannt wird. Hoffentlich kann sich der Europäische Rat am Ende dieses Monats auf konkrete Zahlen zur Finanzierung einigen.

SPIEGEL ONLINE: Streit zwischen den EU-Mitgliedstaaten über eine Verteilung der Lasten könnten jegliche Einigung gefährden…

Liljelund: Wir dürfen nicht vergessen, dass die EU zwölf neue Mitglieder hat. Es gibt große wirtschaftliche Unterschiede zwischen einigen dieser Länder und den alten Mitgliedstaaten. Wir müssen das anerkennen und damit gut umgehen. Länder wie Lettland stehen unter extrem großen wirtschaftlichen Druck. Wir können nicht verlangen, dass sie in demselben Maß Beiträge leisten, wie die alten EU-Mitglieder.

Das Interview führte Christoph Seidler.

insgesamt 320 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
lateral 18.09.2009
1.
Zitat von sysopFrankreichs Präsident Sarkozy verliert die Geduld: Er droht mit Strafzöllen in Europa, sollte beim Gipfel in Kopenhagen kein globales Klimaabkommen zustande kommen. Doch die Einführung von Energie-Importabgaben hätte verheerende Folgen, warnen Experten. Wie kann effektiver Klimaschutz weltweit erreicht werden?
Sich immer und immer nur eine einzige Frage zu stellen: "Cui bono?"
AndyH 18.09.2009
2.
Zitat von sysopFrankreichs Präsident Sarkozy verliert die Geduld: Er droht mit Strafzöllen in Europa, sollte beim Gipfel in Kopenhagen kein globales Klimaabkommen zustande kommen. Doch die Einführung von Energie-Importabgaben hätte verheerende Folgen, warnen Experten. Wie kann effektiver Klimaschutz weltweit erreicht werden?
Völliger Unfug. Garnicht. Klima ist ein Durchschnittwert von 30 Jahren Wetter. Das heisst Sarkozy müsste Wetter machen, aber das konnten weder die Hexen noch die Regentänzer. Es ist mir schon klar, dass die Staatshaushalte klamm sind und gegen die Konkurrenten gerne mal Zölle eigneführt werden sollten, aber das alles ist nur Unfug und nichts anderes als Protektionismus im Ökogewand.
e-ding 18.09.2009
3. ...
Zitat von sysopFrankreichs Präsident Sarkozy verliert die Geduld: Er droht mit Strafzöllen in Europa, sollte beim Gipfel in Kopenhagen kein globales Klimaabkommen zustande kommen. Doch die Einführung von Energie-Importabgaben hätte verheerende Folgen, warnen Experten. Wie kann effektiver Klimaschutz weltweit erreicht werden?
Der Zug ist abgefahren, es sei denn Sarkozy schafft es irgendwie, die Weltbevölkerung zu halbieren.
login37 18.09.2009
4.
Mal abgesehen davon, das ich überhaupt kein Fan von Zöllen bin, verstehe ich das Duckmäusertum gegenüber China nicht. Natürlich würde es einer Reihe von europäischen Unternehmen weh tun, wenn China als Gegenreaktion auch diverse Strafzölle einführt. Aber egal ob Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, andere europäische Länder oder auch die USA: Die haben alle seit Jahren ein gigantisches Außenhandelsdefizit mit China. Für China ist Deutschland der wesentlich wichtigere Exportmarkt als umgekehrt China für Deutschland. Für die anderen Länder gilt das genauso. Bei einem Handelskrieg hat China wesentlich mehr zu verlieren als Europa. Und insofern darf das Thema schon mit harten Bandagen ausgefochten werden. Der ständige Verweis auf Chinas Bedeutung als Absatzmarkt ist so nicht gerechtfertigt.
filou11 18.09.2009
5. Dummes Geschwätz
Das was Sarkorzy da fordert ist Unfug hoch 3! Dieser Mann hat im Gegensatz zu seinem Vorgänger von nichts eine Ahnung, davon aber eine ganze Menge. Da es nun modern ist von "Klimaveränderungen" zu reden, glaubt dieser "Präsident" er müsse auch seinen Senf dazu geben. Ich möchte dazu einmal in Erinnerung rufen, dass es die gleichen "Wissenschaftler" sind, sofern diese noch leben, die jetzt von Klimakatastrophe und Erderwärmung faseln, noch vor 30 Jahren eine Eiszeit beschworen haben. Glaubt etwa der Herr der "Grand Nation" im ernst, dass Länder wie China oder Indien ihn ernst nehmen? Wenn der glaubt, Europa sei noch immer der Mittelpunkt der Welt unter Führung Frankreich, so hat der die Zeichen der Zeit überhaupt nicht mitbekommen. Europas und auch Frankreichs Zeit ist schon lange, lange vorbei. Und das kann dem nur klar gemacht werden, wenn Indien und China sich nicht erpressen lassen. Und Frankreich hat diesen Ländern so wie so nichts zu bieten!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.