Schweinegrippe Schwarzenegger verhängt Notstand in Kalifornien

Die Schweinegrippe breitet sich weltweit aus: Das Virus erreichte den Nahen Osten und die Pazifik-Region, in Deutschland gibt es mehrere Verdachtsfälle. Kaliforniens Gouverneur Schwarzenegger hat jetzt den Notstand verhängt, US-Präsident Obama will die Seuche mit 1,5 Milliarden Dollar bekämpfen.


Los Angeles/Frankfurt am Main/Mexiko-Stadt - Arnold Schwarzenegger reagiert auf den rasanten Zuwachs von Schweinegrippe-Erkrankungen in Kalifornien. Der Gouverneur verhängte am Dienstag den Notstand über den US-Bundesstaat. Dort gibt es inzwischen zehn bestätigte Fälle. Durch den Notstand können zusätzliche Gelder für die öffentliche Gesundheit schneller beschafft und benötigte Ausrüstung einfacher besorgt werden.

Insgesamt hat sich die Zahl der bestätigten Erkrankungen in den USA auf 64 erhöht. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind nicht alle Infizierten in Mexiko gewesen, einige haben sich vermutlich in den USA angesteckt. Auch Präsident Barack Obama will den Kampf gegen die Seuche verstärken: Er beantragte beim Kongress zusätzlich 1,5 Milliarden Dollar.

In New York sind nach Behördenangaben mehrere hundert Schulkinder möglicherweise an der Schweinegrippe erkrankt. Es handele sich um Schüler einer Privatschule im Stadtteil Queens, sagte der Leiter der städtischen Gesundheitsbehörde am Dienstag. Details waren zunächst nicht bekannt.

Die Krankheit breitet sich mit dramatischer Geschwindigkeit in der ganzen Welt aus. In Kanada gab es sechs bestätigte Infektionen. Nach Amerika und Europa wurde die Schweinegrippe am Dienstag auch im asiatisch-pazifischen Raum und im Nahen Osten nachgewiesen. In Israel sind bislang zwei Infektionen bestätigt. Dabei handelt es sich um Schüler und Lehrer einer Reisegruppe, die am Wochenende aus Mexiko zurückgekehrt war. Außerdem gibt es dort 43 weitere Verdachtsfälle.

In Neuseeland sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens elf Menschen an der Schweinegrippe erkrankt. Auch aus Südkorea wurde ein Verdachtsfall gemeldet.

In Deutschland gab es mehrere Verdachtsfälle. Bei mindestens fünf - drei in Bayern, einem in Nordrhein-Westfalen und einem in Hamburg - stehen die endgültigen Diagnosen noch aus. Mindestens vier der Betroffenen waren vor kurzem in Mexiko. Bei weiteren zuvor bekannt geworden Fällen waren die Tests negativ verlaufen.

Das Robert-Koch-Institut in Berlin hat eine Hotline zur Schweinegrippe geschaltet. Unter der Telefonnummer 030-187544161 können sich Interessierte bis Donnerstag zwischen 8 und 18 Uhr informieren. Bei Bedarf soll die Nummer auch am Wochenende und kommende Woche zur Verfügung stehen. Das Gesundheitsministerium in Berlin will am Mittwoch die kostenpflichtige Nummer 01805-996619 für Bürger freischalten.

In Europa gab es am Dienstagabend vier bestätigte Erkrankungen - zwei in Großbritannien und zwei in Spanien. Bei allen Patienten ist der Zustand jedoch nicht bedrohlich. Möglicherweise hat die Krankheit inzwischen auch Österreich erreicht.

In Mexiko, wo die Krankheit zuerst diagnostiziert worden war, sind mittlerweile offenbar mindestens 152 Menschen an der Schweinegrippe gestorben. Fast 2000 Verdachtsfälle werden noch überprüft.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erhöhte ihre Pandemie-Warnung auf die vierte von insgesamt sechs Alarmstufen. Die WHO signalisierte damit, dass das Risiko einer weltweiten Epidemie deutlich gestiegen ist. Dies bedeute aber nicht, dass eine Pandemie unvermeidlich sei, betonte die Organisation. Der stellvertretende WHO-Generaldirektor Keiji Fukuda räumte aber ein, dass eine Eindämmung derzeit kaum möglich sei, da das Virus sich bereits auf mehrere Länder ausgebreitet habe.

Forscher arbeiten unterdessen fieberhaft an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Krankheit. Reiseveranstalter bieten kostenlose Umbuchungen für Touristen an, die Touren nach Mexiko und in die USA gebucht haben.

Das Schweinegrippe-Virus
Der Erreger
Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.
Die Symptome
Die Schweinegrippe bewirkt ähnliche Symptome wie eine normale Grippe: plötzliches Fieber, Muskelschmerzen, trockener Husten und ein trockener Hals. Allerdings sind der einhergehende Durchfall und die Übelkeit stärker ausgeprägt.
Die Gefahr
Neue Virenstämme können sich rasch ausbreiten, weil es keine natürliche Immunität gibt und es Monate dauert, bis ein aktueller Impfstoff entwickelt und produziert ist. Der neue Stamm des Schweinegrippe-Virus unterscheidet sich vom älteren H1N1-Virus, gegen das die aktuellen Grippeimpfstoffe schützen. Die gewöhnliche Grippe tötet jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken.
Antivirale Mittel
Nach derzeitigem Wissensstand bieten die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Schutz gegen das Schweinegrippen-Virus. Diese Wirkstoffe behindern unspezifisch die Vermehrung von Influenza-A- und Influenza-B-Viren im Körper.
Wandlungsfähigkeit von Grippeviren
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei irgendwo in der Welt Viren von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen über. Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich die Erbinformationen vermischen und neue Erreger hervorbringen.

als/har/dpa/AP

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