Tierseuche breitet sich aus Weitere Wildschweine in Brandenburg positiv auf Schweinepest getestet

Nach dem ersten Fall von Afrikanischer Schweinepest sind in Brandenburg möglicherweise weitere Wildschweine von der Seuche betroffen. Erste Tests sind positiv.
Wildschwein: Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich

Wildschwein: Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich

Foto: Bernd Settnik/ dpa

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich in Deutschland offenbar weiter aus. Nachdem in der vergangenen Woche der erste bundesweite Fall in Brandenburg bekannt wurde, sind nun wahrscheinlich weitere Tiere betroffen. Eine Infektion mit der Afrikanischen Schweinepest verläuft in der Regel schnell und heftig. Manche Virenstämme töten 100 Prozent der befallenen Tiere. 

Schon in der vergangenen Woche war der Kadaver eines Wildschweins in Brandenburg gefunden worden. Ein Test auf den Erreger fiel positiv aus. Es war der erste Nachweis der Seuche in Deutschland. Um ein weiteres Ausbreiten der Krankheit zu verhindern, wurde am Wochenende ein zwölf Kilometer langer mobiler Elektrozaun rund um den Fundort aufgebaut. 

Die Kadaver der aktuell betroffenen Tiere sind ganz in der Nähe des Fundorts des ersten Schweinepestfalls in Deutschland entdeckt worden, sagte Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Dienstag vor Abgeordneten des Brandenburger Landtags. Es handle sich um vier tot aufgefundene Wildschweine und ein krank erlegtes Tier. Die ersten Tests seien positiv ausgefallen, letzte Sicherheit solle nun eine Untersuchung der Tiere durch das Friedrich-Loeffler-Institut bringen.

Nicht nur für Wildschweine ist das Virus fatal, auch Hausschweine können betroffen sein. Mehrere Länder haben wegen des ersten bekannten Nachweises bereits Importverbote für Schweinefleisch aus Deutschland verhängt. Darunter auch China, der größte Importeur von deutschem Schweinefleisch außerhalb der EU.

Wegen der Schweinepest haben auch Südkorea, Japan, Brasilien und Argentinien deutsche Schweinefleischeinfuhren verboten. Das Bundesagrarministerium ist mit den Regierungen dieser Länder im Gespräch, um Vereinbarungen zu erreichen, hieß es vom Ministerium. Dies zielt darauf, Einfuhrstopps wegen der Schweinepest nur auf Betriebe aus betroffenen deutschen Regionen zu beschränken - und nicht für ganz Deutschland einzuführen. So ist es auch in der EU geregelt, in die rund 70 Prozent der Schweinefleischexporte gehen.

Faktisch betrifft ein Exportstopp die meisten Zielländer außerhalb der EU. Hintergrund ist, dass in Ausfuhrzertifikaten nun nicht mehr angegeben werden kann, dass Deutschland "schweinepestfrei" ist, wie das Ministerium erläuterte.

Auch wer Fleisch von infizierten Tieren verzehrt, kann nicht erkranken

Die Landwirte in Brandenburg beschäftigt die Frage, wie es für sie und ihre Betriebe weitergeht. In den drei Landkreisen, die bis zu 24 Kilometer entfernt um die Fundorte liegen, wurden Beschränkungen erlassen. In Oder-Spree, Dahme-Spreewald und Spree-Neiße ist damit der Tierverkehr beschränkt. Felder und Wälder dürfen nicht betreten werden.

Der Erreger der Schweinepest ist ein DNA-Virus, so wie Herpes-, Papilloma- und Pockenviren. Für Menschen ist es, anders als diese Verwandten, nicht gefährlich: Die Afrikanische Schweinepest ist keine Zoonose. Auch wer Fleisch von infizierten Tieren verzehrt, kann nicht daran erkranken.

Die Viren sind allerdings extrem widerstandsfähig, sie können über Jahre überleben und ansteckend bleiben - in gefrorenem Fleisch sogar bis zu 1000 Tage lang. Die Stabilität und die leichte Übertragbarkeit über Lebensmittel, Blut in kleinsten Mengen oder Tierkadaver macht die Eindämmung so schwierig - jedes Wurstbrot, das Reisende auf einem Rastplatz am Waldrand entsorgen, kann ein Wildschwein infizieren, jede Reifenspur eines Lastwagens die Seuche verbreiten: Das Virus kann an Fahrzeugen, Kleidung oder Schuhen haften.

Bei Wildschweinen verläuft die Krankheit ähnlich wie beim Hausschwein. Die Tiere sind fiebrig und schwach, haben Durchfall und Luftnot. In Afrika kommt das Virus in Warzenschweinen vor und wird über Lederzecken auf Hausschweine übertragen. 

In Europa tauchte die Krankheit erstmals 1978 auf Sardinien auf, konnte dort aber trotz wiederholter Ausbrüche lokal begrenzt werden. Über kontaminierte Lebensmittel nach Georgien eingeschleppt, begann sich das ASP-Virus dann 2007 in Europa auszubreiten. Von Polen aus hat es nun Brandenburg erreicht.

koe/dpa/Reuters
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