Schweinepest Im Kampf gegen die Seuche 836.865 Wildschweine erlegt

Nachbarländer melden die Ausbreitung der Schweinepest - noch kann sich Deutschland gegen die tödliche Tierseuche schützen. Einen wichtigen Beitrag leisten Jäger - und ein neuer Elektrozaun.

Erlegte Wildschweine in Mecklenburg-Vorpommern (Archivbild)
DPA

Erlegte Wildschweine in Mecklenburg-Vorpommern (Archivbild)


Trotz der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) nach Westeuropa ist Deutschland bislang von der Seuche verschont geblieben. Mit dem Nachweis der Erreger in Belgien bestehe aber ein erhöhtes Risiko, sagte Franz Conraths, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit (FLI). Wandernde Wildschweine könnten die Seuche einschleppen. "Hauptrisikofaktor für die Ausbreitung bleibt der Mensch - über die Verfütterung oder Entsorgung von kontaminierten Speiseresten", betonte Conraths.

Das Schweinepest-Virus ist für Menschen ungefährlich, aber von Schweinezüchtern gefürchtet. Die Schweine bekommen hohes Fieber, Durchfall, rote Augen und hören auf zu fressen. Am Ende des Krankheitsverlaufs sterben die Tiere fast immer.

Der Ausbruchsherd in Belgien, wo bislang 135 tote Wildschweine mit dem Erreger entdeckt wurden, liegt nur rund 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Die Seuchenfunde in Polen und Tschechien liegen 300 beziehungsweise 400 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze.

Vorbeugend wurden zahlreiche Wildschweine erlegt

Wegen der drohenden Einschleppung der Seuche nahmen Jäger Wildschweine in der abgelaufenen Jagdsaison besonders stark ins Visier. In der Saison 2017/2018 wurden nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes 836.865 Wildschweine erlegt und damit 42 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies sei das höchste jemals erzielte Ergebnis.

"Die Jäger haben einen erheblichen Teil zur Prävention der Afrikanischen Schweinepest beigetragen", sagte der DJV-Vizepräsident Wolfgang Bethe. Der Verband forderte, das Übertragungsrisiko an Bahnhöfen, Parkplätzen und Grenzübergängen zu verringern, beispielsweise durch verschließbare Abfallbehälter an Rastplätzen oder wildschweinsichere Zäune.

Alarmierende Zahlen aus Osteuropa

Auch mit der Zunahme der Schweinepest-Nachweise in Osteuropa wächst die Gefahr für Deutschland: Bis Mitte Dezember wurden laut FLI in der EU und der Ukraine mehr als 6500 Fälle der Schweinepest bei Wildschweinen und Hausschweinen registriert. Das entspricht einem Anstieg um mehr als 50 Prozent zum Vorjahr.

Alarmierend sind die Zahlen aus Rumänien. Dort registrierten die Behörden in diesem Jahr mehr als 1100 der EU-weit rund 1500 Ausbrüche in Hausschweinbeständen. Dabei handele es sich vorwiegend um Kleinhaltungen von weniger als 100 Tieren, in denen offenbar kontaminierte Speisereste an die Schweine verfüttert wurden.

Die Zahl der von der Seuche betroffenen EU-Staaten hat sich innerhalb eines Jahres mit neuen Fällen in Ungarn, Bulgarien und Belgien von sechs auf neun erhöht. "Es scheint so, dass wir uns für eine gewisse Zeit an die Präsenz der Seuche in Europa gewöhnen müssen", sagte Conraths. Auch weltweit verbreitet sich die Seuche weiter. So meldeten 2018 auch China und Japan Fälle der Afrikanischen Schweinepest.

Doch es gibt erste Hoffnungsschimmer. Im Osten Estlands scheint sich - bei aller Vorsicht - die Lage zu beruhigen. "Wir beobachten, dass es dort inzwischen mehr Wildschweine mit Antikörpern gibt und keine Tiere mehr gefunden werden, in denen das Virus nachgewiesen wird", sagte Conraths. Die Antikörperträger seien Tiere, die sich mit der Seuche auseinandergesetzt und überlebt hätten.

Allerdings sei bislang unklar, ob diese Antikörper die Tiere vor einer neuen Infektion schützen, schränkte der Experte ein. Zudem könnte die Seuche auch wieder aufflammen, wenn neue Wildschwein-Generationen nachwachsen.

51 Kilometer langer Schutzzaun

Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen die Schweinepest, was die Bekämpfung erschwert. Allerdings berichten spanische Wissenschaftler von ersten Erfolgen bei der Impfstoffentwicklung mit einem Lebendvirus. "Wir sehen mit großer Spannung auf die Untersuchungen der Kollegen", sagte Conraths.

Im Video: Afrikanische Schweinepest in Polen

SPIEGEL TV

Zuversichtlich stimme, dass in Tschechien seit April 2018 kein infiziertes Schwein mehr gefunden wurde. Das tschechische Bekämpfungssystem mit der Einrichtung von streng abgeriegelten Kernzonen und darum ringförmig angelegten Pufferzonen hat sich nach Einschätzung des FLI bislang als wirkungsvoll erwiesen und dient als "Blaupause" für einen möglichen Ausbruch in Deutschland.

Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern hat einen 51 Kilometer langen Elektrozaun bauen lassen, mit dem im Falle eines Ausbruchs die Kernzone abgeriegelt werden soll. "Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass wir noch nicht betroffen sind", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD).

boj/dpa

insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mustermann76 03.01.2019
1. Billiger Aktionismus?
Wenn die schweinepest inzwischen schon in Belgien, Tschechien und Polen angekommen ist, dann wird sie wohl über kurz oder lang auch in Deutschland ankommen. Dies nun mit dem massenhaften Abschuss von wildschweinen (wie im Artikel erläutert nicht die hauptgefahrenquelle) verhindern zu wollen, kommt mir eher wie aktionistisches Getue vor. Vielleicht geht es ja auch schlicht darum die abschussquoten zu erhöhen und etwas mehr Geld mit der Jagd zu verdienen (oder damit einfach nur Spaß zu haben....).
quark2@mailinator.com 03.01.2019
2.
Boah. Die armen Schweine. 850.000 Abschüsse sind mehr als ich gedacht hätte.
hausfeen 03.01.2019
3. Was passiert mit den geschossenen WIldschweinen. Im Prinzip ...
... ist selbst das Fleisch infizierter Tiere ja genießbar. Könnte also zumindest in Fertiggerichten, Konserven, Tiernahrung bedenkenlos verwendet werden.
cyberpommez 03.01.2019
4. Menschen nicht gefährdet!
Okay. Wer bezahlt denn dann diese Schutzmaßnahmen für unsere Schweinezüchter? Da wir CDU regiert sind, wissen wir das ja, aber eigentlich ist das nicht okay. Ich möchte mich nicht mit Steuergeldern an solchen Aktionen beteiligen, ausserdem finde ich es ziemlich krank hunderttausende gesunde Wildschweine zu töten, nur um Schweinebauern zu retten. traurig
_gimli_ 03.01.2019
5.
Zitat von quark2@mailinator.comBoah. Die armen Schweine. 850.000 Abschüsse sind mehr als ich gedacht hätte.
Um den Schwarzwildbestand in Deutschland zu senken, müssten erheblich mehr Wildschweine geschossen werden. Das sagt sich allerdings leichter, als es getan ist. Viele Jäger tun sich schwer, die Quoten zu erfüllen, weil Wildschweine nicht ganz einfach zu bejagen sind und das Fleisch in einigen Gegenden Deutschlands wegen der Cäsiumbelastung (hat natürliche Ursachen) nicht verkauft werden darf. Pro Jahr werden in Deutschland übrigens 1,2 Mio. Rehe geschossen. https://www.jagdverband.de/jagdstatistik
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.