Klimawandel Gletscher in der Schweiz beerdigt

Umweltaktivisten haben einen Gletscher in den Alpen für tot erklärt. Ein Bericht unterfüttert solche Aktionen mit neuen Zahlen: Die vergangenen fünf Jahre waren wohl die wärmsten seit Aufzeichnungsbeginn.
Ein Mann spielt Akkordeon an einem See unterhalb des Pizol-Gletschers

Ein Mann spielt Akkordeon an einem See unterhalb des Pizol-Gletschers

Foto: Gian Ehrenzeller/ dpa

Die Welt wird immer wärmer, so viel steht trotz all der Unsicherheiten, die die Klimaforschung mit sich bringt, fest.

Dass der Anstieg der Temperaturen Opfer fordert, weiß die Menschheit schon länger. Kürzlich wurde etwa der Okjökull-Gletscher auf Island mit einer Trauerfeier gewissermaßen beigesetzt. Die einst mächtigen Eismassen waren auf eine Dicke von nur noch 15 Metern geschrumpft - zu wenig, um sich noch vorwärtszuschieben. Eine ähnliche Aktion gab es nun in der Schweiz.

Auch hier haben Umweltorganisationen eine demonstrative Abschiedszeremonie für den Pizol-Gletscher gefeiert. Rund 250 Menschen nahmen an der Veranstaltung etwa hundert Kilometer südöstlich von Zürich teil. Der Gletscher ist in den vergangenen Jahren so stark geschrumpft, dass er in diesem Jahr zum letzten Mal vermessen wird. "Es ist nicht mehr viel vom Gletscher da. Jedes Mal, wenn man kommt, ist es wieder schlimmer, hatte der Glaziologe Matthias Huss bei einer Begehung kürzlich gesagt.

Forscher hatten erst im April eine Studie veröffentlicht, nach der die Alpen in 80 Jahren fast komplett eisfrei sein könnten. Dennoch haben Aktionen wie die heutige am Pizol-Gletscher natürlich mehr mit Aktionismus zu tun als mit Wissenschaft.

Doch neue Zahlen untermauern, dass sie vielleicht notwendig sind. Laut einem am Sonntag veröffentlichten Bericht der Weltwetterorganisation  (WMO) waren die Jahre von 2015 bis 2019 die heißeste Fünfjahresperiode seit Beginn der Messungen vor rund 150 Jahren. Das geht aus vorläufigen Berechnungen hervor.

Die durchschnittliche Temperatur weltweit habe in diesem Zeitraum um 1,1 Grad über jener der vorindustriellen Zeit gelegen. Verglichen mit der vorherigen Fünfjahresperiode lag der Anstieg bei 0,2 Grad.

Um den Anstieg der Durchschnittstemperatur bis 2100 unter zwei Grad zu halten, müssten die Anstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgase verdreifacht werden, sagte WMO-Generaldirektor Petteri Taalas. Um die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, sei eine Verfünffachung nötig. Das Zweigradziel halten Wissenschaftler für das mindeste, um eine gefährliche Störung des Weltklimas abzuwenden. Im Weltklimaabkommen von Paris hatten Staaten vor vier Jahren vereinbart, eine Begrenzung von 1,5 Grad anzustreben.

"Alle Signale und Folgen des Klimawandels - der Anstieg des Meeresspiegels, der Eisverlust, das Extremwetter - sind stärker geworden", berichtete die WMO. Es sei dringend nötig, jetzt ehrgeizige Klimaziele zu setzen. "Der Anstieg des Meeresspiegels beschleunigt sich und wir fürchten, dass ein abrupter Rückgang des Eises in der Antarktis und in Grönland die Entwicklung noch verschärft", sagte Taalas.

Die WMO trägt in dem Bericht die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum dramatischen Rückgang des Eises, dem Anstieg des Meeresspiegels, der Versauerung der Meere sowie den klimatischen Ursachen für extreme Hitzewellen, Waldbrände und Überschwemmungen zusammen.

joe/dpa
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