CO₂-Speicher Seegras, die Hoffnung für den Klimaschutz

Es könnte ein effizientes Mittel im Kampf gegen den Klimawandel sein: Seegras. Die Pflanzen speichern klimaschädliches CO₂ und wirken der Versauerung der Ozeane entgegen. Doch die Bestände sind gefährdet.
Saya de Malha im Indischen Ocean: Das vermutlich größte Seegrasgebiet der Erde

Saya de Malha im Indischen Ocean: Das vermutlich größte Seegrasgebiet der Erde

Foto: GREENPEACE / via REUTERS

Mitten im Indischen Ozean liegt ein wundersames Flachwassergebiet von der Größe der Schweiz, die Saya de Malha. Schon vor 500 Jahren, als portugiesische Seefahrer das Gebiet besegelten, fielen ihnen riesige grüne Seegrasfelder auf, die auf dem Meeresboden wuchsen. Heute interessieren sich Meereskundler und Klimaforscher für das, was hier wächst. Es sind die vermutlich größten Seegraswiesen der Welt.

Seegräser spielen eine große Rolle bei der Regulierung der Ozeane. Und was vielen nicht bekannt ist: Sie haben ein beachtliches Potenzial beim Klimaschutz. Laut Untersuchungen speichert ein Quadratkilometer Seegras fast doppelt so viel Kohlenstoff aus klimaschädlichem CO2 wie Wald an Land. Pro Jahr würden schätzungsweise rund 83 Millionen Tonnen Kohlenstoff durch Seegrasfelder gebunden, rechnet die Bundesregierung  vor. Das entspräche den jährlichen CO2-Emissionen aller Autos in Italien und Frankreich.

Einer aktuellen Studie zufolge, die in der Fachzeitschrift »Global Change Biology«  veröffentlicht wurde, kommen Forscher um Aurora Ricart vom Bigelow Laboratory for Marine Sciences in Maine von der University of California in Davis zu dem Ergebnis, das Seegräser auch einen gewissen Puffer gegen die Versauerung der Meere bieten. Seegraswälder lenkten den pH-Wert an US-Küstengewässern auf ein verträglicheres Level. Somit mildern sie schwerwiegende Folgen der Treibhausgasemissionen ab.

Denn die Versauerung der Ozeane ist ein Nebeneffekt des steigenden Kohlendioxidgehalts in der Atmosphäre. Ein Teil des CO2 löst sich aus der Luft ins Meer und erwirkt hier eine chemische Reaktion, die den pH-Wert des Wassers senkt. Doch die Studie zeigte, dass die Seegrasfelder vor der US-Westküste den pH-Wert um mehr als 0,1 Einheiten erhöhen können. Dadurch wird der Säuregehalt des Wassers um rund 30 Prozent gesenkt und schädliche Auswirkungen auf Meeresorganismen verringern sich womöglich.

Unklare Datenlage zu Seegrasbeständen

Die Pflanzen leisten aber noch weitere wertvolle Beiträge. Im flachen Wasser von Saya de Malha bieten sie ein wichtiges Ökosystem für Meerestiere. Sie sind zugleich Kinderstube, Schutzgebiet und Futterplatz für viele Arten. Zudem reinigen die Pflanzen verschmutztes Wasser und schützen Küsten vor Erosion.

Wie groß die weltweiten Seegrasgebiete sind, ist aber nicht abschließend erforscht. Schätzungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) gehen von einer Fläche von rund 300.000 Quadratkilometern aus, verteilt über Gebiete auf allen Kontinenten außer der Antarktis.

Aber die Bestände an Seegras gehen global zurück. Laut dem Unep trägt der Mensch dazu bei, dass rund alle 30 Minuten ein Fußballfeld Seegras zerstört wird. Dadurch wird das Treibhausgas wieder freigesetzt. »Das hat enorme Auswirkungen auf die Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels«, sagt Dimos Traganos vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Er ist Leiter eines Projekts, das eine Software entwickelt, um die Bestände von Seegras mithilfe von Satellitenbildern und anderen Daten zu verbessern.

Traganos verweist auf eine ältere Studie, nach der die Seegraswiesen weltweit um etwa sieben Prozent pro Jahr zurückgehen. Doch inzwischen dürfte sich der Wert verändert haben. Laut einer aktuellen Untersuchung aus Großbritannien werden mehr als 90 Prozent der Seegrasbestände  der britischen Inseln in über einem Jahrhundert verschwunden sein. Dazu trägt die Fischerei bei, aber auch die Verschmutzung der Meere.

Möglicherweise würde es sich also lohnen, Seegraswiesen wieder aufzuforsten. Forscher aus Kiel  hatten dazu ein Projekt gestartet, das Gebiete ausloten sollte, in denen sich die Seegräser besonders gut entwickeln würden. Das Klima würde sich sicher darüber freuen.

joe