Seltene Erden Gutachten bestätigt Vorkommen in Sachsen

Seltene Erden sind wichtige Rohstoffe für Hightech-Produkte. Sechs verschiedene Oxide fanden Gutachter jetzt in einer sächsischen Lagerstätte - ein in Mitteleuropa einzigartiges Vorkommen. Ob sich die Förderung lohnt, ist aber längst noch nicht klar.
Erkundungsbohrung bei Storkwitz (April 2012): "Planung des nächsten Bohrprogramms"

Erkundungsbohrung bei Storkwitz (April 2012): "Planung des nächsten Bohrprogramms"

Foto: dapd

Berlin - Ganz am nordwestlichen Zipfel von Sachsen liegt ein Schatz verborgen - doch es muss sich noch zeigen, ob er tatsächlich einmal gehoben wird. Unter Storkwitz, einem Ortsteil der Stadt Delitzsch, gibt es das einzige ernstzunehmende Vorkommen an Seltenen Erden in Mitteleuropa: Lanthan, Cer, Praseodym, Neodym, Europium und Yttrium.

Ein neues Gutachten der australischen Geo-Beratungsfirma Mining One zeigt, dass es im oberen Teil der Lagerstätte insgesamt rund 20.100 Tonnen Seltenerd-Oxide geben dürfte. Aktuell kommen rund 97 Prozent der auf der Welt geförderten Seltenen Erden aus China. Auch deswegen erregen Projekte wie das in Sachsen öffentliches Interesse, schließlich hat der Rest der Welt Angst vor einer künstlichen Verknappung des Angebots durch die Regierung in Peking.

Seltene Erden werden unter anderem für Hochleistungsmagnete gebraucht - und sind in kleinen Mengen in zahllosen Hightech-Produkten zu finden. Die Seltenerden Storkwitz AG, eine Tochterfirma der Deutschen Rohstoff AG, interessiert sich für die Förderung in Storkwitz. Sie muss an der Börse Geld von Investoren zusammenbekommen. Dafür braucht es auch eine gute Story. So ist die neue Einschätzung des australischen Gutachters vor allem auch für diese Geldgeber gedacht.

Das am Donnerstag präsentierte Gutachten bestätigt nach Ansicht der Firma im wesentlichen Ergebnisse aus der DDR-Zeit. Damals waren bis in 90 Meter Tiefe insgesamt 38.000 Tonnen Seltenerd-Oxide vorhergesagt worden. Die Geologen waren mehr oder weniger zufällig auf die Lagestätte gestoßen. Eigentlich hatten sie Uranerz finden wollen.

In den Siebzigern und Achtzigern war in Storkwitz umfangreich gebohrt worden. Für das neue Gutachten gab es dagegen vergangenes Jahr nur eine einzige, 700 Meter tiefe Bestätigungsbohrung ("SES 1/2012"). Der im Gutachten erfasste Teil der Lagerstätte reicht bis in 600 Meter Tiefe. Die australischen Experten gehen hier von einer Ressource von 4,4 Millionen Tonnen Erz aus - mit einem durchschnittlichen Seltenerd-Oxid-Gehalt von 0,45 Prozent. Außerdem seien auch 4000 Tonnen des Metalls Niob zu erwarten.

Bei der Suche nach Investoren argumentiert die Firma freilich, dass die Lagerstätte auch in größeren als den bisher begutachteten Tiefen weitergeht. Das heißt, das zwischen 600 und 1200 Metern - oder gar mehr - weitere interessante Rohstoffe zu finden sein könnten. Zu welchen Kosten sie sich fördern ließen, ist eine andere Frage. Die Lagerstätte hat eine Form, die manche Geologen höflich als "Herausforderung" bezeichnen. Auf einem 3D-Bild sieht sie in etwa aus, wie eine klassische Coca-Cola-Flasche.

Einstweilen gibt sich die Firma dennoch optimistisch. Bernhard Giessel, Chef der Seltenerden Storkwitz AG, erklärte, man arbeite bereits "an der Planung des nächsten Bohrprogramms, das den Erzkörper bis zu dieser Tiefe erkunden soll". Möglicherweise lasse sich durch eine Erkundung bis in 1200 Metern Tiefe die vorhandene Ressource verdoppeln.

chs
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