Seltenes Raubtier Wolf in Brandenburg totgefahren

Auf einer Bundesstraße in Brandenburg wurde ein Wolfsrüde überfahren. Der Verlust des Leittiers gefährde eines der seltenen Rudel in Deutschland, fürchten Experten. Doch möglicherweise springt ein Jungtier bei der Aufzucht des Nachwuchses ein.
Toter Wolf: Überfahren auf der Bundesstraße 97

Toter Wolf: Überfahren auf der Bundesstraße 97

Foto: dapd

Spremberg - Der Leitwolf des einzigen Wolfsrudels in Brandenburg ist offenbar von einem Auto überfahren worden. Eine Passantin habe den Kadaver des Tieres am vergangenen Freitag an der Bundesstraße 97 nördlich von Spremberg entdeckt, teilte der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) am Mittwoch mit. Das zuständige Landesumweltamt bestätigte, dass es sich um einen vermutlich vier oder fünf Jahre alten Wolf handelt.

"Mit dem Verlust des Vatertieres ist die Zukunft des einzigen brandenburgischen Rudels ungewiss", sagte Nabu-Experte Markus Bathen. Da Wolfspaare monogam ihr Rudel führten, müsse sich erst ein neues Männchen einfinden, damit die Existenz des Rudels gesichert sei.

Da in der sächsischen Lausitz aber fünf weitere Rudel lebten, bestehe die Hoffnung, dass ein Jungtier bei der Aufzucht des Nachwuchses im benachbarten Brandenburg helfe. Zurzeit lebten in der gesamten Region sechs Wolfsfamilien sowie zwei Paare.

Dem toten Rüden habe zwar ein Fuß gefehlt, doch der Vater von zwei Welpenwürfen sei ein überlebensfähiges Tier gewesen, das seine Familie versorgt habe, so der Nabu. Das Tier habe zum Bestehen der deutsch-westpolnischen Wolfspopulation beigetragen.

Wolf tappte in Fotofalle

In Brandenburg leben erst seit kurzer Zeit wieder Wölfe in freier Wildbahn. Deutschlandweit gibt es nach Schätzung der Umweltorganisation WWF zwischen 50 und 60 Wölfe. Ein Großteil davon lebt in der sächsischen Lausitz, wo mittlerweile die Angst vor den Raubtieren wächst. Auch aus Hessen und Bayern werden immer wieder Sichtungen gemeldet. In Mecklenburg-Vorpommern ist nach früheren Angaben des Umweltministeriums seit vier Jahren ein Wolf in der Ueckermünder Heide nachgewiesen. Er soll sogar eine Gefährtin haben und in diesem Jahr Nachwuchs erwarten. Ein anderer tappte im August in eine Fotofalle in der Lübtheener Heide.

Seit 2000 sind laut Nabu auf Deutschlands Straßen zehn Wölfe im Straßenverkehr umgekommen. Der jetzt bei Spremberg getötete sei jedoch das erste Elterntier gewesen. "Der Verlust des Wolfs hat uns wieder vor Augen geführt, wie gefährlich der Straßenverkehr auch für seltene und bedrohte Tierarten ist", sagte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Die Organisation fordert, dass vermehrt Korridore und Brücken für wandernde Wildtierarten bei der Verkehrsplanung berücksichtigt werden. Verkehrsunfälle seien die häufigste nicht natürliche Todesursache bei Wölfen - noch vor illegalen Abschüssen.

boj/dpa
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