Gewaltsamer Paarungsversuch Seebär vergreift sich an Königspinguin

Das Video von einer Insel im Indischen Ozean ist schockierend: Ein Seebär fängt einen Pinguin und versucht gewaltsam, sich mit ihm zu paaren. Attacken dieser Art wurden schon öfter beobachtet. Forscher stehen vor einem Rätsel.

YouTube/Barcroft TV

Natur kann sehr brutal sein. Dies bestätigen die schockierenden Bilder, die Biologen auf Marion Island im südlichen Indischen Ozean gemacht haben. Darin ist zu sehen, wie ein Seebär-Männchen einen Königspinguin unter seinen Körper schiebt, und versucht, sich mit ihm zu paaren. Der Seebär scheint den hilflosen Vogel dabei fast zu erdrücken.

Pinguine sind ein beliebtes Futter der Meeressäuger - aber dass die Seebären die Vögel quasi vergewaltigen, hat die Forscher dann doch verblüfft. "Normalerweise attackieren sie die Pinguine am Strand und töten sie", sagt Nico de Bruyn von der University of Pretoria.

2006 hatten die Forscher erstmals diese ungewöhnliche Form sexueller Gewalt auf Marion Island beobachtet. Immerhin 45 Minuten dauerte der Vorfall damals. Inzwischen sind vier Angriffe dokumentiert, der letzte im Dezember 2012. In einem Fall tötete der Seebär den Pinguin sogar nach der Kopulation und verspeiste Teile des Tiers.

Vergewaltigung aus Sexfrust?

Alle vier Fälle haben dasselbe Muster: Ein Seebär jagt einen Pinguin am Strand, fängt ihn und drückt ihn unter sich. Dann beginnen Kopulationsversuche, die zwischen zwei und sechs Minuten dauern. Zwischendurch pausiert der Seebär auch immer wieder für einige Minuten. In drei der vier Fälle ließ der Seebär sein Opfer nach dem Angriff wieder frei.

Anfangs dachten die Forscher, es handle sich womöglich um fehlgeleiteten Jagdinstinkt. Doch diese Hypothese haben sie schnell wieder verworfen. Eine mögliche Erklärung ist, dass hinter den Attacken junge, sexuell frustrierte Männchen stecken, die kaum Chancen haben, ein Weibchen zu finden.

"Es ist unwahrscheinlich, dass ein einziges Tier hinter allen vier Angriffen steckt", schreiben die Forscher im Fachblatt "Polar Biology". Möglicherweise habe ein Tier damit angefangen, und andere, die es dabei beobachteten, hätten das Verhalten dann übernommen. Auch die zeitliche Verteilung der beobachteten Angriffe spreche dafür, dass es sich um erlerntes Verhalten handle, schreiben die Forscher.

Dass sich beim Tiersex nicht immer nur klassisch Männchen und Weibchen paaren, ist keine neue Erkenntnis. Sex über Artengrenzen hinweg wurden bereits mehrfach dokumentiert. Auch homosexuelle Beziehungen sind möglich. Für Schlagzeilen sorgte etwa ein schwules Pinguinpärchen aus dem New Yorker Zoo, dem Pfleger sogar ein Ei unterschoben, das ein anderes Paar nicht ausbrüten wollte. Das Kinderbuch über die rührende Geschichte zweier Pinguin-Papas löste in den USA später einen Streit über den generellen Umgang mit dem Thema Homosexualität aus.

Korrektur: Bei den angegriffenen Tieren handelt es sich um Köngispinguine (Aptenodytes patagonicus), nicht um Kaiserpinguine (Aptenodytes forsteri). Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

hda



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