Shutdown am Südpol US-Forschungsstationen kurz vor Notbetrieb

Die US-Haushaltskrise gefährdet nun auch die Arbeit auf Forschungsstationen in der Antarktis. Bleibt die Finanzierung weiter ausgesetzt, müssten schon in wenigen Tagen Hunderte Projekte unterbrochen werden. Wichtige Daten wäre unwiederbringlich verloren.

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Ausgerechnet im Oktober. Für die Wissenschaftler in der Antarktis kommt die US-Haushaltskrise zur Unzeit. Denn eigentlich beginnt mit den steigenden Temperaturen die Saison in den drei Forschungsstationen der National Science Foundation (NSF). Stattdessen stehen Hunderte Projekte vor der finanziellen Notbremse. Wie die NSF am Dienstag bekanntgab, bleiben nur noch wenige Tage, dann müsste der gesamte Forschungsbetrieb sozusagen eingefroren werden.

Normalerweise arbeiten etwa 1200 Wissenschaftler im antarktischen Frühling und Sommer am Südpol. Ihre Forschungsgebiete reichen von Teilchenphysik bis Klimawandel. Zentrum der antarktischen Forschung ist die McMurdo-Station auf der Ross-Insel, die aus mehr als 80 Gebäuden besteht, inklusive einer Feuerwehr und einem eigenen Landeplatz für große Tranportflugzeuge.

Insgesamt kostet der Betrieb der US-Forschungsanlagen knapp 400 Millionen US-Dollar jährlich. Sollte die Haushaltskrise weiter anhalten, ließe sich der Betrieb der Stationen nur noch wenige Tage finanzieren - bis Montag kommender Woche, so die National Science Foundation. Dann würden sämtliche Aktivitäten eingestellt, die nicht erforderlich seien, um die Sicherheit des Personals und den Erhalt der Anlagen sicherzustellen.

"Wenn wir ein Jahr verlieren, bekommen wir es nie zurück"

"Das ist absurd, einfach absurd", sagte Alan Leshner, Geschäftsführer des weltgrößten Wissenschaftlerverbands AAAS. "Diese Situation gefährdet die gesamte Forschungssaison für Hunderte wichtige Projekte." Zudem sind einige Untersuchungen auf kontinuierliche Messungen angewiesen und könnten nach einer Unterbrechung nicht einfach wieder aufgenommen werden.

Wie bei Hugh Ducklow und den Adeliepinguinen. Der Biologe von der Columbia University hatte in den vergangenen Jahren stets mit seinen Messungen dokumentiert, wie der Bestand der Pinguine immer weiter schrumpft. "Wenn wir ein Jahr verlieren, bekommen wir es nie zurück", sagte Ducklow. In der Antarktis wird die Entwicklung vieler Tierpopulationen mit derartigen Langzeitstudien erforscht, sie alle hätten unwiederbringliche Lücken.

Noch am Mittwoch soll ein ganzes Schiff voller Wissenschaftler an den Forschungsstationen ankommen, darunter auch Mitarbeiter eben dieser Langzeitstudien. Eine von ihnen, die Doktorandin Catherine Luria von der Brown University im US-Bundesstaat Rhode Island, hat bereits neun Monate in der Antarktis geforscht. Für sie klingt die Vorstellung einer minimal besetzten Station "wirklich einsam".

Andere reagieren drastischer. "Traurig und verärgert" mache sie die Ankündigung der NSF, sagte Sarah Das. Die Geologin arbeitete auch während der letzten großen US-Haushaltskrisen 1995 und 1996 in der Antarktis. Damals sei die Arbeit nicht eingestellt worden. Heute erscheint das nur noch eine Frage von wenigen Tagen zu sein.

mit Material von AP



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gog-magog 10.10.2013
1.
Zitat von sysopNSFDie US-Haushaltskrise gefährdet nun auch die Arbeit auf Forschungsstationen in der Antarktis. Bleibt die Finanzierung weiter ausgesetzt, müssten schon in wenigen Tagen Hunderte Projekte unterbrochen werden. Wichtige Daten wäre unwiederbringlich verloren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/shutdown-am-suedpol-us-forschungsstationen-kurz-vor-notbetrieb-a-926891.html
Ein Treppenwitz der Weltgeschichte: der Shutdown führt zu Datenverlust bei der Forschung, aber die NSA baut sich einen Milliardenkomplex zum Datensammeln und das wird auch ohne Geld noch finanziert. Tut mir leid, in einem solchen Staat möchte ich nicht leben. Haben die Forscher denn nicht genügend Festplatten da unten am Südpol?
gog-magog 10.10.2013
2.
Zitat von sysopNSFDie US-Haushaltskrise gefährdet nun auch die Arbeit auf Forschungsstationen in der Antarktis. Bleibt die Finanzierung weiter ausgesetzt, müssten schon in wenigen Tagen Hunderte Projekte unterbrochen werden. Wichtige Daten wäre unwiederbringlich verloren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/shutdown-am-suedpol-us-forschungsstationen-kurz-vor-notbetrieb-a-926891.html
Es ist möglicherweise problematisch, Zeitreihenmessungen zu unterbrechen, aber die können ja nun wirklich nicht so teuer sein. An der extrem teuren Teilchenphysik und der Geologie könnte man dagegen eher problemlos sparen, denn im Gegensatz zu den Pinguinen und den Klimadaten rennen weder die Teilchen, noch die Steine weg.
appenzella 10.10.2013
3. optional
Warum schalten die Amis nicht die Server und Computer der NSA ab? Die Daten können sie sich später doch von den Briten, Australiern, Neuseeländern usw. kopieren. Plant Al-Quaida zur Zeit überhaupt Anschläge? Wenn der CIA etwas taugen würde, dann wüßte man doch darüber Bescheid. Oder? 1 Million Dollar pro Tag Stromkosten, die wären in der Antarktis wirklich besser angelegt..
franz-burbach 10.10.2013
4. Die Pinguine
Dann können die sich wenigsten einmal wieder ungestört vermehren ohne belästigt zu werden. Wer vermehrt sich schon gerne wenn einer zukuckt. Lach.
franz-burbach 10.10.2013
5. Pinguine
Dann können die sich wieder mal in Ruhe vermehren, wer mag es schon wenn einer einem beim Vermehren zukuckt.
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