Bis zu 34 Grad Sibirien leidet unter Rekordhitze

Schon der vergangene Winter soll der heißeste seit 130 Jahren gewesen sein: Jetzt erlebt die russische Wildnis einen nie da gewesenen Extremsommer. Die Folgen sind katastrophal.
Temperaturkarte für den Monat Mai: Werte über (rot) und unter (blau) dem Langzeit-Mittel

Temperaturkarte für den Monat Mai: Werte über (rot) und unter (blau) dem Langzeit-Mittel

Foto: Modis/ NEO/ Nasa

34 Grad im Schatten: Nein, das ist nicht die heutige Tageshöchsttemperatur auf Mallorca, Ibiza oder in Rom. So hoch kletterte das Thermometer im sibirischen Werchojansk - dort, wo es zu dieser Jahreszeit normalerweise um die 12 Grad warm ist und wo im Januar bei durchschnittlich minus 49 Grad alles zu Eis erstarrt. Als "völlig verrückt" bezeichnete der finnische Meteorologe Mika Rantanen den Wert für die Kleinstadt auf Twitter:

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Schon seit Monaten plagt eine Hitzewelle Sibirien. Im Mai lagen die Oberflächentemperaturen in Teilen der riesigen russischen Region nach Angaben des EU-Copernicus-Klimadienstes bis zu 10 Grad über dem Durchschnitt. Selbst am Polarkreis wurden nie da gewesene Temperaturen gemessen: Im Ort Chatanga, für den zu dieser Jahreszeit Tagestemperaturen um null Grad normal sind, waren es am 25. Mai außergewöhnliche 25 Grad. Der vorherige Rekord hatte bei 12 Grad gelegen.

Das Extremwetter alarmiert Klimawissenschaftler. Laut der britischen Zeitung "The Guardian"  haben die hohen Temperaturen große Waldbrände und eine Plage baumfressender Motten verursacht, die ihrerseits die Hitze verstärken. Martin Stendel vom Dänischen Meteorologischen Institut sagte der Zeitung, die im Mai in Nordwestsibirien gemessenen Temperaturen seien Berechnungen zufolge nur einmal in 100.000 Jahren normal, die von Menschen gemachte Erwärmung erhöhe die Wahrscheinlichkeit für solche extremen Wetterereignisse allerdings deutlich.

Meeresströmungen bringen Wärme zu den Polen

Sibirien zählt zu den Weltregionen, für die im Rahmen des Klimawandels mit einer verhältnismäßig starken Erwärmung und deutlichen Temperaturschwankungen gerechnet wird. Die Temperaturen rund um die Pole steigen deshalb am schnellsten, weil die Meeresströmungen Wärme dorthin transportieren und reflektierendes Eis und Schnee abschmelzen. "Obwohl sich der Planet als Ganzes erwärmt, geschieht dies nicht gleichmäßig", sagte die Forscherin Freja Vamborg vom Copernicus-Klimadienst dem "Guardian". "Daher sind große Temperaturanomalien in Sibirien bis zu einem gewissen Grad nicht überraschend. Ungewöhnlich ist jedoch, wie lange die überdurchschnittlich starken Erwärmungsanomalien schon bestehen."

Feldbrand in Südsibirien im April: Wegen starker Winde außer Kontrolle

Feldbrand in Südsibirien im April: Wegen starker Winde außer Kontrolle

Foto: Kirill Kukhmar/ ITAR-TASS/ imago images

Bereits der vergangene Winter soll in Sibirien der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren gewesen sein. Im Frühjahr dann gerieten viele Feuer, mit denen Landwirte ihre Felder roden, wegen starker Winde außer Kontrolle und wurden zu Hunderttausende Hektar großen Waldbränden. Hinzu kam, dass die Schwärme des sibirischen Seidenspinners, dessen Larven sich von Nadelbäumen ernähren, bei den steigenden Temperaturen rasch wuchsen. Ohne Nadeln seien die Bäume jedoch anfälliger für Brände, warnen Mottenforscher.

Die überdurchschnittlich starke Erwärmung in Sibirien wird auch wesentlich für die Ölkatastrophe in Norilsk verantwortlich gemacht. Ende Mai soll ein Tank im dortigen Heizkraftwerk nach Angaben des Betreibers wegen des auftauenden Permafrostbodens kollabiert sein. 20.000 Tonnen Diesel liefen aus und verseuchten die umliegenden Gewässer. Experten wie der Permafrostforscher Guido Grosse vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Potsdam halten einen Einfluss tauender Böden zwar für plausibel, verweisen aber auch auf das hohe Alter und die Konstruktion des Tanks.

jki