Foto: Lauren Dauphin/ NASA EOSDIS/ LANCE and GIBS/ Suomi National Polar-orbiting Partnership

Satellitenbild der Woche Dicke Luft über Sibirien

In Sibirien ist es derzeit ungewöhnlich warm und trocken, seit Monaten wüten heftige Feuer. Satelliten haben die Rauchentwicklung eingefangen. Sie ist aber nicht das einzige Problem.

Das zweite Jahr in Folge erlebt der hohe Norden ungewöhnliche Temperaturen, Trockenheit und eine heftige Brandsaison. In Sibirien und im nördlichen Polarkreis lodern ausdauernd und großflächig Feuer und setzen Rekordmengen Kohlendioxid (CO2) frei. Der giftige Rauch zieht mitunter in Städte.

Satellitenbilder der amerikanischen Weltraumagentur Nasa  zeigen die Entwicklung von Rauchwolken über der Republik Sacha im Nordosten Russlands zwischen dem 30. Juli und 6. August. Es handelt sich um eine der aktivsten Brandregionen in Sibirien in diesem Sommer. Am Donnerstag brannten dort ungefähr 19 Feuer.

Ende Juli trugen starke Winde Rauchschwaden teils bis nach Alaska. Auch dort und in Teilen von Nordwestkanada gab es in diesem Sommer Brände , allerdings in geringerem Ausmaß als in Sibirien.

"Nach den Bränden in der Arktis im Jahr 2019 kamen die Brände in diesem Juni nicht so überraschend", sagte Mark Parrington, leitender Wissenschaftler beim Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS), der Feuer auf der Erde dokumentiert. Allerdings hätte das Ausmaß und die Intensität dann im Juli ungewöhnlich stark zugenommen.

Brennender Torf führt zu CO2-Rekorden

Hinzu kommt, dass Schätzungen zufolge in diesem Jahr etwa die Hälfte der Brände im arktischen Russland Torfböden betreffen. Diese bestehen aus zersetzter organischer Substanz, etwa Pflanzenresten, und sind eine gewaltige Kohlenstoffquelle. Brennen die Böden, verbindet sich der Kohlenstoff (C) darin mit dem Sauerstoff (O) in der Luft zu Kohlenstoffdioxid (CO2).

Laut Parrington haben die Brände im arktischen Russland im Juni und Juli 2020 mehr CO2 freigesetzt als in jeder vollständigen Brandsaison seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2003.

Brandbekämpfung am 21. Juli in Sovetskii im Nordwesten Russlands

Brandbekämpfung am 21. Juli in Sovetskii im Nordwesten Russlands

Foto: Denis Bushkovsky/ imago images/ITAR-TASS

"Die Zerstörung von Torf durch Feuer ist aus so vielen Gründen problematisch", sagte auch Dorothy Peteet vom Goddard Institute for Space Studies der Nasa. Wenn die Feuer die obersten Torfschichten abbrennen, führe das dazu, dass im Winter tiefere Schichten des Bodens gefrören und zusätzlich den darin enthaltenen Torf oxidierten.

Der Kohlenstoff, der derzeit verbrenne, habe sich zudem teils über 15.000 Jahre angesammelt. Auch Methan werde bei den Feuern freigesetzt. Es ist ein noch viel stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. "Kohlendioxid und Methan erhöhen das Treibhausgasproblem in unserer Atmosphäre und tragen weiter zur Erwärmung des Planeten bei", so Peteet.

Rekordschmelze in der Arktis

Daraus könnte ein gefährlicher Teufelskreis entstehen. Denn hohe Temperaturen in Kombination mit wenig Niederschlag erhöhen wiederum das Risiko für großflächige Brände. Zwischen dem 19. März und 20. Juni 2020 waren die Böden in Sibirien und im nördlichen Polarkreis nahezu überall deutlich wärmer  als im Frühling der Jahre 2003 bis 2018. In der russischen Stadt Werchojansk im nördlichen Polarkreis erreichte die Luft am 20. Juni eine Temperatur von 38 Grad.

Foto: Joshua Stevens/ NASA Earth Observatory

Die Hitze im hohen Norden wirkt sich auch auf die arktische Eisschicht aus. Im Juli 2020 betrug die durchschnittliche Eisfläche 7,28 Millionen Quadratkilometer. Das ist der niedrigste Wert für einen Juli seit Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1979, berichtet die Nasa .

Die Ausdehnung im Juli 2020 liegt demnach 2,19 Millionen Quadratkilometer unter dem Durchschnitt der Jahre 1981-2010 für den Monat Juli und 310.000 Quadratkilometer unter dem vorherigen Rekordtief von 2019.

Die Karte oben zeigt, die Ausdehnung des Meereises im Arktischen Ozean für Juli 2020 (rechts) im Vergleich zur Ausdehnung im gleichen Monat der Jahre 2000 und 2010 - je dunkler die Bereiche, desto weniger Eis war vorhanden. An den gelben Linien ist zu erkennen, über welche Fläche sich das Eis in den Jahren 1981 bis 2010 im Juli im Mittel ausgedehnt hatte.

Demnach entsprach die Ausbreitung im Juli 2000 beinahe dem langjährigen Durchschnitt, im Juli 2010 fehlten im Gegensatz dazu schon 1,4 Millionen Quadratkilometer Eisfläche. Dieser Wert ist nun noch einmal deutlich gestiegen.

jme
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