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Sahara Forscher filmen schnellste Ameisen der Welt

Sie sind nur einen Zentimeter groß - und schaffen 85 Zentimeter Distanz in einer Sekunde: In der Sahara haben Forscher Ameisen beobachtet, die zu den schnellsten Tieren der Erde gehören. Gemessen haben Wissenschaftler das mit einem Trick.

Silberameisen sind Tiere der Extreme: Sie leben im und auf dem heißen Sand der Sahara. Die Temperaturen dort erreichen bis zu 60 Grad Celsius.

Da ist es nicht verwunderlich, dass die Insekten so schnell laufen können wie keine andere Ameisenart und fast kein anderes Tier der Erde - zumindest im Verhältnis zur eigenen Körpergröße.

Die etwa einen Zentimeter großen Wüstenameisen erreichen auf ihrem Weg über den heißen Grund Maximalgeschwindigkeiten von 855 Millimetern pro Sekunde, berichten Forscher um Harald Wolf von der Universität Ulm im "Journal of Experimental Biology" . Das entspricht 85,5 Zentimetern pro Sekunde oder gut drei Kilometern pro Stunde. Klingt wenig, ist in Anbetracht der Größe der Tiere aber sehr viel.

In einer Sekunde überwinden Silberameisen 108 Mal ihre eigene Körperlänge. Dabei schwingen sie ihre Beine mit einer Geschwindigkeit von knapp 4,7 Kilometern pro Stunde (1300 mm/s).

Silberameisen: Sie laufen so schnell wie nur wenige andere Arten im Tierreich

Silberameisen: Sie laufen so schnell wie nur wenige andere Arten im Tierreich

Foto: Verena Wahl

Zum Vergleich: Das im Vergleich zur Körpergröße schnellste Tier der Erde ist eine in Kalifornien entdeckte Milbenart (Paratarsotomus macropalpis), die pro Sekunde 377 Mal ihre eigene Länge überwindet. Eine Art australischer Sandlaufkäfer kommt auf einen Wert 171 Körperlängen pro Sekunde und landet auf Platz zwei.

Kälte macht Ameisen träge

Gemessen haben die Forscher das Tempo der Sandameisen, indem sie den Nesteingang der Tiere mit einem Aluminiumrohr versahen. Am Ende des Kanals befand sich Futter in Form von Mehlwürmern. "Nachdem die Ameisen das Futter gefunden hatten, rannten sie den Kanal hoch und runter und wir haben unsere Kamera montiert, um sie von oben zu filmen", erklärt Sarah Pfeffer, Erstautorin der Studie.

Für weitere Untersuchungen gruben die Forscher ein Ameisennest aus und brachten es mit nach Deutschland. Dort stellten sie fest, dass sich die Ameisen - ähnlich eines Strandtouristen im heißen Sand - umso schneller bewegen, je wärmer der Untergrund ist. Das Ameisenrekordtempo hatten die Insekten in der prallen Saharahitze erreicht. Im zehn Grad kalten Labor in Deutschland überwanden sie nur noch 5,7 Zentimeter in einer Sekunde - das entspricht 0,21 km/h.

Im kalten Labor sank die Geschwindigkeit auf nur 0,21 Kilometer pro Stunde

Im kalten Labor sank die Geschwindigkeit auf nur 0,21 Kilometer pro Stunde

Foto: Harald Wolf

Um herauszufinden, welche Ameisenart die schnellste ist, verglichen die Forscher die Silberameisen mit einer etwas größeren, anderen Wüstenameise mit dem Namen Cataglyphis Fortis. Diese erreicht allerdings nur eine Geschwindigkeit von 62 Zentimetern pro Sekunde (620 mm/s). Das entspricht in ihrem Fall 50 Körperlängen pro Sekunde.

Ameisen im Galopp

Dabei fiel den Wissenschaftler auch auf, dass die Beine der Silberameisen 20 Prozent kürzer sind als die der Vergleichsart. Trotzdem laufen sie schneller. Bis zu 47 Schritte pro Sekunde registrierten die Wissenschaftler. Sobald die Tiere eine Geschwindigkeit von 30 Zentimetern pro Sekunde (300 mm/s) überschritten, verfielen sie in eine Art Galopp mit allen sechs Füßen in der Luft.

Die Ameisen koordinierten jeden Schritt dabei sehr präzise, obwohl jeder Fuß nur sieben Millisekunden den Boden berührte, berichten die Forscher. "Die Eigenschaften verhindern wahrscheinlich, dass die Ameisen zu tief in den weichen Sand einsinken", so Wolf. Er vermutet, dass die Beinmuskeln der Insekten so schnell kontrahieren, dass sie an die Grenzen des physiologisch möglichen gelangen.

jme