Simulation Wärmerer Atlantik soll für mehr Hurrikane sorgen

Seit 1995 hat sich die Zahl der Wirbelstürme in der Karibik überdurchschnittlich erhöht. Britische Forscher wollen nun bewiesen haben, dass die wärmere Oberfläche des Atlantiks dafür mit verantwortlich ist. Trotz der neuen Simulationen bleibt die Sturmhäufung aber weiter mysteriös.


Gestiegene Temperaturen und immer mehr Hurrikane - für manchen Geoforscher ist das eine logische Verbindung. Im Sommer 2006 hatten Forscher zwei verschiedene Studien veröffentlicht, welche die These stützten, dass die verheerende Wirbelsturmsaison 2005 maßgeblich vom Klimawandel befeuert wurde. Doch ganz so eindeutig sind die Zusammenhänge offenbar nicht: Höhere Wassertemperaturen können auch wie eine Hurrikanbremse wirken, ergaben andere Studien.

Nun glauben zwei britische Forscher, bewiesen zu haben, dass die wachsende Zahl von Hurrikanen über dem Nordatlantik auf jeden Fall mit den steigenden Wassertemperaturen zusammenhängt. Seit 1995 sei die Zahl der Wirbelstürme im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1950 bis 2000 deutlich gestiegen, schreiben Mark Saunders und Adam Lea vom University College London im Journal "Nature" (Bd. 451, S. 557). Dieser Anstieg sei zu 40 Prozent durch die wärmere Oberfläche des Atlantiks bedingt.

Saunders und Lea schreiben, sie hätten erstmals den konkreten Anteil, den die Wassertemperaturen an der stürmischen Entwicklung haben, bestimmt. Demnach war bereits ein Temperaturanstieg von 0,5 Grad Celsius zwischen August und September für einen 40-prozentigen Zuwachs der Hurrikan-Häufigkeit verantwortlich.

Zusammenhang mit Klimawandel unklar

Die Forscher werteten in ihrer Studie monatliche Daten des US National Hurricane Centers zwischen 1950 und 2005 sowie des National Centers for Environmental Prediction aus. Sie betrachteten sowohl die Oberflächentemperaturen des Ozeans als auch die Spitzen-Windgeschwindigkeiten. Demnach machen Wasserwärme und atmosphärische Veränderungen insgesamt 75 bis 80 Prozent des seit 1965 zunächst langsamen und seit 1995 verstärkten Hurrikan-Anstiegs aus. Durch statistische Verfahren berechneten die Forscher dann erstmals den konkreten Anteil der Oberflächentemperaturen.

"Unsere Analyse zeigt nicht, inwieweit die Klimaerwärmung durch Treibhausgase an der Zunahme der Hurrikan-Aktivität mitwirkt", betont Saunders. Es sei jedoch wichtig, mit Klimamodellen den beobachteten Zusammenhang zwischen Hurrikanen und der Oberflächentemperatur abzubilden. Dies werde dabei helfen, glaubwürdige Voraussagen über künftige Veränderungen bei der Hurrikan-Aktivität über dem Nordatlantik zu machen, sagte der Forscher.

Die Rolle der Scherwinde

Trotz der klaren Ergebnisse des statistischen Modells haben Saunders und Lea das Geheimnis der Hurrikan-Häufung nicht lüften können. Hinter der gestiegenen Wirbelsturmaktivität könnten auch natürliche Schwankungen im Nordatlantik stecken, glaubt mancher Forscher. Und Hurrikan-Experten wie Mojib Latif vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-Geomar halten die sogenannten Scherwinde für hauptverantwortlich.

Vertikale Scherwinde entstehen durch die unterschiedlichen Geschwindigkeiten oder Richtungen von Winden in verschiedenen Höhen. Fluggäste spüren sie auf zum Teil heftige Weise, wenn ihr Flugzeug durch Turbulenzen kräftig durchgeschüttelt wird. Nach Computersimulationen amerikanischer Forscher wird ein Hurrikan an seiner Entstehung gehindert, wenn er auf solche Scherwinde trifft. Wärmeres Wasser erhöht laut Latif nicht die Zahl der Hurrikane, macht diese aber umso zerstörerischer.

hda/dpa



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