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Dinos auf der Pirsch: Große Augen verraten den Nachtjäger

Foto: Lars Schmitz

Skelettanalyse Dinosaurier jagten auch nachts

Ein Dogma fällt: Bislang galt als sicher, dass Dinosaurier nur tagsüber auf Jagd gingen. Doch nun zeigt die Untersuchung versteinerter Knochen, dass die Tiere sich wohl auch bei Dunkelheit auf Beutezug begaben.

Washington/Davis - Viele Dinosaurier jagten nachts oder in der Dämmerung - jedenfalls legt das die Form ihrer Augen nahe. Diese neue Entdeckung von Forschern der University of California in Davis lässt eine bisher anerkannte Hypothese wackeln, nach der alle Dinosaurier tagaktiv gewesen sein sollen. Erst Säugetiere sollten demnach die Fähigkeit entwickelt haben, auch nachts zu sehen.

Flugsaurier waren tatsächlich vor allem am Tag aktiv, schreiben Lars Schmitz und Ryosuke Motani jetzt im Wissenschaftsmagazin "Science" . Viele Räuber am Boden hingegen hätten nachts gejagt. Großgewachsene Pflanzenfresser wiederum waren der Studie zufolge nahezu rund um die Uhr auf Futtersuche. Das schließen die Paläontologen aus den Fossilien von insgesamt 33 Dinosauriern, Flugsauriern und frühen Vögeln.

Schmitz und Motani haben sich die Augenform von mehr als 160 heute lebenden Tierarten angesehen und sie mit deren Tag- und Nachtrhythmus verglichen. Aufgefallen sind ihnen Unterschiede in der Form des Skleralrings, einer knöchernen ringförmigen Verstärkung um das Auge von Vögeln und vielen Reptilien. Bei tagaktiven Tieren ist die Öffnung des Rings klein, bei nachtaktiven Tieren sehr viel größer - wahrscheinlich, weil dann mehr Licht ins Auge fallen kann.

Dinos unter Zeitmangel

Die gleichen Unterschiede fanden die Wissenschaftler in den Fossilien der Saurier und frühen Vögel: Neun Arten hatten Augen, die typisch für Nachtsehen waren, acht waren offensichtlich tagaktiv, 14 Arten hatten beide Fähigkeiten.

"Ob eine Art nacht- oder tagaktiv ist, hängt von ihrer Körpergröße, ihrer Nahrung und ihrem Lebensraum ab", schreiben die Forscher in "Science". Große Pflanzenfresser beispielsweise mussten einen Großteil ihres Lebens mit der Futtersuche verbringen. Sie litten quasi unter Zeitmangel, vor allem, wenn sie den heißen Mittagsstunden entgehen wollten. Daher gingen sie dazu über, auch nachts zu fressen, so wie etwa die Elefanten.

Lebende Beute lässt sich besser bei Nacht jagen. Dennoch glaubten Forscher bisher, dass Dinosaurier dazu nicht in der Lage waren: "Sie wurden als langsame, wechselwarme Tiere porträtiert, und es war schwer vorstellbar, dass sie nachts, bei niedrigeren Umgebungstemperaturen, aktiv waren", sagt Schmitz.

Er habe das Forschungsprojekt begonnen, weil er es stets logisch gefunden habe, dass nicht nur Säugetiere, sondern auch Saurier nachtaktiv waren. Allerdings sei es "sehr schwierig" gewesen, das mit Daten zu belegen.

boj/dpa
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