Social Distancing bei Tieren Kranke Fledermäuse halten Abstand

Abstand halten, um Infektionen zu vermeiden - was uns Menschen in der Corona-Pandemie empfohlen wird, praktizieren auch Vampirfledermäuse. Das haben Forscher mithilfe neuer Mini-Sensoren herausgefunden.
Eine Vampirfledermaus mit Näherungssensor

Eine Vampirfledermaus mit Näherungssensor

Foto: Sherri Fenton / dpa

Normalerweise sind Vampirfledermäuse hochsoziale Tiere . "Sie betreiben gegenseitige Fellpflege und teilen Nahrung", sagt der Biologe Simon Ripperger vom Naturkundemuseum Berlin. Zusammen mit zwei Kollegen der University of Texas und der Ohio State University berichtet er im Fachmagazin "Behavioral Ecology" nun, wie sich das Verhalten der Tiere ändert, wenn sie krank sind. Demnach verringern infizierte Tiere die Interaktionen mit Artgenossen deutlich, was andere vor Erregern schützt. "Wir vermuten, dass das Abstandhalten eine natürliche Reaktion ist, denn die kranken Fledermäuse waren lethargisch und schliefen mehr", so Ripperger.

Das Verhalten sei bereits bei Fledermäusen in Gefangenschaft beobachtet worden, so Ripperger. Die Wissenschaftler haben es nun auch erstmals in einem Freilandexperiment in Belize nachgewiesen. Dazu fingen sie 31 Weibchen aus einer Gruppe und verabreichten der Hälfte der Tiere eine Substanz, die für sechs bis zwölf Stunden eine bakterielle Infektion simuliert.

Veränderungen im sozialen Netzwerk im Sekundentakt erfasst

Die Tiere wurden außerdem mit neuartigen Näherungssensoren - das ist eine Art Mini-Computer, leichter als ein Eincentstück - ausgestattet und in die Wildnis entlassen. "Die Sensoren erfassen sekundengenau, wer sich in wessen Nähe befindet. Außerdem lässt sich messen, wie nah sich die Tiere kommen", erklärt der Biologe. So ließen sich Veränderungen im sozialen Netzwerk einer ganzen Kolonie im Sekundentakt beobachten.

Die Auswertung der Daten zeigte auch, dass die Krankheitssymptome die sozialen Netzwerke tiefgreifend veränderten. Kranke Fledermäuse verbrachten weniger Zeit mit Gruppenmitgliedern. Gleichzeitig nahm die Wahrscheinlichkeit ab, dass ein gesundes Tier mit einem Kranken in Kontakt kommt. Social Distancing sei auch bei den Vampirfledermäusen ein einfacher, aber wirkungsvoller Mechanismus, hieß es vom Naturkundemuseum.

chs/dpa
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