Satellitenbild der Woche Donnerschlag unter Wasser

Im pazifischen Feuergürtel wüten zahlreiche Unterwasservulkane. Einer von ihnen war zuletzt sichtbar aktiv. Fachleute machten in seiner Nähe schon vor Jahren eine fast unglaubliche Entdeckung.
Die Eruption des Unterwasservulkans Kavachi (links unten) hat für eine kilometerlange Wolke aus verfärbten Wasser gesorgt.

Die Eruption des Unterwasservulkans Kavachi (links unten) hat für eine kilometerlange Wolke aus verfärbten Wasser gesorgt.

Foto: NASA Earth Observatory

Etwa 24 Kilometer südlich der Salomoneninsel Vangunu lebt ein wütender Riese im Wasser. Er heißt Kavachi und ist einer der aktivsten bekannten Unterwasservulkane der Welt. Die Menschen, die auf Vangunu leben, gaben ihm den Namen eines ihrer Götter.

Seit Oktober 2021 befindet sich der Kavachi in einer Eruptionsphase und spuckt fast unablässig Tephra aus: Gesteinsfragmente, Lava, Feinstaub, Schwefel. Am 14. Mai machte der Nasa-Satellit »Landsat 9« eine Aufnahme des verfärbten Wassers, das sich infolge der Eruption des Vulkans in Richtung Vangunu bewegte.

Der Kavachi (unten rechts im Rechteck) ist Teil des pazifischen Feuerrings und liegt 24 Kilometer südlich der Salomoneninsel Vangunu.

Der Kavachi (unten rechts im Rechteck) ist Teil des pazifischen Feuerrings und liegt 24 Kilometer südlich der Salomoneninsel Vangunu.

Foto: NASA Earth Observatory

Der Kavachi, dessen Gipfel derzeit etwa 20 Meter unter dem Meeresspiegel verortet wird, liegt in einem tektonisch aktiven Gebiet und ist Teil des pazifischen Feuerrings, der sich von den Aleuten am Südrand des Beringmeers bis nach Neuseeland erstreckt.

Mehr als eine Million Unterwasservulkane?

Während es nur etwa 1900 aktive Vulkane an Land und oberhalb des Wassers gibt, wird die Zahl der sogenannten submarinen Vulkane deutlich höher eingeschätzt. Womöglich sind es Hunderttausende, unter Umständen sogar mehr als eine Million. Die Tiefsee ist noch immer weitgehend unerforscht, und so laufen die meisten Eruptionen im Verborgenen ab, womöglich viele Tausend Meter unter der Meeresoberfläche.

Der Kavachi allerdings ist vielen Menschen nur allzu bekannt. Einer seiner Ausbrüche im Jahr 2000 war so gewaltig, dass Lava aus dem Wasser schoss, 70 Meter hoch. Immer wieder berichteten die Einwohner von Vanugu vom Feuer auf dem Ozean und davon, dass die Erde bebte. 1951 löste der Kavachi einen kleinen Tsunami aus.

Submarine Vulkane wie der Kavachi können aber nicht nur dann gefährlich für die Menschen werden, wenn ihre Gipfel nahe der Oberfläche liegen. Auch bei Ausbrüche in großen Tiefen kann es problematisch für den Schiffsverkehr werden. Gasblasen, die bei solchen Eruptionen entstehen, können die Tragfähigkeit des Wassers verringern und sogar riesige Ozeanpötte zum Sinken bringen.

Hammerhai (Symbolbild): Einige der Fische leben unter extremsten Bedingungen mitten im Vulkankrater

Hammerhai (Symbolbild): Einige der Fische leben unter extremsten Bedingungen mitten im Vulkankrater

Foto: Jordi Chias / Nature Picture Library / IMAGO

»Keine Möglichkeit, zu überleben«

Man sollte annehmen, dass jedes Leben in der unwirtlichen Umgebung der lavaspeienden Riesen unmöglich ist, doch das stimmt nicht. Als ein Team der University of Queensland im Jahr 2015 rund um den Kavachi unterwegs war, um Daten über dessen hydrothermale Aktivität zu sammeln, entdeckte es, dass zwei Arten von Haien im heißen und trüben Wasser rund um den Vulkan und sogar in dessen Krater lebten: Hammerhaie und Seidenhaie.

Die Fachleute nannten den Kavachi fortan »Sharkcano«  – eine Zusammensetzung aus den Wörtern Shark (Hai) und Volcano (Vulkan). Es ist allerdings noch unklar, wie die Fische den extremen Bedingungen trotzen. Können Sie spüren, wenn ein Ausbruch droht? »Klar ist: Wenn es losgeht, gibt es keine Möglichkeit, dort zu überleben«, sagt Brennan Phillips, der bei der Reise dabei war.

Wie gefährlich es in der Nähe des Vulkans ist, spürte Phillips bei seiner ersten Expedition im Jahre 2015 am eigenen Leib. Auch damals befand sich der Vulkan in einer eruptiven Phase. Es habe sich angefühlt, als würde direkt unter oder neben ihm ein Donnerschlag losgehen, sagte der Forscher in einem Interview mit »National Geographic« .

gui