Dürre in Südeuropa Spanien und Portugal so trocken wie in 1200 Jahren nicht

Extreme Dürre herrscht in Südeuropa, in diesem Jahr schon im Frühsommer. Warum es in zwei Ländern so besonders trocken ist, zeigt eine neue Studie US-amerikanischer Forscher.
Frühe Feuersaison: Löschflugzeug Mitte Juni nahe dem nordspanischen San Martín de Unx

Frühe Feuersaison: Löschflugzeug Mitte Juni nahe dem nordspanischen San Martín de Unx

Foto: Miguel Oses / AP

Für Südeuropa zeichnet sich ein harter Sommer ab. In Portugal spricht man von der schlimmsten Dürre der vergangenen 20 Jahre. Nach dem heißesten Mai seit 1931 leidet nach jüngsten Angaben des portugiesischen Instituts für Meer und Atmosphäre (IPMA) derzeit über 97 Prozent des Territoriums unter schwerer Trockenheit. Die Regierung in Lissabon führt deshalb Kampagnen zur effizienteren Nutzung von Wasser durch.

Laut einer neuen wissenschaftlichen Studie sind die Bedingungen für diese Dürre sogar für mehr als ein Jahrtausend beispiellos. Demnach sei das Klima auf der iberischen Halbinsel so trocken wie nie zuvor in den vergangenen 1200 Jahren. Ein US-Forschungsteam um Caroline Ummenhofer von der Woods Hole Oceanographic Institution veröffentlichte die Ergebnisse aus Wetterdaten und Computermodellen in der Zeitschrift »Nature Geoscience« .

Als Ursache wurde die Häufung großer Hochdruckgebiete im Winter auf Höhe der zu Portugal gehörenden Inselgruppe Azoren im Atlantik ausgemacht. Solche Azorenhochs können das feuchte Atlantikwetter weiter nordwärts treiben, das in normalen Wintern für reichlich Regen in Portugal und Spanien sorgt. Die Ausnahme davon kam laut der Studie in den Jahrhunderten bis 1850 etwa alle zehn Jahre vor, bis 1980 alle sieben und seitdem alle vier Jahre. »Das sorgt für trockene Bedingungen auf der iberischen Halbinsel und im Mittelmeerraum«, sagte Ummenhofer dem »Guardian« . »Wir konnten diese Zunahme eindeutig den menschengemachten Emissionen (klimaschädlicher Gase) zuordnen.«

Für den Wasserhaushalt in der Region und die Zukunft von Oliven-, Wein- und Zitrusfrüchteanbau bedeute das nichts Gutes. Dem Bericht zufolge steht sogar im Raum, dass der Tejo als größter Fluss der Halbinsel zeitweise komplett austrocknen könnte.

Spanische Stauseen nur noch halb voll

In Spanien seien die Stauseen inzwischen noch zu durchschnittlich 46 Prozent gefüllt – der niedrigste Stand seit Beginn der Erfassung vor 17 Jahren, berichtete am Dienstag die Zeitung »La Vanguardia« unter Berufung auf das Ministerium für Ökologischen Wandel in Madrid.

Man rechne damit, dass das Niveau bis September weiter zurückgehe. Erst im Herbst sei eine Erholung zu erwarten. Es gebe allerdings zum Teil große regionale Unterschiede. In einigen Regionen lägen die Pegelstände sogar über dem langjährigen Schnitt. Schlimm sei die Lage aber derzeit im Guadalquivir-Becken im Süden sowie im Guadiana-Becken im Zentrum und Südwesten Spaniens.

Trinkwasser-Rationierungen würden vorerst nicht erwogen, schrieb »La Vanguardia« unter Berufung auf die Behörden. Der Wassermangel ziehe aber bereits die Land- und Viehwirtschaft, die Flussschifffahrt und den Tourismus in Mitleidenschaft, berichtete der staatliche spanische Fernsehsender RTVE. Einige Kommunen und Ferienhausbesitzer hätten ihre Schwimmbecken nicht gefüllt, um freiwillig Wasser zu sparen.

Norditalien rationiert Trinkwasser

In Italien gilt seit Montag und bis zum 31. Dezember der Dürrenotstand in der Lombardei, dem Piemont, der Emilia-Romagna, Venetien sowie Friaul-Julisch Venetien. Große Seen wie der Gardasee haben deutlich weniger Wasser als normalerweise zu dieser Jahreszeit. Der Wasserstand im Fluss Po – der längste Strom Italiens – ging so weit zurück, dass an der Meermündung Salzwasser kilometerweit in das Flussbett drang. Der Pegel ist an manchen Stellen so niedrig wie seit 70 Jahren nicht mehr. Auch der tödliche Gletscherbruch in den Dolomiten am Sonntag wurde mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht.

Griechenland hingegen hat bisher keine akuten Probleme mit der Wasserversorgung – die Reservoire sind voll, wie es bei den staatlichen Wasserwerken heißt. Trotzdem fürchten die Menschen, dass es auch diesen Sommer wieder schlimme Waldbrände geben wird, nachdem im vergangenen Jahr Zehntausende Hektar Wald den Flammen zum Opfer gefallen sind.

Allein in den vergangenen sieben Tagen zählte die griechische Feuerwehr 311 Waldbrände. In der Nacht zum Dienstag kämpften Hunderte Feuerwehrleute und Freiwillige an drei großen Feuerfronten, unter anderem auf der Halbinsel Peloponnes und in Mittelgriechenland. Die Brandgefahr sei wegen der anhaltenden Trockenheit weiterhin hoch, warnte ein Sprecher der Feuerwehr, man sei in Alarmbereitschaft.

ak/dpa
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