Speer-Gemetzel Schimpansen spießen Buschbabys auf

Wenn Schimpansen Hunger haben, bauen sie sich einen Speer aus einem Zweig. Mit den eigenen Zähnen spitzen sie ihn an und stechen damit auf kleine Affen ein, die sich in Höhlen verstecken. Forscher haben das blutrünstige Verhalten jetzt erstmals im Senegal beobachtet.


Sie scheinen stets zu lächeln, ihr Gesicht wirkt freundlich, vertrauensvoll. Aber Schimpansen können auch anders: Hinterlistig wie mancher Mensch überfallen sie wehrlose Opfer im Schlaf, legen sie lahm und morden sogar. Mit extra angefertigten Holzspeeren überwältigen die menschenähnlichen Tiere Galagos, kleine Affen, die auch Buschbabys genannt werden.

Schimpansen mit Werkzeug: Diese Stäbe nutzen die Menschenaffen, um Termiten aus ihre Nestern zu angeln
Dominik Baur

Schimpansen mit Werkzeug: Diese Stäbe nutzen die Menschenaffen, um Termiten aus ihre Nestern zu angeln

Eigens angespitzte Äste stoßen die Schimpansen in Baumhöhlen, in die sich die nachtaktiven Buschbabys tagsüber zum Schlafen zurückziehen. So versuchen sie, die kleinen Primaten aufzuspießen. Anschließend erweitern die Menschenaffen die Höhleneingänge, um an die bewegungsunfähige Beute heranzukommen.

Das blutrünstige Verhalten der Schimpansen hat ein Forscherduo im südöstlichen Senegal beobachtet: Wie Jill Pruetz von der Iowa State University und Paco Bertolani von der University of Cambridge in der Fachzeitschrift "Current Biology" online vorab berichten, stellten die Affen ihre Speere stets in mehreren Schritten her. Sobald sie eine vielversprechende Höhle in einem Baum entdeckten, brachen sie in der Nähe einen Zweig von einem Baum ab, entfernten Blätter und kleine Äste und bissen eines oder beide Enden ab. In den meisten Fällen spitzten sie ihr Werkzeug zusätzlich mithilfe ihrer Schneidezähne an einem Ende an. Anschließend stießen sie den Speer mehrmals heftig in die zuvor ausgemachte Höhle hinein.

Besonders erfolgreich war diese Strategie allerdings nicht: Lediglich in einem von 22 Versuchen gelang es den Schimpansen, ein Buschbaby damit zu fangen. Dabei sollen die Stöße die Halbaffen wohl nicht aufschrecken, sondern sie verletzen und damit bewegungsunfähig machen. Würden die Schimpansen die Baumhöhlen ohne die vorherigen Speerstöße öffnen, hätten sie wohl kaum eine Chance, die flinken Galagos zu fangen.

Fast ausschließlich Weibchen und heranwachsende Jungtiere nutzen die Jagdmethode - und nicht die sonst für die Fleischbeschaffung zuständigen Männchen, erklären die Forscher. Das lässt ihrer Ansicht nach den Schluss zu, dass auch bei den frühen Menschenvorfahren die Weibchen eine größere Rolle bei der Entwicklung von Hilfsmitteln gespielt haben als bislang angenommen.

Die Speere seien das erste Beispiel bei Tieren für den Gebrauch von Werkzeug bei der Jagd, berichten die Anthropologen. Bislang hatten Wissenschaftler lediglich beobachtet, dass Menschenaffen Hilfsmittel nutzen, um Insekten zu fangen, Früchte zu sammeln oder Nüsse zu knacken. Ein friedliches Unterfangen im Vergleich zum heimtückischen Vorgehen gegen die Buschbabys.

hei/ddp



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