Spektakuläre Unterwasserfotos Gurken am Untersee-Gebirge

Volkszählung im Meer: Im Rahmen des Census of Marine Life erkunden Forscher die Tiefsee, SPIEGEL ONLINE zeigt ihre neuesten Entdeckungen. Bizarre Quallen, filigrane Schlangensterne - und zehn neue Arten.

David Shale

Berlin - Wissenschaftler haben zahlreiche seltene Kreaturen in den Tiefen des Atlantischen Ozeans entdeckt. Darunter könnten mehr als zehn neue Arten sein, berichtete das internationale Forscherteam vom Census of Marine Life, einer Art Volkszählung in den Meeren. Die ungewöhnlichen Meeresbewohner fanden die Experten entlang des Mittelatlantischen Rückens zwischen Island und den Azoren.

Zu den spektakulären Entdeckungen gehören drei mutmaßliche neue Spezies von Enteropneusten. Diese Eichelwürmer haben einen dreigegliederten Körper. "Wir konnten die Kreaturen beobachten, wie sie auf dem Meeresboden fraßen und Spuren in Form von Spiralen hinterließen", berichtet Monty Priede von der schottischen Universität Aberdeen. Die drei Funde "haben jeweils eine andere Farbe - rosa, violett und weiß - und auffällig unterschiedliche Gestalten".

Bei einem Wurm konnten die Forscher Schwimmbewegungen beobachten. Die bizarren Lebewesen, die weder Augen noch Gehirn haben, sollen jetzt von Spezialisten an Land untersucht werden.

Die Wissenschaftler erkannten außerdem Seegurken auf steilen Abhängen und Felsen in der Tiefsee. Die Tiere mit ihrem walzenförmigen Körper - eher bekannt als langsame Kriecher auf dem Meeresboden - präsentierten sich als flotte Schwimmer. Die Fotografen des Census of Marine Life entdeckten einige Seegurken direkt über dem zerklüfteten Unterseegebirge des Mittelatlantischen Rückens.

Insgesamt erforschten die Wissenschaftler aus 16 Nationen sechs Wochen lang das Meeresgebiet. Mit Hilfe ihres U-Bootes (ROV) konnten sie Lebewesen zwischen 700 und 3600 Metern Tiefe beobachten. Mehr als 300 Stunden lang war ROV im Taucheinsatz.

Die bisher größte wissenschaftliche Volkszählung im Meer läuft schon seit zehn Jahren. Experten aus zahlreichen Ländern untersuchen dabei sämtliche Ökosysteme, von der Küste bis in die Tiefsee. Ende 2010, das die Vereinten Nationen zum Jahr der biologischen Vielfalt ausgerufen haben, sollen die gesamten Ergebnisse präsentiert werden.

Die bunte Welt der Meere zieht immer mehr Fotografen an; Wettbewerbe für Unterwasserfotos werden ausgeschrieben. Dabei sind selbst für Profis die Herausforderungen im Unterwassergeschäft groß: "Neue Kameras, neue Unterwassergehäuse, neue Objektive und Blitze: Das ist eine richtige Geldvernichtungsmaschine", klagte der Profifotograf Norbert Probst kürzlich auf SPIEGEL ONLINE.

boj/dpa

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