Spektakulärer Saurier-Fund Monster aus der Tiefe

Wissenschaftler sind in der Arktis auf einen riesigen Saurier-Friedhof gestoßen. Unter den prähistorischen Echsen ist auch ein gewaltiges Raubtier, das die Forscher begeistert: Das Viech hatte "Zähne so lang wie Gurken".


Manche Entdeckungen lassen selbst sonst eher nüchterne Wissenschaftler buntes Vokabular benutzen: "So lang wie ein Bus" sei der Raubsaurier gewesen, "Zähne so lang wie Gurken" hätten in seinen Kiefern gesteckt. Die wiederum hätten zu einem Kopf gehört, "der einen erwachsenen Menschen in einem Stück hätte verschlingen können".

Jörn Harald Hurum vom Naturkundemuseum der Universität Oslo und seinen Kollegen ist auf der norwegischen Svalbard-Inselgruppe ein spektakulärer Fund gelungen. In nur zwei Wochen haben die Forscher 21 Plesiosaurier gefunden - langhalsige Reptilien, die für Zeichnungen des Monsters von Loch Ness Modell gestanden haben könnten. Auch die Überreste von sechs fischähnlichen Ichthyosauriern befanden sich unter den rund 150 Millionen Jahre alten Knochen. "Man kann keine hundert Meter laufen, ohne ein Skelett zu finden", sagte Hurum der britischen BBC.

Ein weiteres Skelett haben die Wissenschaftler liebevoll "Das Monster" genannt - wegen seiner riesigen Ausmaße. Beeindruckend an diesem Pliosaurus - einer kurzhalsigen Unterart der Plesiosaurier - ist nicht nur seine Länge von rund zehn Metern. Hurum und seine Kollegen glauben auch, dass es eines der am vollständigsten erhaltenen Pliosaurier-Skelette überhaupt sein könnte.

"Wie frisch überfahrene Tiere"

Fragmente von Pliosauriern sind unter anderem aus England, Russland und Argentinien bekannt. Komplette Knochengerüste aber habe der Erdboden bisher sehr selten freigegeben. "Wir sind ziemlich sicher, dass unseres vollständig ist", sagte Hurum. "Wir sehen den Kopf und etwa sechs Meter von der Wirbelsäule, ehe sie im Boden verschwindet." Letzte Gewissheit werde man jedoch erst haben, wenn das Skelett vollständig freigelegt sei.

Hurum bezeichnete den Pliosaurus als "Tyrannosaurus Rex der Meere" - "nur dass sein Kopf viel größer ist". Der Schädel des Meeresräubers sei mehr als zwei Meter lang, während der eines Tyrannosaurus Rex nur 1,60 Meter messe. Die Forscher haben auch Hinweise auf einen prähistorischen Kampf gefunden: den Zahn eines Ichthyosaurus, der noch im Halswirbel eines Plesiosaurus steckt.

"Alles, was wir finden, bildet einen Zusammenhang", sagte Hurum. "Das sind nicht einzeln verstreute Knochen, sondern komplette Skelette." Die Saurier seien nach ihrem Tod auf den schlammigen und sauerstoffarmen Meeresboden hinabgesunken. Dessen ungewöhnliche chemische Zusammensetzung könnte laut Hurum für den außergewöhnlich guten Zustand der Knochen verantwortlich sein. "Einige Skelette sind schneeweiß, obwohl sie in schwarzem Schiefer lagen. Sie sehen aus wie frisch überfahrene Tiere."

mbe/AP



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