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02. Februar 2017, 16:59 Uhr

Tiefseefisch mit Spezialgelenk

Große Klappe

Wer in der Tiefsee lebt, darf nicht zimperlich sein: Notfalls muss man sich auch an viel, viel größere Beute ranmachen. Das klappt nur, wenn man den passenden Körperbau hat - wie dieser Fisch.

Wer als Urlauber mal entspannt ein bisschen schwimmen geht, irgendwo am Rand der Weltmeere, bekommt keine Barten-Drachenfische zu sehen. Und das ist auch ganz gut so. Die optisch an Schlangen erinnernden Mitglieder dieser Familie von Fischen leben nämlich in der Tiefsee - und für die Jagd dort haben sie recht beeindruckende Werkzeuge entwickelt. Spitze und scharfe Zähnen machen sie zu gefährlichen Jägern -trotz ihrer vergleichsweise geringen Größe. Denn manche Arten werden nur vier Zentimeter lang.

Und nicht nur das: Da sind die schwarzen Körper. Damit sind die Tiere in der Dunkelheit von knapp 200 bis gut 900 Metern Wassertiefe fast unsichtbar. Da sind die speziellen Leuchtorgane, die zum Teil auch in der Mundhöhle liegen. Und da sind die bereits erwähnten Zähne. Zudem gibt es noch etwas anderes Ungewöhnliches, zumindest bei einigen von ihnen: ein Spezialgelenk am Kopf. Es ermöglicht diesen Fischen, ihren Rachen unfassbar weit aufzureißen - und Beute am Stück zu verschlucken.

Das Gelenk aus weichem Gewebe haben Nalani Schnell vom Französischen Museum für Naturkunde in Paris und Dave Johnson vom US-Museum für Naturkunde in Washington gerade erstmals näher untersucht. Im Fachmagazin "PLoS One" berichten sie von ihren Ergebnissen. Die beiden hatten die Fische für ihre Studie nicht in der Tiefsee gefunden, sondern in den Sammlungen von Kollegen in sechs Standorten weltweit.

Nicht das Risiko eingehen, etwas zu verpassen

Die Forscher haben herausgefunden, dass manche der Fische ihre Kiefer um bis zu 120 Grad öffnen können. Das erlaube ihnen auch das Verschlucken von sehr großer Beute. Zum Beispiel lassen sich Barten-Drachenfische gern - große - Sardinen schmecken.

Bei keiner anderen Fischart sei bisher so ein Gelenk bekannt, so die Wissenschaftler. Bei den Barten-Drachenfischen kenne man nun gleich fünf Gruppen, die darauf zurückgreifen könnten.

Das Gelenk ist wohl die perfekte Anpassung an den Lebensraum, so Schnell und Johnson: In der Tiefsee sei Nahrung selten. Da müsse man nehmen, was man bekomme. Man könne nichts vorbeiziehen lassen, weil es zu groß zum Essen sei. Schließlich weiß niemand dort unten, wann das nächste Mal überhaupt wieder etwas auf dem Speiseplan steht.

chs

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