Spezielle Hockposition Jockeys machen Pferde schneller

Pferde haben es vor allem ihren Jockeys zu verdanken, wenn sie heute bei Rennen schneller sind als vor hundert Jahren. Dank der modernen Hockposition der Reiter müssen die Tiere deutlich weniger Energie aufwenden als früher.


Alles wird immer schneller und schneller - so ist offenbar der Lauf der Welt. Auch Rennpferde und Sportler haben in den vergangenen Jahrzehnten bei der Geschwindigkeit immer wieder zugelegt. Während menschliche Sprinter und Schwimmer überdurchschnittlich an Körpergröße zulegten und dadurch schneller wurden, ist die Ursache bei den Pferden eine andere. Die Renntiere konnten vor allem dank der Jockeys zulegen, berichten Thilo Pfau von der University of London und seine Kollegen im Fachmagazin "Science" (Bd. 325, S. 289).

Während die Jockeys bei Pferderennen früher meist aufrecht saßen und es keinen einheitlichen Reitstil gab, setzte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts die auch heute noch verwendete kauernde Haltung durch. Gleichzeitig verkürzten sich auch die Rennzeiten. Das heiße jedoch nicht, dass die Pferde heute schneller seien, schreiben Thilo Pfau und seine Kollegen: Vielmehr sorgen die Jockeys mit gezielten, zum Teil sehr anstrengenden eigenen Bewegungen dafür, dass die Pferde durch ihr Gewicht nicht abgebremst würden.

Die Forscher hatten mit Hilfe von Beschleunigungssensoren die Bewegungen von Reiter und Pferd aufgezeichnet und dabei entdeckt, dass die beiden Bewegungszyklen voneinander entkoppelt sind. Vorstellen könne man sich das etwa so: Würde man dem Pferd Sandsäcke umbinden, müsste es die gesamte Masse bei jedem Schritt beschleunigen und abbremsen. Die dafür aufzuwendende Energie setzt dann die Geschwindigkeit herab.

Durch die aktiven Bewegungen des Jockeys wird dieser Effekt jedoch kompensiert, so dass das Pferd zwar das Körpergewicht des Jockeys stützt, die Energie für dessen Bewegung jedoch nicht aufbringen muss. Tatsächlich überkompensierten gute Jockeys sogar die Bewegungen, berichten die Forscher - in diesen Fällen sei ein Pferd mit Jockey sogar flotter unterwegs als ohne.

Auch menschliche Sprinter und Schwimmer seien in den vergangenen hundert Jahren schneller geworden, berichten Jordan Charles und sein Team von der Duke University im Fachblatt "Journal of Experimental Biology" (Bd. 212, Nr. 15). Die Sportler haben jedoch gleichzeitig überdurchschnittlich an Körpergröße zugelegt: Während die normale Bevölkerung im Schnitt 4,8 Zentimeter gewachsen ist, sind die besten Schwimmer um mehr als 11 und die besten Läufer sogar um mehr als 16 Zentimeter größer als zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Damit nutzten die Athleten ein generelles Gesetz aus, das die Bewegung von Tieren und Menschen bestimmt, schließen die Forscher: Je größer sie sind, desto besser können sie ihr Gewicht vertikal anheben und horizontale Zugkräfte überwinden - zwei Faktoren, von denen die Geschwindigkeit bestimmt wird. Es wäre daher eigentlich folgerichtig, auch für Sportarten wie Schwimmen oder Kurzstreckenlauf Gewichtsklassen einzuführen, schlagen die Wissenschaftler vor.

hda/ddp



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