Invasive Spinnenart in Irland »Falsche Witwe« fängt und frisst geschützte Fledermaus

Eine eingeschleppte Spinnenart versetzt irische Forscher in Erstaunen – weil sie in der Lage ist, Zwergfledermäuse zu fangen und zu verspeisen. Es ist der erste Nachweis überhaupt, dass die »Falsche Witwe« Säugetiere frisst.
Die »Falsche Witwe« ist die giftigste Spinne, die in Großbritannien zu finden ist

Die »Falsche Witwe« ist die giftigste Spinne, die in Großbritannien zu finden ist

Foto: Stephen Dalton / Nature Picture Library / IMAGO

Die »Falsche Witwe« ist eine kleine, giftige Spinne aus der Familie der Kugelspinnen. Sie ist braun mit langen, gelblich-braunen Beinen, und trägt neben ihrer lateinischen Bezeichnung Steatoda nobilis auch die Namen »Edle Kugelspinne« oder »Noble Fettspinne«. Einst war sie auf den Kanaren und auf der Insel Madeira heimisch, doch seit dem Ende des 19. Jahrhunderts breitet sie sich in Europa und in anderen Teilen der Welt aus.

Und offenbar ernährt sich die »Falsche Witwe« nicht nur von Insekten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der National University of Ireland in Galway haben den ersten Nachweis veröffentlicht, dass diese Spinne auch Säugetiere frisst – in einem konkreten Fall eine Fledermaus der Gattung Pipistrella, eine Zwergfledermaus.

Die Untersuchung wurde in der internationalen Fachzeitschrift »Ecosphere«  veröffentlicht.

Die Autorinnen und Autoren der Studie schildern den Fall, den einer von ihnen in seinem Haus in Nord-Shropshire in England beobachtet hatte. Auf dem Dachboden des Hauses, am Rande einer kleinen Wohnsiedlung, lebte seit 2017 eine Fledermauskolonie. Im Frühjahr 2021 baute eine Spinne ihr Netz an der Ecke einer Schornsteinbrüstung, direkt unter der Eingangsöffnung zum Schlafplatz der Fledermäuse.

Das Junge war in Spinnenseide eingesponnen

An einem Morgen im Juli 2021 fand der Mann ein kleines Fledermausjunges tot im Spinnennetz vor – am Abend zuvor war das Netz leer gewesen. Die Flügel waren unter den Körper geklemmt, offensichtlich hatte die Spinne ihre Beute fest mit Seide umwickelt. Der Körper des Tiers wird als leicht verschrumpelt und am hinteren Ende dunkelviolett gefärbt beschrieben. Die Spinne hatte sich von ihm ernährt. Die »Falsche Witwe« kann ihren Opfern ein neurotoxisches Gift injizieren, das zu einer neuromuskulären Lähmung führen kann.

Die Überreste des Fledermausbabys im Spinnennetz

Die Überreste des Fledermausbabys im Spinnennetz

Foto: Ecosphere / CC BY 4.0

Nur ganz kurz darauf wurde eine erwachsene Fledermaus entdeckt, die sich in demselben Netz verfangen hatte. Das Exemplar war lebendig, und in diesem Fall befreite der Wissenschaftler die Fledermaus aus dem Netz, woraufhin sie zurück zu ihrem Schlafplatz gekrabbelt sei.

Die zweite Fledermaus hatte mehr Glück und wurde aus dem Netz befreit

Die zweite Fledermaus hatte mehr Glück und wurde aus dem Netz befreit

Foto: Ecosphere / CC BY 4.0

Die Spinne konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als »Falsche Witwe« identifizieren. Es handele sich um ein ausgewachsenes Weibchen. Die genaue Fledermausart ließ sich nicht bestimmen, vermutlich handelte es sich jedoch um Tiere aus der Gattung der Zwergfledermäuse. In Großbritannien sind Zwergfledermäuse geschützt.

Interessant ist diese Entdeckung aus mehrerlei Hinsicht. Erstens geht das Forschungsteam davon aus, dass die Spinne ihr Netz gezielt unter den Eingang der Fledermäuse gesponnen hat. Zweitens ist dieser Fall – nach Kenntnis der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – der erste Nachweis dafür, dass ein Mitglied aus der Familie der Kugelspinnen ein Säugetier gefressen hat. Vor drei Jahren war schon einmal berichtet worden, dass die »Falsche Witwe« in Irland eine einheimische Eidechsenart gefressen hatte.

Sie habe »das Potenzial, die weltweit invasivste Spinnenart zu werden«

Und drittens zeigt die Beobachtung, auf welche Weise sich die invasive Spinnenart in ihrer neuen Umgebung einrichtet. Michel Dugon, einer der Hauptautoren der Studie, sagte: »Wir arbeiten seit fünf Jahren an der Falschen Witwe und haben viel über diese Art gelernt. Dennoch sind wir immer noch überrascht von ihrer Fähigkeit, sich an neue Umgebungen anzupassen und das Beste aus den vorhandenen Ressourcen zu machen. Es ist eine wirklich bemerkenswerte Art.« Heimischen Spinnenarten in Irland und Großbritannien sei die invasive »Falsche Witwe« überlegen – unter anderem sei sie tolerant gegenüber Kälte, sie sei ganzjährig aktiv, sie pflanze sich in schnelleren Zyklen fort und werde für eine Spinne recht alt.

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Die Studie enthält deshalb die Warnung: Die Spinne werde sich weiter ausbreiten – und weitere Tiere auf ihre Speisekarte aufnehmen. »Wir sollten damit rechnen«, hieß es, »dass mehr Arten dieser Spinne zum Opfer fallen, darunter auch seltene, bedrohte oder geschützte Arten.«

Auf der Liste der EU zu invasiven Arten findet sich die »Falsche Witwe« noch nicht. Die Studienautoren und -autorinnen schreiben jedoch: Sie habe »das Potenzial, die weltweit invasivste Spinnenart zu werden«

vki
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