Arbeitsteilung bei Spinnen Jeder tut, was er am besten kann

Wächter oder Babysitter - bei einer Spinnenart aus Nordamerika entscheidet der Charakter über die Arbeitsteilung im Netz. Die Taktik geht auf: Sie steigert die Beute und sorgt für Nachwuchs.
Spinnenart Anelosimus studiosus: In Obhut spezialisierter Babysitter überlebt deutlich mehr Nachwuchs

Spinnenart Anelosimus studiosus: In Obhut spezialisierter Babysitter überlebt deutlich mehr Nachwuchs

Foto: Judy Ghallagher

Arbeitsteilung gibt es bei vielen Tierarten, etwa den staatenbildenden Insekten. Individuen, die für unterschiedliche Aufgaben zuständig sind, lassen sich häufig schon rein äußerlich unterscheiden. So sehen zum Beispiel die Arbeiterinnen bei den Honigbienen anders aus als die Königin oder die Drohnen. Forscher um Colin Wright von der University of Pittsburgh im US-Staat Pennsylvania wollten nun herausfinden, ob es bei körperlich identischen Individuen in sozialen Gemeinschaften eine Arbeitsteilung gibt, die sich nach der Persönlichkeit beziehungsweise den Fähigkeiten einzelner Tiere richtet.

Im Labor setzten sie jeweils zwei aggressive und zwei gutmütigere Weibchen der Spinnenart Anelosimus studiosus zusammen und beobachteten, wie diese die anfallenden Arbeiten - Beutefang, Netzbau, Brutpflege und Verteidigung - organisierten. Heimisch sind die Spinnen in Nord- und Südamerika und leben im Gegensatz zu vielen anderen Spinnenarten in sozialer Gemeinschaft.

Doppelte Überlebenschancen für den Nachwuchs

Es zeigte sich, dass die aggressiven Weibchen hauptsächlich Beute fingen, das Netz bauten und Feinde abwehrten - und das auch besser konnten als die zahmeren Exemplare. Sie fingen deutlich mehr Insekten und bauten bessere Netze, berichten Forscher in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" . Die zahmeren Weibchen wiederum, die sich hauptsächlich der Brutpflege widmeten, schnitten bei dieser Aufgabe besonders gut ab. Wenn sie eine große Brut versorgen mussten, überlebten doppelt so viele Nachkommen, als wenn die aggressiven Weibchen diese Aufgabe übernahmen.

Ihre Untersuchung zeige, dass die Persönlichkeit der Spinnen eine bedeutende Rolle bei der Organisation der Gesellschaft spiele, schreiben die Forscher. Die Spinnen führten verschiedene Aufgaben entsprechend ihrer Begabung aus. Es sei allerdings unklar, ob die verschiedenen Persönlichkeiten von vornherein besonders gut für ihre Aufgaben gerüstet seien oder ob sie im Laufe der Zeit ihre Fähigkeiten immer weiter verbesserten.

Unterschiedliche Persönlichkeiten seien in nahezu allen Tiergemeinschaften beobachtet worden, schreiben die Forscher. Inwieweit verschiedene Charaktertypen analog zu morphologisch unterscheidbaren Individuen die Struktur sozialer Gesellschaften organisieren, müsse verstärkt untersucht werden.

jme/dpa
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