Extreme Brutpflege Spinnen lassen sich von ihren Nichten fressen

Bei manchen Spinnen opfert sich die Verwandtschaft wirklich auf: Weibchen, die selbst keinen Nachwuchs haben, füttern die Kinder ihrer Schwestern - am Ende sogar mit dem eigenen Körper.

Stegodyphus dumicola
DPA/ Anja Junghanns/ Universität Greifswald

Stegodyphus dumicola


Bei Spinnenarten, die in Sozialverbänden leben, opfern sich auch die Tanten für den Nachwuchs ihrer Schwestern. Wie eine Studie der Universitäten Greifswald und Aarhus belegt, versorgen die unverpaarten Weibchen bestimmter afrikanischer Spinnen ihre Nichten und Neffen mit hochgewürgter Nahrung und lassen sich später auch von den Jungtieren fressen. Bislang sei angenommen worden, dass die jungfräulichen Weibchen der sozialen Art nur Beutefang und Netzbau betrieben.

Die deutschen und dänischen Forscherinnen haben Gruppen aus verpaarten und unverpaarten Weibchen der Stegodyphus dumicola zusammengestellt und geprüft, welche Tiere Brutpflege und Beutefang betrieben. Dabei stellten sie fest, dass auch die unverpaarten Tanten die kräftezehrenden Aufgaben der Mütter übernahmen - und später auch von den Jungtieren gefressen wurden, wie die Wissenschaftlerinnen in der Fachzeitschrift "Animal Behaviour" berichten.

"Nur scheinbar altruistisch"

Sie begründen das Verhalten mit der Sicherung des Erbguts der engsten Verwandtschaft und damit auch des eigenen in der nächsten Generation einer Kolonie. Soziale Gruppen bei diesen Spinnen werden meist von einer einzelnen Mutter und ihrem Nachwuchs gegründet, der sich untereinander verpaart.

"Das Verhalten ist nur scheinbar altruistisch", sagt die Spinnenforscherin Gabriele Uhl von der Universität Greifswald, die an der Studie beteiligt war. Durch die erfolgreiche Aufzucht ihrer Nichten und Neffen werden auch Gene, die die Tante besitzt, an die nächste Generation weitergegeben. Das erkläre, wie das Verhalten evolutionär entstehen konnte und erhalten bleibe, schreibt die Universität Greifswald. Rund 60 Prozent der Weibchen in den Kolonien der Stegodyphus dumicola sind unverpaart.

Spinnen leben sehr selten in engen Sozialverbänden: Beobachtet wurde diese Lebensweise nur bei gut 20 verschiedenen Arten.

wbr/dpa



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