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18. Januar 2013, 09:28 Uhr

Arktische Tierwelt im Klimawandel

Hungern auf der Eisplatte

Der Klimawandel stellt Tiere in Spitzbergen vor Herausforderungen. Mit steigenden Temperaturen fällt mehr Regen, ein Eispanzer legt sich über die Tundra - mit Folgen für viele Lebewesen.

Hamburg - Dem eisigen Winter auf der arktischen Inselgruppe Spitzbergen halten nur wenige Tierarten stand, wie etwa mit dichtem Fell ausgestattete Polarfüchse. Extremes Wetter kann das Geflecht von Jäger und Beute stören, berichten norwegische Forscher im Wissenschaftsblatt "Science".

Der Klimawandel könnte demnach die Tierwelt in der Arktis noch stärker beeinflussen als bisher vermutet. Denn mit steigenden Temperaturen tritt ein gefürchtetes Wetterphänomen häufiger auf: kräftiger Regen, der dann am Boden gefriert und so einen Eispanzer auf dem Schnee formt. Pflanzenfresser kommen dann nur noch schwer an Nahrung. Wie dieses Wetter Rentieren und Feldmäusen zusetzt, wurde bereits untersucht.

Brage Hansen von der Universität Trondheim und Kollegen haben nun Zählungen von vier Tierarten aus den Jahren 1991 bis 2009 ausgewertet. Das System von Räubern und Beute ist auf Spitzbergen recht simpel. Im Winter finden sich drei Wirbeltierarten, die sich von Pflanzen ernähren: das Spitzbergen-Rentier, das Alpenschneehuhn und die relativ neu zugewanderte Osteuropäische Feldmaus.

Dazu kommt ein Raubtier, das die Herbivoren jagt oder sich als Aasfresser über Kadaver hermacht: der Polarfuchs. Eisbären gibt es auch noch auf der Inselgruppe, diese spielen für das untersuchte Nahrungsnetz aber keine nennenswerte Rolle. Sie fressen vor allem Robben.

Die Forscher stellten bei den Auswertungen fest, dass Schwankungen der untersuchten Tierarten oftmals synchron verlaufen. In Wintern mit einem durch Regen entstandenen Eispanzer gehen die Populationen der Rentiere, Schneehühner und Mäuse stark zurück - und bleiben auch im folgenden Winter noch klein. Die Größe der Fuchspopulation verändert sich mit einem Jahr Verzögerung. Denn die Räuber können sich in einem harten Eiswinter an Rentier-Kadavern satt fressen. Erst im Folgejahr, wenn die Pflanzenfresserbestände alle geschrumpft sind, hungern die Polarfüchse.

Der Einfluss extremer Wetterbedingungen war bisher meist für einzelne Arten, nicht aber für Nahrungsnetze gezeigt worden, schreiben die Forscher. Bei der Klimaerwärmung werde mit einer Zunahme extremer Wettersituationen gerechnet, so Hansen. Dazu gehörten unter anderem auch mehr Regenfälle.

Während spezialisierte arktische Tierarten wie der Polarfuchs mit der Erderwärmung zunehmend Probleme haben werden, könnten subarktische Arten davon profitieren. Anouschka Hof und ihre Mitarbeiter von der Universität im schwedischen Umea berichteten kürzlich im Fachjournal "PLoS One" von Modellrechnungen, denen zufolge sich Tierarten der südlicheren Tundragebiete nach Norden ausbreiten.

wbr/dpa

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