Erstaunliches Spinnenverhalten Sie träumt vielleicht von einer fetten Fliege

Wenn es dunkel ist, zittern Springspinnen mit ihren Beinen, als würden sie träumen. Ob sie das wirklich tun, ist allerdings noch unklar – es ist nicht mal erwiesen, dass sie dabei überhaupt schlafen.
Springspinne der Gattung Heliophanus flavipes und ein Kugelschreiber: Hallo, schläfst du?

Springspinne der Gattung Heliophanus flavipes und ein Kugelschreiber: Hallo, schläfst du?

Foto: Lino Mirgeler / dpa

Kennen Sie diese winzig kleinen Spinnen, die oft im Fensterrahmen wohnen? Springspinnen. Arachnophobiker fürchten ihre ruckartigen Bewegungen und noch viel mehr ihr Sprungvermögen, denn auf einmal sind die Tierchen weg. Und schlimmer als eine sichtbare Spinne ist nur eine Spinne, die plötzlich nicht mehr da ist – und die Fantasie anregt.

Dabei tun Springspinnen eigentlich nichts. Wenn man auf Fotos an sie heranzoomt, haben sie drollig große Augen. Sie weben keine Netze, sondern springen auf ihre Beute drauf, ein wenig wie Katzen. Fachleute der Universität Konstanz haben sich nun genauer mit den Achtbeinern befasst und erstaunliches beobachtet, wie sie im Fachmagazin »Proceedings of the National Academy of Sciences«  berichten.

»Wir waren dabei, das Nachtverhalten von Springspinnen zu filmen, und dabei fiel uns Überraschendes auf«, berichtet die Verhaltensbiologin Daniela Rößler auf Twitter . »In regulären Abständen rollten sie ihre Beine ein und zuckten in scheinbar unkontrollierten Bewegungen.« Das erinnerte die Wissenschaftlerin und ihr Team an schlafende Hunde oder Katzen, und so fragte sie sich: »Könnte das REM-Schlaf sein?«

Katzen, Hunde, Oktopoden – nun auch Minispinnen?

REM steht für »Rapid Eye Movement«, das ist eine Schlafphase, in der sich die Augen schnell bewegen und in der auch Träume am intensivsten sind. Die Gehirnwellen zeigen ein deutlich schnelleres, abwechslungsreicheres Muster als beim Tiefschlaf. Zudem steht die REM-Phase unter Verdacht, das kreative Denken positiv zu beeinflussen – jedenfalls beim Menschen.

Wie das beim Tier ist? Unklar. Man weiß aber: Auch Katzen, Hunde und Gorillas haben REM-Schlaf-Phasen, bewegen sich ruckartig im Schlaf, als würden sie auf Traumvorstellungen reagieren. Ob sie wirklich so träumen, wie Menschen träumen, lässt sich nicht abschätzen, weil sie nichts davon erzählen können.

Auch andere Säugetiere haben REM-Phasen, etwa Ratten, Elefanten und Pferde, sogar Oktopoden und einige Vogelarten. Unbekannt sind REM-Phasen bei Reptilien, Amphibien und Fischen.

Und nun neu im REM-Klub: Spinnen?

Forschung mit einem Trick

Um zu untersuchen, ob die zuckenden Glieder etwas mit REM zu tun haben, musste Daniela Rößler zu einem Trick greifen. Der von ihr untersuchte Dunkle Sichelspringer (Evarcha arcuata) hat zwar Augen, sogar gleich acht Stück – diese sind jedoch unbeweglich. Was die Spinne jedoch bewegen kann, ist die Netzhaut hinter den Augen. So kann sie dreidimensional sehen. Und da Spinnenbabys der Evarcha arcuata in der ersten Woche ihres Lebens transparent sind, lässt sich die Bewegung der Netzhaut beobachten.

Und siehe da: Wenn die Spinnen ihre Beine unkontrolliert einrollten oder mit ihnen zuckten, bewegte sich auch die Netzhaut.

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Das ist natürlich noch kein Beweis dafür, dass Spinnen tatsächlich träumen. Das räumt auch die Forscherin ein. »Wir müssen uns noch genauer anschauen, wie verbreitet REM-Schlaf und REM-ähnliche Verhaltensweisen im Tierreich sind«, führt Rößler auf Twitter  aus. »Wir können noch viel lernen, denn sogar beim Menschen ist der REM-Schlaf noch ein großes Mysterium.«

Eine grundsätzliche Frage ist darüber hinaus noch offen: Schlafen die Spinnen überhaupt, wenn sie die von Rößler beobachteten Zuckungen zeigen? Oder sind sie nur in ruhendem Zustand, quasi einem Dösen? Auch das wollen die Wissenschaftler noch untersuchen, indem sie die vermeintlich schlafenden Tiere anstupsen und beobachten, ob sie dann anders reagieren als wache Spinnen.

mgo
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