Artenspürhunde im Einsatz Kommissarin Greta

Für das organisierte Verbrechen ist der Schmuggel mit Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind, ein lukratives Geschäft. Um ihnen das Handwerk zu legen, setzt der deutsche Zoll auf Spürhunde.

Denise Hruby

Von Denise Hruby


Auf Kommando springt Greta von ihrem Platz auf, gleitet mit der Nase an Leder und Kunststoff entlang, dann bleibt sie ruhig neben einem hellbraunen Lederkoffer sitzen. "Sehr gut", lobt Zollbeamtin Alexandra Wittenberg, und lässt die Labradorhündin mit einem Leckerli wissen: richtigen Koffer gefunden, Test bestanden.

Für Greta ist es ein Spiel, für den deutschen Zoll aber ist die Hündin eine wichtige Waffe im Kampf gegen den Schmuggel mit bedrohten Tierarten.

Zuletzt stellte das Hauptzollamt am Flughafen Frankfurt am Main pro Jahr 13.339 Schmuggelstücke von Tieren sicher, die vom Aussterben bedroht sind oder unter Naturschutz stehen. Darunter befanden sich Muscheln und Haifischflossen, Schlangen und Warane, die Felle von Zebras und Häute von seltenen Krokodilen, die zu Geldbörsen und Handtaschen verarbeitet wurden. 1681 Tiere wurden sogar lebend geschmuggelt - darunter Vogelspinnen und Schildkröten aus Madagaskar.

"Es gibt wirklich fast keine Tierart, die nicht vom Schmuggel betroffen ist - das ist schon immer wieder erschreckend", berichtet Christine Straß, Leiterin der Stabstelle Kommunikation des Hauptzollamts Frankfurt.

In Socken versteckte Echsen, eingenähte Papageieneier

Vieles davon wurde von Artenschutzspürhunden wie Greta entdeckt. Ähnlich wie Drogenspürhunde sind sie darauf trainiert, ihren Herrchen spezielle Stoffe anzuzeigen: Ob in Socken versteckte Echsen, Nashornhörner, die zur Tarnung in Schokolade getaucht wurden, oder die Eier von exotischen Papageien, die in Stoffspielzeug genäht den Weg nach Frankfurt gefunden haben - was den Augen der Zollbeamten entgeht, findet Gretas feine Nase.

Seit mehr als einem halben Jahr lebt Greta bei Alexandra Wittenberg. Zusammen absolvierte das Team die 10-wöchige Ausbildung, in der die Hündin erst darauf geschult wurde, den Geruch von bestimmten, geschützten Tierarten anzuzeigen.

Der internationale Schmuggel zählt neben schwindenden Lebensräumen, Naturzerstörung und Wilderei zu den größten Bedrohungen für viele vom Aussterben bedrohte Tierarten. Erst vergangenes Jahr starb das letzte männliche nördliche Breitmaulnashorn, das in freier Wildbahn schon lange als ausgestorben gilt. Auch Elefanten, Tiger und Leoparden, aber auch seltene Papageien, Echsen und sogar winzige Aale werden in ihren natürlichen Lebensräumen gefangen oder gewildert und über Grenzen geschmuggelt, als Dekoration verkauft oder zu sogenannten traditionellen (meist völlig wirkungslosen) Medizinprodukten verarbeitet.

20 Milliarden Euro schwerer Markt

Das Washingtoner Artenschutzabkommen, kurz CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora), dem über 180 Länder beigetreten sind, soll den internationalen Handel mit geschützten Arten eigentlich limitieren, aber der Schmuggel blüht: Mehr als 20 Milliarden Euro jährlich bringt er den Kriminellen laut Schätzungen ein - viele Experten glauben an noch höhere Dunkelziffern, und warnen, dass der wachsende internationale Flugverkehr den Handel nur noch erleichtert.

Mithilfe der Hunde will der deutsche Zoll Schmuggler überführen. Trainiert sind die Tiere auf vier verschiedene Duftgruppen: Die Kategorien umfassen

  • Meerestiere wie Muscheln und Fische,
  • Federn zum Beispiel von seltenen Papageien,
  • Tierfelle wie bei Zebras oder Tigern,
  • und Reptilien.

Welche Duftspuren die Hunde bei der Suche genau wahrnehmen, ist nicht geklärt, sie springen aber auch auf tote Exemplare oder Teile der Tiere an - Lederhandtaschen zum Beispiel oder Pelzjacken.

Frankfurt: Drehkreuz für den Artenschmuggel

"Es ist wirklich beeindruckend, wie schnell und gut sie das alles gelernt hat", erzählt Wittenberg. "Für sie ist das nicht mal Arbeit, sondern einfach Spaß", sagt die Zollbeamtin. Davon gibt es in Frankfurt genug: Am größten Flughafen Deutschlands stellt der Zoll fast 80 Prozent aller Artenschmuggelfälle des Landes sicher, erklärt Albrecht Vieth, Leiter des Hauptzollamts. An mehr als 60 Tagen pro Jahr reisen hier mindestens 200.000 Menschen an und ab, dazu kommen 90 Millionen Briefsendungen pro Jahr. Unterstützt werden die etwa 950 Mitarbeiter des Zolls von insgesamt 32 Spürhunden, die meisten davon auf Rauschgifte trainiert, aber auch auf Falschgeld und, wie Greta und ihre zwei Kollegen, auf geschützte Tierarten.

Laut Vieth habe man schon früh erkannt, dass besonders der Flughafen Frankfurt mit seinen vielen Direktflügen ein wichtiges Drehkreuz für das international organisierte Verbrechen sei. Frankfurt zählte 2007 zu den ersten Flughäfen in Europa, die einen Artenspürhund einsetzten. Daraufhin schnellten die Funde geschützter Tiere nach Angaben des Zolls schlagartig nach oben.

Der Erfolg in Deutschland hat auch andere Länder inspiriert, darunter Österreich, Italien und Ungarn, die selbst Hunde ausgebildet haben und sie nun zumeist an Flughäfen einsetzen. Auch der britische Zoll lässt inzwischen erfolgreich Tiere für sich arbeiten - und trägt damit zum Schutz vieler weiterer bei.

Dieser Text entstand mithilfe einer Förderung des unabhängigen Earth Journalism Network.

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