Spuren in Sachsen-Anhalt Dinosaurier 15 Millionen Jahre älter als gedacht

Die Abdrücke in einem Tagebau beweisen es: Dinosaurier gab es bereits vor 243 Millionen Jahren - 15 Millionen Jahre früher als angenommen. Die bereits im Juni bei Bernburg in Sachsen-Anhalt freigelegten Spuren gelten als seltener und äußerst spektakulärer Fund.


Bernburg - "Das war schon eine Sensation", schwärmte Cajus Diedrich, der Entdecker der Saurierspuren. "Uns war klar, dass das etwas Großes werden kann." Der Forscher von der Universität Osnabrück hatte im Oktober 2007 gemeinsam mit Frank Trostheide vom Magdeburger Museum für Naturkunde in einem Kalksteinbruch bei Bernburg die Fährten von frühen Dinosauriern entdeckt.

Vom 9. Juni bis 4. Juli 2008 wurden in einem fünf Meter mächtigen Muschelkalkpaket fünf Schichten freigelegt und auf einer 50 mal 40 Meter großen Fläche die Spuren gesichert. Angesichts der großen Dichte von Fährten sprach Diedrich von einem spektakulären Fund. Inzwischen ist belegt, dass die Spuren zwischen 243,5 bis 243,9 Millionen Jahre alt sind. Bislang hatten Wissenschaftler angenommen, dass sich Dinosaurier erst im mittleren Trias vor 235 Millionen Jahren von anderen Archosauriern abgespaltet hatten.

Die Fährten könnten neue Erkenntnisse zur Evolution der ausgestorbenen Tiere liefern. "Woher die Saurier kamen, in dieser Beziehung herrschte bislang eine große Wissenslücke", sagte Diedrich. "Aus der Mitteltrias gab es bislang weder Fährten- noch Skelettfunde von echten elefantenfüßigen Dinosauriern. Die Evolution muss also irgendwo dazwischen stattgefunden haben." Mit den Funden von Bernburg sei nunmehr bewiesen, dass die Spezialisierung der Arten bereits in der Mitteltrias eingesetzt habe.

Die Dinos pressten die Fährten seinerzeit ins Watt eines sich vom heutigen Rhein bis nach Böhmen erstreckenden Binnenmeeres, dessen Boden sich durch Ebbe und Flut sowie unter wüstenartigen Bedingungen schnell verfestigte und die Spuren so konservierte. In seiner zwölfjährigen Forschung habe er andernorts bereits mehrere kleinere Spuren gefunden, sagte Diedrich, in Bernburg seien es jedoch ganze Spurenfolgen gewesen.

Als bemerkenswert bezeichnete er die 20 Meter lange Fährte eines primitiven Prosauropoden. Diedrich vermutet, dass sie von einer drei Meter langen, hochbeinigen Echse hinterlassen wurde, die einem Krokodil ähnelte. Diese Raubsaurierspur wird von einer Fährte eines elefantenfüßigen großen Dinos gekreuzt. "Ein einmaliger Fund", meint Diedrich.

Neben den Fährten wurden unter anderem Knochen wie Rippen, Wirbelbögen und Sitzbeine gefunden. Laut Diedrich könnte die seltene Kombination von Fährten und Knochen eine neue Vorstellung von der Nahrungskette im Trias-Watt liefern.

Die ältesten bekannten Dinosaurierarten lebten vor mehr als 200 Millionen Jahren. Die meisten bewohnten Gebiete mit reicher Vegetation in der Nähe von Küsten und Binnengewässern. Sie waren an warmes, subtropisches Klima angepasst, konnten aber auch Kälteperioden überstehen.

Dinosaurier kamen in vielen verschiedenen Arten vor. Die kleinsten waren rund 30 Zentimeter, die größten 37 Meter lang. Manche ernährten sich von Pflanzen, andere von Fleisch und Aas. Die Ursachen für das Aussterben der Dinosaurier vor rund 65 Millionen Jahren sind bis heute noch nicht ganz geklärt. Wahrscheinlich ist, dass sich die hoch spezialisierten Tiere nicht an grundlegend veränderte Umweltbedingungen anpassen konnten. Die meisten Forscher gehen davon aus, dass der Einschlag eines Meteoriten, ein Vulkanausbruch oder beides die Umwelt über Jahre hinweg stark veränderten und so den Niedergang der Dinosaurier einleiteten.

hda/ddp/AP/dpa

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