Aktionsprogramm »Natürlicher Klimaschutz« Umweltministerium will Moore und Wälder mit vier Milliarden Euro schützen

Sie speichern Kohlenstoff und tragen zum Klimaschutz bei – doch viele natürliche Ökosysteme sind bedroht. Die Regierung hat nun angekündigt, verstärkt in den Erhalt der Kohlenstoffsenken zu investieren.
Moorgebiet (in Gollenshausen am Chiemsee): Intakte Moore leisten einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz

Moorgebiet (in Gollenshausen am Chiemsee): Intakte Moore leisten einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz

Foto: Sigrid Singer / EyeEm / Getty Images

Pflanzen nehmen CO₂ aus der Luft auf und bauen mit dem Kohlenstoff – dem C – daraus Biomasse auf: Blätter, Stiele und Wurzeln. Auch wenn organisches Material zu Humus zersetzt wird, wird Kohlenstoff gebunden.

Durch dieses Prinzip tragen verschiedene Ökosysteme zu einer natürlichen Form des Klimaschutzes bei, denn sie sorgen dafür, dass weniger schädliches CO₂ in die Atmosphäre gelangt. Man bezeichnet sie deshalb auch als natürliche Kohlenstoffsenken. Doch das funktioniert nur, solange die Ökosysteme intakt sind.

Das Funktionieren der natürlichen Kohlenstoffsenken spielt auch für die Klimaziele eine Rolle, die Deutschland sich gesteckt und zu denen die Regierung sich gesetzlich verpflichtet hat. Deshalb hat das Bundesumweltministerium nun die Eckpunkte eines Aktionsprogramms  vorgestellt, mit dem genau das gestärkt werden soll: der natürliche Klimaschutz durch Moore, Wälder und Meere.

Vier Milliarden Euro bis 2026

»Wir werden diese natürlichen Ökosysteme schützen, stärken und wiederherstellen«, sagte die Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne). »Es ist höchste Zeit, dass wir nicht gegen die Natur arbeiten, sondern die vorhandenen Synergien zwischen Umwelt und Klimaschutz nutzen.«

Zu diesem Zweck stellt die Bundesregierung Geld bereit: Bis zum Jahr 2026 sollen insgesamt vier Milliarden Euro zur Verfügung stehen, um die natürlichen Kohlenstoffsenken zu stärken und zu schützen. Das sei mehr, hieß es vom Umweltministerium, »als jemals in Deutschland für diesen Bereich zur Verfügung gestellt wurde«.

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Eine zentrale Rolle in dem Aktionsplan spielen die Moorböden  in Deutschland. Rund 92 Prozent der Moorflächen seien derzeit trockengelegt und würden landwirtschaftlich genutzt. Doch dadurch werden Treibhausgase freigesetzt – jährlich rund 53 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Diese Menge entspricht dem Eckpunktepapier zufolge einem Anteil von rund 6,7 Prozent der gesamten nationalen Treibhausgasemissionen. Um zu verhindern, dass so viel Kohlenstoffdioxid aus den trockenen Moorböden entweicht, müsse der Wasserstand wieder angehoben werden. Durch diese Wiedervernässung könnten die Moore erneut CO₂ binden.

Doch Lemke wies auch darauf hin, dass der Schutz der Moore ein »heftiges Spannungsfeld« betreffe. So würde zum Beispiel die geplante Küstenautobahn A20 zu einem beträchtlichen Teil durch Moorgebiete führen. »Wünschenswert wäre es, für den Straßenbau keine Moore mehr in Anspruch zu nehmen«, sagte die Ministerin.

Eine weitere konkrete Maßnahme nannte Lemke mit dem Verzicht auf Holzeinschlag in Buchenwäldern mit älterem Baumbestand. Diese Wälder hätten eine besonders hohe Speicherwirkung, deshalb solle in öffentlichen Buchenwäldern auf die kommerzielle Abholzung verzichtet werden. Lemke rief auch private Waldbesitzer auf, sich einer solchen Regelung anzuschließen.

»Klimaschutz ist Krisenvorsorge«

Insgesamt identifiziert der Aktionsplan des Bundesministeriums für Umwelt und Naturschutz zehn »Handlungsfelder«. Neben Mooren und Wäldern sollen etwa Flüsse, Seen, Auen, Meere und Küstengebiete geschützt werden. Außerdem sollen Stadtflächen verstärkt begrünt werden. Auch die Datenerhebung, -erfassung und die Modellierung solle gefördert werden. Das Ministerium werde nun mit »allen relevanten Akteuren« über die Umsetzung des Aktionsplans beraten. Darunter fallen etwa Verwaltungen und Verbände, aber auch Landwirtinnen und Landbesitzer. Das fertige Aktionsprogramm soll bis Ende des Jahres stehen.

Lemke warb dafür, die Ökologie angesichts anderer globaler Krisen nicht aus dem Blick zu verlieren. »Klimaschutz ist Krisenvorsorge«, sagte sie, »wie wir auf diese Krise eingehen, wie wir damit umgehen, ist entscheidend für unsere Zukunft.«

vki/AFP