Steinadler und Bartgeier in Deutschland Rückkehr der großen Greifvögel

In den deutschen Alpen leben wieder mehrere brütende Steinadler. Auch der Bartgeier, einer der größten flugfähigen Vögel der Welt, lässt sich im Alpenraum wieder blicken.

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Als der Steinadler über dem Gipfel des fast 2000 Meter hohen Giebels in den Allgäuer Alpen erscheint, ist unten im Tal die Freude groß. Schnell werden Ferngläser gezückt, um den mächtigen Greifvogel beim Anflug auf seinen Horst zu beobachten. "Er hat Futter für die Jungen dabei", ruft ein Mädchen, das den Adler durch ein großes Fernrohr im Visier hat.

Henning Werth vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) freut sich über die Begeisterung - und darüber, dass das Adlermännchen fast pünktlich zum Start der Exkursion im Hintersteiner Tal im Oberallgäu auftaucht. "Eine Garantie gibt es natürlich nicht. Aber wir haben bei unseren Steinadler-Wanderungen meistens Glück, dass sich die Vögel sehen lassen", sagt der Gebietsbetreuer des Naturschutzgebietes Allgäuer Hochalpen.

Wegen seines großen Geschicks beim Fliegen wird der Steinadler auch als "König der Lüfte" bezeichnet. Seine Schwingen haben eine Spannweite von rund zwei Metern. Adlerpaare bleiben ihr Leben lang zusammen und nutzen ihren Horst mehrere Jahre. Die Vögel, die bis zu 30 Jahre alt werden können, ernähren sich überwiegend von jungen oder verendeten Gämsen und Murmeltieren.

Früher war der Steinadler in Europa weit verbreitet. In Deutschland brütet er nur noch in den Alpen. Weil er zu den stark gefährdeten Arten gehört, steht der Steinadler unter strengem Schutz. Die Zahl brütender Paare in Bayern hat laut LBV seit Beginn eines Artenhilfsprogramms im Jahr 1997 zugenommen. Dennoch sei der Bestand noch nicht stabil. "Einzelne Reviere haben weiterhin nur einen sehr geringen Bruterfolg. So brütete zum Beispiel ein Steinadlerpaar das vorletzte Mal 1997 und das letzte Mal 2015", sagt LBV-Artenschutzreferent Andreas von Lindeiner.

Das fruchtbarste Adlerpaar Deutschlands

Etwa 45 Adlerreviere gibt es derzeit im bayerischen Alpenraum, elf davon liegen im Allgäu. Das Adlerpaar am Giebel ist nach Werths Angaben das fruchtbarste in Deutschland. Sechs Jungvögel hat es allein in den vergangenen zehn Jahren aufgezogen. "Wenn man bedenkt, dass das Paar nur alle zwei Jahre brütet, ist das eine hohe Quote", sagt der Biologe.

Steinadler legen in der Regel zwei Eier. Doch meist überlebt nur das stärkere Jungtier, das von den Eltern bevorzugt versorgt wird. "Das Kleine wird nur dann gefüttert, wenn Futter übrig ist." Nicht selten werde das schwächere vom stärkeren Jungtier getötet. Aktuell brüten im Allgäu fünf Steinadlerpaare.

Größter flugfähiger Vogel der Welt

Doch nicht nur die Chance, Steinadler zu sehen, ist im Hintersteiner Tal groß. Immer häufiger ziehen dort auch Bartgeier ihre Kreise am Himmel. Für Werth eine Sensation. Schließlich galt der Greifvogel in den Alpen einst als ausgerottet.

Der Bartgeier zählt zu den seltensten Vögeln in Europa - und mit knapp drei Metern Spannweite zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Durchziehende Bartgeier werden im Allgäu inzwischen fast wöchentlich beobachtet, sagt der Experte. Noch halten sich die Tiere nur zur Nahrungssuche in der Region auf. "Aber ich denke, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich der Bartgeier hier als Brutvogel ansiedelt." Entscheidend sei die Akzeptanz durch die Menschen.

Knapp 150 Exemplare im Alpenraum

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren Geier im Alpenraum heimisch. Aus Unwissen und Furcht habe der Mensch die großen Vögel ausgerottet, erklärt Werth. Bartgeier waren einst unter anderem als Kinderdiebe verschrien. In einem internationalen Gemeinschaftsprojekt werde seit 30 Jahren daran gearbeitet, den Bartgeier wieder einzubürgern.

Im gesamten Alpenraum gebe es derzeit knapp 150 Exemplare. Fünf bis sechs Bartgeier seien im letzten Jahr im Allgäu gesichtet worden. Die Vögel sind reine Aasfresser.

Um mehr Kenntnisse über den Bestand zu bekommen, setzen die Artenschützer auf die Hilfe von Wanderern, Hüttenwirten und allen anderen, die in den Bergen unterwegs sind. Sie sollen nach Möglichkeit Bartgeier fotografieren und die Bilder an den LBV senden. "Jede einzelne Sichtung kann dabei helfen, das Wissen über die Ausbreitung dieser Vögel zu verbessern", sagt Werth.

jme/dpa



insgesamt 33 Beiträge
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besucher-12345 30.05.2016
1. Aas-Fresser haben es schwer
An anderer Stelle las ich, dass auf Grund einer EU-Hygiene (?)-Verordnung Aas schnell beseitigt werden muß, weshalb es außerhalb des unwegsamen Gebirges kaum Nahrung für Geier geben würde.
zitrone73 30.05.2016
2. Erfolg
Ein schöner Erfolg für den LBV. Weiter so!
Europa! 30.05.2016
3. Auch im Norden gibt es Adler
2014 und 2015 haben sich hier in Berlin, zwanzig Meter vor meinem Fenster Weißkopfseeadler blicken lassen.
Fonso 30.05.2016
4. Drohnenverbot!!
Im Umkreis von 10 km um jedes Nest! Und Kontrollen! Mit empfindlichen Strafen. Dazu wird nur wieder kein bayrischer Kommunalpolitiker den Mumm haben. Und daher werden die Vögel in wenigen Jahren wieder verschwunden sein. Denn I***, die es toll finden, einen Adlerhorst aus der Nähe zu filmen, wird es garantiert geben (paraglider können jetzt schon ein Lied davon singen). Liebe bayrische Mitleser: bitte versprecht Euren Abgeordneten, dass Ihr sie garantiert nie niemals mehr wählen und überall schlecht über sie reden werdet, wenn sie nicht gegen die hirnlosen Drohnen-user vorgehen.
Luna-lucia 30.05.2016
5. auch in Österreich
und dort in der Rauris, am Dachstein, und vor allem in Vorarlberg, sieht man wieder viele große Greifvögel. Die Natur erholt sich langsam, aber stetig!
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