Zurückgekehrte Zugvögel Immer mehr Störche brüten in Westdeutschland

Weiß-schwarzes Gefieder und knallroter Schnabel - die Störche sind zurück aus dem Süden. Mehr als 5000 Brutpaare leben in Deutschland, jedes Jahr werden es mehr. Vor allem im Westen nimmt die Zahl der Vögel zu.

DPA

Touristisch gibt es in Deutschland sicherlich beliebtere Reiseziele als Brandenburg, die Störche aber stört das herzlich wenig. Ganz im Gegenteil - nirgendwo sonst in Deutschland brüten so viele Storchenpaare wie dort. 1350 Paare zählte der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) vergangenes Jahr. Und auch für diese Saison rechnen die Naturschützer mit etwa ebenso vielen Vögeln wie im Vorjahr. Nicht nur in Brandenburg, sondern in ganz Deutschland.

Die Störche sind zurück aus ihren Winterrevieren. "Ein Großteil der Brutvögel war bereits Anfang April zurück", sagt Nabu-Storchenexperte Kai-Michael Thomsen. Seit vier Jahren steigt die Zahl der Weißstörche in Deutschland. 5563 Brutpaare zählte der Nabu 2013, wie er in seiner aktuellen Storchenbilanz berichtet.

Vor allem in den westlichen Bundesländern gibt es deutliche Zuwächse. Zwar leben nach wie vor mehr Störche in den östlichen Bundesländern. In einigen Gegenden, besonders in Mecklenburg-Vorpommern, gehen die Bestände aber zurück. Dort sank die Zahl der Störche in den vergangenen zehn Jahren um mehr als ein Viertel - von 1142 auf 828 Paare. "Viele stillgelegte Ackerflächen und Wiesen wurden hier zu Ackerland umgebrochen und Weißstörche verloren wichtige Nahrungsflächen", erläutert Thomsen.

Westzieher haben's leichter

Die positive Entwicklung in den westlichen Ländern erkläre sich durch eine geänderte Zugroute gen Süden. Die Störche im Westen Deutschlands ziehen zu einem großen Teil über Spanien und die Straße von Gibraltar nach Afrika. "Aber immer mehr Störche überwintern bereits in Spanien. Dort finden sie auf offenen Müllhalden und in Reisfeldern genug Nahrung", so Thomsen. Weil für sie der Rückweg dann kürzer sei, kämen auch mehr Störche wohlbehalten in den Westen zurück. Auf der östlichen Zugroute, die zumeist Störche aus den östlichen Bundesländern nehmen, sei der Weg dagegen weiterhin lang und strapaziös.

Auch international werden die Weißstorch-Bestände bis Ende 2014 wieder erfasst. Das ist sehr aufwendig und passiert nur alle zehn Jahre. "Der Weißstorch dient uns dabei als Leitart", sagt Thomson. "Über seine Bestandssituation können wir Rückschlüsse auf den Zustand seiner Lebensräume ziehen."

khü/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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weserbaer 16.05.2014
1. Auch hier tobt der Klimawandel
Vogelscharen nehmen gern den kürzesten - oder doch den Weg, der sie am wenigsten Kraft kostet. Da spielen dann Tradition und Gewohnheit immer weniger eine Rolle als veränderte Klimaverhältnisse auf dem und am Rand der gewohnten Wege. Das gilt natürlich auch für die angstrebten Ziele, die dank nachhaltigen Umweltschutzes auch in Deutschland weitere neue Brutgebiete ins Angebot bringen.
dont_think 16.05.2014
2. Storchenpest?
Wenn die Anzahl der Störche sich langsam der Anzahl der Kormorane angleicht, haben wir bald keine ökologisch besonders wichtige Frösche mehr! Eine Mückenplage biblischen Ausmaßes wäre die Folge. Jedes vernünftig denkendes BUND-Mitglied sollte sich einen Storch braten!
Ragnar the Bold 16.05.2014
3.
Zitat von dont_thinkWenn die Anzahl der Störche sich langsam der Anzahl der Kormorane angleicht, haben wir bald keine ökologisch besonders wichtige Frösche mehr! Eine Mückenplage biblischen Ausmaßes wäre die Folge. Jedes vernünftig denkendes BUND-Mitglied sollte sich einen Storch braten!
Das ist generell das Problem beim Tierschutz im Gegensatz zum Naturschutz. Da werden einige Arten rausgefischt und die werden das künstlich bevorzugt. Hab ich bei der Knoblauchkröte in einem Nabu Vortrag gehört, da haben sie ein bestehendes Biotop so umgebaut, dass sich die bei uns in der Region nicht unbedingt heimische Knoblauchkröte verstärkt ansiedelt.
benutzer8472 16.05.2014
4.
Schade, dass der Artikel nicht erwähnt, dass in südlichen Ländern - vor allem dem Libanon - Tausend von Wanderstörchen einzig und allein zum Spass erschossen werden. Selbst Kinder nehmen an diesem trendigen Nationalsport teil und die Fotos davon werden in Sozialnetzwerken geteilt. Und ja, es sind dieselben Störche die dann hier in Europa zu bewundern sind - noch.
geri&freki 16.05.2014
5. Milchmädchen-Ökologie
Ihr selbst gewählter Namen scheint in gewisser Hinsicht auch Programm zu sein! Seit wann werden denn Mücken in nennenswertem Maße durch Frösche dezimiert bzw. reguliert? Also besser vorher doch mal nachdenken, bevor man irgendetwas Unausgegorenes in die Tasten hämmert...! P.S.: Übrigens ernähren sich Frösche heute zu einem guten Teil von Mäusen, Regenwürmern, Großinsekten und anderem Getier!
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